Big Brovaz - Nu Flow - Cover
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Big Brovaz Nu Flow


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 59 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Big Brother oder Big Brovaz, das ist die Frage, wenn man auf das neue Teen-Group-Projekt der englischen Produzenten Fingaz und Skillz zu sprechen kommt. Drei Jungs, drei Mädchen, alle im Alter zwischen 19 und 23 Jahren, die gemeinsam ein Haus im Süden Londons bewohnen und zusammen musizieren. Da schrillen erst mal die Alarmglocken. England sucht den Superstar bzw. RTL 2, ick hör dir trapsen.

Ursprünglich planten die Herren Fingaz und Skillz eine Compilation mit Londoner Underground-R&B- und HipHop-Künstlern und nannten das Ganze „Big Brovaz – Watching you“. Die Besonderheit: Statt Egotrips aneinander zu reihen, sollten in jedem Stück abwechselnd mehrere Künstler gemeinsam zu Ohren kommen. Daraus entstand bald ein ganz eigener, besonderer Sound und die Chemie untereinander war so stimmig, dass aus der Big-Brovaz-Kollaboration eine richtige Band wurde. „Wir entschieden, lieber alles in eine Band zu stecken als uns mit diesen Bruchstücken zu begnügen und benannten uns nach dem Produktionshaus, das uns zusammenbrachte“, sagt J-Rock, der Älteste des Sextetts. Letztendlich firmieren unter dem Label Big Brovaz die Damen Cherise (19), Dion (22), Nadia (21) und die Herren Flawless (21), J-Rock (23) und Randy (22). Dank der Verschiedenartigkeit unter den Big Brovaz wurde das Debütalbum eine recht abwechslungsreiche Sache mit diversen musikalischen Aromen. Schon auf der Debütsingle „Nu flow“, dem Titeltrack des Albums, werden die Big-Brovaz-typischen Ingredienzien der Hörerschaft hübsch verpackt serviert: Groovige Beats, gepaart mit einem schrulligen, walzerartigen Takt, der den sechs Gruppenmitgliedern eine Bühne bereitet, auf der sie ihre stimmlichen Fähigkeiten sowohl einzeln als auch gemeinsam spielen lassen können. Dabei fällt auf, dass nicht etwa die Herren das Sagen haben, sondern die eng verschmiegten und geordneten Stimmen von Cherise, Nadia und Dion der bestimmende Teil des Big-Brovaz-Sounds sind.

Dieser besagte Big-Brovaz-Sound besteht in seinen Hauptbestandteilen aus HipHop, Rap und Pop und wird durch die Bearbeitungen allerlei fremdartiger Einflüsse aufgepeppt. So besitzt „Summertime“ einen von Latin-Rhythmen angehauchten Sound, „Taking it global“ ist ein kantiger HipHop-Rocker, „Favourite things“ ist eine HipHop-R&B-Version des berühmten Liedes aus dem großen Hollywood-Musical „The sound of music“ von 1965 und „Little mama“ überrascht mit leichten Asia-Sound-Einflüssen. Die herausragenden Stücke der CD sind jedoch die zuckersüße Ballade „Baby boy“ und der Rock-Remix von „Ok“. Beide Titel sind mit eingängigen Hooklines ausgestattet, die die frisch-naiven Studioideen der Briten voll zur Geltung bringen und das Gesamtkonzept etwas von ihren deutschen und amerikanischen Vorreitern abhebt.

Die Single „Nu flow“ schoss von Null auf Drei in die UK-Charts und verblieb wochenlang in den Top 20. Auch das Album erzielte einen ehrbaren Hitparadenplatz und tummelt sich seit nunmehr 17 Wochen in den Insel-Charts. Es ist nur fraglich, ob ein eher lokal angelegtes Thema wie Big Brovaz außerhalb der Insel nennenswerte Erfolgsaussichten hat. Natürlich ist der Gesamtsound sehr hitparadenorientiert und absolut tanzbar, etwa wie eine Mischung aus Outkast, Bro‘Sis und S Club 7. Trotzdem sind die Kompositionen nicht gerade hoch innovative Meisterwerke, sondern vielmehr Fast Food für ein Massenpublikum. Das heißt nicht, dass es sich bei „Nu flow“ um eine „billige“ Produktion handelt. Das sind Alben von den No Angels oder Bro’Sis im Prinzip auch nicht. Aber die musikalische Qualität in Verbindung mit der nachhaltigen Verwertbarkeit lässt schon sehr zu Wünschen übrig.

Anspieltipps:

  • Baby boy
  • Nu flow
  • OK (Rock-Remix)
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