Blackmail - Friend Or Foe - Cover
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Blackmail Friend Or Foe


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ob der schlichte Rock aus dem Rheinland auch nach Monaten noch funktioniert, wagt man heute noch nicht zu konstatieren.

Dass Musik als Exportware aus deutschen Landen seit den Zeiten des guten Ludwig van eher kümmerlicher Natur ist, liegt wahrscheinlich an der Musik an sich, die heutzutage zwischen Kiel und Konstanz produziert wird. Bands wie Myballoon oder Reamonn pressen zwar klischeetriefenden Rock'n'Roll auf ihre Silberlinge, den aber in vereinigten Staaten dank ähnlich situierter Bands wie Creed niemand hören will. Blackmail ist auch so eine deutsche Band, die im Ausland eigentlich keiner so richtig haben will. Aber warum eigentlich?

Denn ganz im Gegensatz zu oben genannten Bands präsentieren die Koblenzer fast Jahr für Jahr qualitativ absolut hochwertige CDs mit bodenständigem Rock ohne allzu viel Testosteron, dafür aber mit einem gehörigen Schuss Melodie und auch Experimentierfreude. Dass der kommerziell nicht so gut läuft und Blackmail immer noch eine Band sind, die auf Festivals dann spielt, wenn Otto Normal-Festivalbesucher noch dem Rausch vom Vorabend ausschläft, liegt wohl entweder an der Ungerechtigkeit der Welt oder der beschaulichen Idylle des Rhein-Städtchens Koblenz. Ansonsten ist "Friend Or Foe" nämlich das beste Rock-Album aus Deutschland seit Slut's neuerlichem Meisterwerk "Nothing Will Go Wrong".

Über den druckvollen Einstand "Airdrop", dessen Gitarrenwände überzeugend mitreißen und "Evon", einem recht trockenes Stück Stoner-Rock mit QOTSA-Ähnlichkeit steigt man ein in einen Trip durch alle Stimmungslagen, die Gitarrenmusik zu evozieren weiß. Langeweile kommt da eigentlich nie auf. Power-Rock wie "It could be yours" ist einfach mitreißend, und würde, wenn Blackmail aus Amerika kämen, längt vor vollen Stadien zelebriert werden. Vielleicht ist es aber auch besser so, das der Durchbruch der Koblenzer bisher ausblieb. Wie könnte man sonst wissen, wie lange man noch beatleske Harmonie wie im hervorragenden "Fast Summer" oder das klavierselige, fast poppige "Leave" zu hören bekommt. Dazu die recht einmalige Stimme von Aydo Abay, der Josh Homme mit Brian Molko kreuzt und dabei doch eigenständig bleibt und Kurt Ebelhäuser, der musikalische Mastermind an der Gitarre, der stets neue Ideen in die Lieder einbaut.

Schwächen hat diese unheimlich geschlossene CD eigentlich kaum. Ob der schlichte Rock aus dem Rheinland auch nach Monaten noch funktioniert, wagt man heute noch nicht zu konstatieren. "Friend Or Foe" ist sehr kompakt, kurz und knackig, und weniger episch als der - sehr gute - Vorgänger "Bliss Please". Etwas überambitioniert könnte man das finale "Friend" bezeichnen, schließlich sind Blackmail nicht die erste Rock-Band, die an das Ende ihrer Platte ein neunminütiges Epos setzen. Diese leichte Anbiederung sei ihnen aber verziehen. "Friend Or Foe" ist mehr als solide und spielt längst in einer Liga mit Bands wie Foo Fighters oder Cave In. Fehlt nur noch der Erfolg, den man dieser talentierten Band nur wünschen kann.

Anspieltipps:

  • Airdrop
  • Evon
  • Leave
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