Bow Wow - Unleashed - Cover
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Bow Wow Unleashed


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem den kleinen Shad Moss ist ein richtiger Teen-Star geworden. Deshalb lässt er inzwischen den Zusatz „Lil’“ aus seinem Namen weg und präsentiert im Alter von 16 Jahren sein drittes Album „Bow Wow – Unleashed“.

Entdecker des kleinen Bow Wow war kein geringerer als Snoop Dogg, dem der 6-jährige Pimpf aus Columbus, Ohio auf der 1993er „Chronic“-Tour von Rap-Übervater Dr. Dre auffiel. Snoop war es auch, der Shad Moss auf den Namen Lil’ Bow Wow taufte und ihn kurzerhand als Special Guest für die laufende Tour verpflichtete. Seitdem ist das Talent zum jüngsten Veteranen der Rap-Geschichte geworden, auch wenn die Konkurrenz selbst in dieser Altersklasse nicht schläft. Förderer der Bow-Wow-Karriere ist Kollege Jermaine Dupri, der über seinen Schützling sagt, dass er ihn an den jungen Michael Jackson erinnert. Und Dupri kann das beurteilen. Schließlich hat er das Kinder-Rap-Duo Kris Kross entdeckt, das 1992 mit „Jump“ acht Wochen lang die Billboard Charts anführte.

Neben zwei eigenen Alben („Beware of dog“, 2000 und „Doggy bag“, 2001) konnte Bow Wow seine Bekanntheit mit Auftritten an der Seite von Snoop Dogg („Doggy style“), Will Smith („Wild wild west“), Jessica Simpson („Irresistible So So Def Remix“) und Jermaine Dupri („Big momma’s house“) steigern. Dabei hat sich Jermaine Dupri Shad Moss Laufbahn mit Bedacht angenommen. Zunächst als Labelvater von So So Def, dann (gemeinsam mit Da Brat) als Lieferant gänzlich unprofaner Texte, schließlich als Visionär mit klaren Zielen: „Ich wusste, es war Zeit für ihn, raus zu kommen, weil kleine Mädchen von elf bis sechzehn Jahren niemanden haben, den sie als den Ihren bezeichnen können. Niemand verwendet Zeit darauf, einen Künstler für sie aufzubauen. Ich will, dass Bow Wow einen jungen, schwarzen Superstar repräsentiert“. Diesem Ziel ist man in den letzten Jahren gewiss recht nahe gekommen. Denn seither spielte Moss in zwei Kinofilmen mit („Like Mike“, „Johnson Family Vacation“) und präsentierte seine eigene Klamottenmarke „Shago“.

Jetzt wird es Zeit, um auch musikalisch erwachsen zu werden. Doch ausgerechnet für sein neues Album „Unleashed“ verzichtete Bow Wow überraschend auf die Dienste von Jermaine Dupri und bediente sich der Songschreiber- und Produzentenkünste von Bone Crusher, Bam & Ryan Bowser, The Neptunes und Jazze Pha. Moss kommentiert dies lakonisch mit der Feststellung „All them bubblegum raps is about to cease“. Na gut. Also schlagen wir härtete Töne an und stellen „Unleashed“ in den Wettstreit mit der ersten Garde des HipHop und Rap, auch wenn ein Jüngling wie Bow Wow bei den Vergleichen mit Jay-Z, Da Brat, Dr. Dre, Snoop Dogg und meinetwegen P. Diddy eigentlich nur verlieren kann. Und so bellen im Intro zu „Get it poppin’“ die Hunde und kündigen den künstlerischen Befreiungsschlag des Shad Moss an. Mit amtlichen West-Coast-Big-Beats aus der Factory von Swizz Beatz The Monster legt der Nachwuchsstar los, gefolgt vom Club-Hit „Let’s get down – Feat. Baby“. Wie gewohnt gehen Bow Wow die Rhymes extrem flink und messerscharf von den Lippen und versetzten den Hörer in groovige Zuckungen.

Einen Tick poppiger geht es bei „Eighteen“ zu. Mega-fette Bässe suchen sich den direkten Weg in den Magengrube, über die Bow Wow einen sanft fließenden, exakt akzentuierten Text flashen lässt. In solchen Momenten blitz das Talent des 16-Jährigen auf, das er freilich nicht über die gesamte Spielzeit des Longplayers verbreiten kann. So hat „Follow me“ auf Dauer einfach einen zu gleichförmigen Beat, den Bow Wow auch mit seinen flinken Raps nicht retten kann. „My baby – Feat. Jagged Edge” ist eine schleimige Halb-Ballade, die wir in dieser Form schon seit den 90ern nicht mehr hören wollen. „The don, the dutch“ dagegen kann mit ulta-coolen Beats aus dem Hause der Neptunes und mit abgefahrenen Lyrics überzeugen. Ja, ja, der Don.... Bei nächsten Mal geben wir aber an, bei wem wir das Sample in dem Song „geliehen“ haben. Sonst gibt es nur unnötige Gerichtsprozesse oder einen bewaffneten Besuch im Aufnahmestudio (siehe Run D.M.C.).

Dass bei den Neptunes auch nicht alles Gold ist was glänzt, beweist „The movement“, ein völlig uninspirierter Rap-Groove mit ein paar netten Bläser-Riffs und Beats aus dem 2. Klasse Baukasten. Etwas gehaltvoller sind da schon Songs wie „I got ya’ll“, bei dem der kleine Bow Wow wie ein Großer auf die Kacke haut und mit Texten wie „What you talkin about ya man for (c'mon). Baby, I got ladies way from Haiti to Atlanta (ladies now). A Peaches, Felicias, several Keishas and Samanthas. Aquarius, Libras, Sagittarius, and Cancers Actresses and models, yeah, they all give me the chance to Give 'em amnesia (oh). Forget how we treat ya. See if I can fit you in my new 2C-uh (vroom vroom). Chisel like a fever, cool like a freezer (yeah). Baby, this the truth comin' live through ya speakers“ zum Schmunzeln anregt. Mit einer süssen Hommage an seine Mutter („To my mama“) und einem aggressiv groovenden Bonus-Track („I’m back“), bei dem sich Bow Wow an einen kleinen Kollegen-Diss heranwagt („Dawg don't come out when Bow Wow’s out. When I spit my rhymes be as sharp as a dart. Another album that's finished, shoot straight up the charts. Number one videos straight to 106. Every suburban middle American gonna be bumpin' this. See, I'm real don't worry. I got it on lock. When the boy wonder's around I shut down shop. Rapper slash actor slash. I cause total chaos. I got it in a smash. Homie ain't nobody hotter. I told you that I'm back. And I'm goin' back for the whole enchilada, you got it”) verabschiedet sich Shad Moss nach nicht ganz einer Stunde Spielzeit und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.

Mit dem Material auf „Unleashed“ wird sich Bow Wow kaum aus der breiten Masse der unzähligen Black-Music-Acts herausheben können. Jungstar-Image hin oder her. Einen wirklich herausragenden Song gibt es auf der Platte nicht zu hören. Dazu ist das von den diversen Songwritern beigesteuerte Songmaterial einfach zu unauffällig und schematisch. Ferner hat der 16-Jährige in seinen Texten nicht wirklich etwas zu sagen. Aber das sehen wir ihn nach. Fakt ist, dass „Unleashed“ trotz eines Einstiegs auf Platz 3 der US-Billboard-Charts nur wenig künstlerisches Potenzial versprüht und in unserer schnelllebigen Zeit untergehen dürfte.

Anspieltipps:

  • Eighteen
  • I’m back
  • I got ya’all
  • To my mama
  • The don, the dutch
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