B2K - Pandemonium! - Cover
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B2K Pandemonium!


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 59 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Sirenen heulen, Mülleimer brennen und fette Bässe bollern um die Wette. Wie es sich für ein anständiges Intro einer afroamerikanischen Platte gehört, werden die Fronten gleich zu Beginn zurechtgerückt. Doch Obacht: auf „Pandemonium!“ erwartet uns keine Horde wilder Rapper, sondern ein Quartett blutjunger Gesangstalente, das sich der Kopulationsmusik, den Fachleuten auch als R&B bekannt, verschrieben hat.

Die vier aus Los Angeles stammenden Teenager Omarion (18), J-Boog (17), Raz B (17) und Lil Fizz (17) wurden vor zwei Jahren beim einem von Epic Records ausgerichteten „Showcase for new talents“ entdeckt und vom Fleck weg verpflichtet. Das Label besorgte den Jungs für ihr Debütalbum „B2K“ (2002) die besten verfügbaren Produzenten und Songschreiber (u.a. C. „Tricky“ Stewart und Jermaine Dupri) und sorgte mit geballter Marketingkraft dafür, dass von der amtlichen „Dicke-Hose-Produktion“ in den USA mehr als eine Million Exemplare abgesetzt wurden. Selbstverständlich, dass hier sofort für Nachschub gesorgt werden musste. Und so versorgte man die darbenden Fans noch im selben Jahr mit einem Remix-Album des Debüts und einer Weihnachts-CD namens „Santa hooked me up“. Dann war es auch schon Zeit für den Nachfolger von „B2K“. Im Dezember erschien in den USA das zweite reguläre B2K-Album „Pandemonium!“, das sofort in die Top Ten der Billboard-Charts einstieg und nach nur vier Wochen mit einer goldenen Schallplatte für mehr als 500.000 verkaufte Einheiten ausgezeichnet wurde.

Für ihren neuerlichen Angriff auf die Charts haben B2K, was im übrigen soviel wie „Boys For 2000“ heißt, wieder die Creme der Creme an der Produzentenfront zusammengetrommelt und gleich mit ihrer ersten Singleauskopplung für den deutschen Markt namens „Bump, bump, bump“ einen Song von Soul-Superstar R. Kelly herangezogen, auf dem kein geringerer als Sean „P. Diddy“ Combs als Gast-Rapper sein Stelldichein gibt. Die Zusammenarbeit mit den beiden nicht gerade als Waisenknaben bekannten R&B-Stars verrät, dass es bei B2K jetzt etwas deftiger zur Sache geht. Schließlich nähert man sich der Volljährigkeit. Und so ist „Bump, bump, bump“ ein reichlich anzüglicher Track geworden, auf dem P. Diddy hemmungslos über die Vorzüge des weiblichen Körpers an sich und was man(n) so alles mit ihm anstellen kann, im besonderen, rappt („... We're sendin’ this one out to all the ladies all over the world - all the sexy mamas - come on - as we proceed, to give you what you need”).

Nun machen 15 Songs mit mehr oder weniger anzüglichen Texten und fett pumpenden Bassgrooves noch lange kein herausragendes R&B-Album aus. Es kommt einem nämlich so vor, als würden die Stücke im immer gleichen Takt aus den Boxen rumpeln. Tatsächlich muss sich der geneigte Hörer schon sehr anstrengen, um wenigstens ein paar Variationen herauszuhören. Zum Beispiel im Song „Uh huh”, der sich einige Harmonien bei Destiny's Child ausleiht und noch am frischesten klingt, oder bei „One kiss“, das Stevie Wonders Mundharmonika wiederauferstehen lässt. Ansonsten herrscht Tristesse und die Ernüchterung, dass der klassische R&B wohl nur im Mutterland USA funktioniert. So wie Europas größter Popstar Robbie Williams in den Staaten vermutlich nie ein Bein auf den Boden bekommen wird, so ist ein Durchbruch der R&B-Musik in unseren Breitengraden, abgesehen von einigen wenigen Single-Erfolgen, kaum denkbar. Vor allem nicht, wenn wir es mit so schlappen Werken wie „Pandemonium!“ zu tun haben. Dann doch lieber ein richtig böses Rap-Album, das nicht nur auf eine „Dicke-Hose-Produktion“ zurückgreifen kann, sondern auch Eier in der selbigen hat.

Anspieltipps:

  • Bump, bump, bump
  • Everything
  • Girlfriend
  • Uh huh
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