Beginner - Blast Action Heroes - Cover
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Beginner Blast Action Heroes


  • Label: Motor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Genau wie für den Vorgänger „Bambule“ gilt auch für „Blast Action Heroes“, dass das Album nicht nur für die eingefleischten HipHop-Freaks geeignet ist.

Die Musikbranche steckt in der Krise und rutscht ungebremst immer tiefer in den Keller. Allein im ersten Halbjahr des Jahres 2003 setzten die Plattenfirmen über 16 Prozent weniger um, als im Vorjahr. Und so geht das nun schon seit Jahren. Inzwischen ist die Lage so dramatisch, dass selbst die großen Fachmärkte ihre CD-Verkaufsflächen reduzieren, um Platz für das immer größer werdende DVD-Angebot zu schaffen. Nach den neuesten Prognosen des Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft wird eine Neubelebung des Tonträgermarktes erst Ende 2005 erwartet. So lange heißt es, sich durchzukämpfen und durch Fusionen wenigstens ein paar Synergieeffekte zu nutzen.

Schuld an dem Dilemma sind aus Sicht der Plattenfirmen nicht diese selbst, sondern die bösen Endverbraucher, die, anstatt CDs zu kaufen, lieber zum Brenner greifen oder auf einer der zahlreichen P2P-Plattformen nach den neusten Hits stöbern. „Copy kills music“ haben wir gelernt, auch wenn sich der geneigte Sprachästhet bei solchen Slogans peinlich berührt fühlt. Doch was hat das Ganze mit den Beginnern zu tun? Die Antwort liefert das neue Album „Blast Action Heroes“. Denn damit sich auch die Damen und Herren Musikkritiker brav an obige Losung halten, versorgen die Beginner die schreibende Zunft mit akustisch verunstalteten Promo-CDs, auf denen alle Nase lang der Bass weggemischt wird, damit das Hamburger Rap-Trio mit Helium-getränkten Quietschlauten oder fieser Grabesstimme am laufenden Band mitten in die Songs blöken kann, um diese zu kommentieren und damit auch dem letzten potenziellen Schwarzbrenner die Lust an der bösen Tat nimmt. Na gut, wenn’s hilft. Eine konzentrierte Rezension wird dadurch allerdings erheblich erschwert.

Mittlerweile ist es über zehn Jahre her, dass die Hamburger Jungs Jan Eißfeldt (aka Jan Delay, aka Eizi Eiz), Denyo und DJ Mad mit ihrem „Eimsbush-HipHop-Style“ in der Szene auftauchten. Nach einer handvoll Maxis und Compilation-Beiträgen erschien 1996 das erste Album „Flashnizm (Stylopath)“, mit dem sich die Absoluten Beginner, wie sie sich damals noch nannten, sofort etablieren konnten. Mit dem zwei Jahre später veröffentlichten Werk „Bambule“ gelang der kommerzielle Durchbruch. Goldene Schallplatten und Radiohits pflasterten den Weg der Beginner, die 2000 mit „Bambule/Boombule RMX“ eine Remix-Version ihrer Erfolgsplatte nachlegten. Inzwischen zählen sie neben Eins Zwo, Fettes Brot, Das Bo, Sammy Deluxe, Fischmob, Ferris MC und Fünf Sterne Deluxe zu den angesagtesten und authentischsten Rap- und HipHop-Combos des Landes.

Nach diversen Soloausflügen der drei Beginner, reifte 2002 der Entschluß, das nächste Band-Album anzugehen. Mit den Ryhmebooks unterm Arm und dem Equipment im Karton fuhren Jan, Denyo und DJ Mad nach Amrum, um sich umgeben von gepflegter nordischer Briese dem Stylen zu widmen. Nach sechswöchigem Flash und den ersten Entwürfen auf Band ging es zurück in die Hansestadt um an den Feinschliff zu gehen. In den Studios von Jan Eißfeldt und Denyo wurde geschraubt und gebastelt bis es qualmte. Und nach 18-monatiger Produktionszeit („Anderthalb Jahre Arschaufreißen“) ist es endlich soweit. Nach dem Single-Vorboten „Fäule“, erscheint dieser Tage das vierte Beginner-Werk und schon der Opener „Back in town“ macht deutlich, dass die Eimsbütteler absolut nichts verlernt haben. Die Jungs von der Elbe kombinieren fette Beats mit poppigen Melodien und abgefahrenen Texten. Dazu begeistert Eizi Eiz mit seiner charismatischen Nöl-Stimme, die einen Beginner-Song unverwechselbar macht. In Sachen musikalischer Vielfalt, Reimfluss und Produktion setzen die Beginner damit erneut Maßstäbe und liefern ein rundum homogenes Werk ab.

So gibt es mit „City blues“ eine gelungene Liebeserklärung an das Wetter ihrer Heimatstadt („… das ist meine Stadt, schön und abgefucked“), einen hitverdächtigen Gute-Laune-Song („Gustav Gans“), einen krass groovenden Footstomper namens „Wer bist’n du?“, der ein Sample von „Victim of love“ (The Eagles) verarbeitet, mit „Stift her“ einen Titel, der kurzerhand Falcos „Amadeus“ zitiert und inhaltlich zum Thema Musik aus dem Internet Stellung bezieht und mit „Scheinwerfer“, „Wunderschön“ und „Chili-Chil (Schily-Schill) Bäng Bäng“ drei politische Stellungnahmen, wobei letztere eine derbe Abrechnung mit dem ehemaligen Innensenator der Hansestadt, Ronald Schill, und Innenminister Otto Schily darstellt. Die Beginner haben etwas zu sagen und nehmen kein Blatt vor den Mund. So soll es sein!

Genau wie für den Vorgänger „Bambule“ gilt auch für „Blast Action Heroes“, dass das Album nicht nur für die eingefleischten HipHop-Freaks geeignet ist. Die Drei Füchse aus dem „Buback“-Bau im Hamburger Schanzenviertel flashen auch anno 2003 die krassesten Styles, liefern die derbsten Beats und cleversten Lyrics ab, die dem geneigten Pop-Fan genauso anmachen dürften wie den FUBU-Shirt-Träger. Obwohl HipHop einen eher zwiespältigen Ruf genießt und weltweit zwischen albern (Deutschland), kriminell (USA) und irrelevant (Rest-Europa) pendelt, beweisen die Beginner, dass sie zur Creme der deutschen Musikszene gehören und einem diskrepanten Genre ein Mindestmaß an Respekt bescheren.

Anspieltipps:

  • Stift her
  • City blues
  • Scheinwerfer
  • Wer bist’n du?
  • Chili-Chil Bäng Bäng
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