Justin Balk - Justin Balk - Cover
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Justin Balk Justin Balk


  • Label: Grundsound/INDIGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl der geneigte Plattenkäufer mit dem Namen Justin Balk im ersten Moment wohl nicht ganz so viel anfangen kann, zählt der mit 31 Jahren noch recht junge Singer/Songwriter bereits zu den alten Hasen im Geschäft. Balk startete seine Karriere Anfang der 90er-Jahre bei der Hamburger Pop/Rock-Band Cucumber Men, die es auf zwei Alben brachte, die immerhin beim Major-Label Mercury erschienen. 1996 veröffentlichten die „Gurkenmänner“ mit „Früher waren wir besser“ ihr Debütalbum, das sich durch rockige Gitarren, poppige Melodien und Justin Balks abgefahrene Texte auszeichnete. Merkmale, von dem das zwei Jahre später auf den Markt gekommene Zweitwerk „Turbo“ nicht mehr viel zu bieten hatte und dementsprechend schnell auf den Grabbeltischen der großen Musikhausketten landete.

Zu den bekanntesten Stücken des Trios zählt der Funk-Rocksong „Ich kenn' den Bruder dessen Freundin hat ne Schwester deren Vater früher mal sein Fußballtrainer war“, der als Singleauskopplung beachtliches Airplay bekam und der Band bundesweite Bekanntschaft bescherte. Doch nach der Enttäuschung mit „Turbo“ trennten sich Ende 2001 die Wege der Cucumber Men nach 12 gemeinsamen Jahren und Sänger Justin Balk begann mit den Aufnahmen eigener Songs, mit denen er seit 1999 schwanger ging. Schon bald stellte sich heraus, dass sich die neuen Songs zu sehr persönlichen Elaboraten entwickelten, die Balk nur ganz alleine an der Gitarre ausarbeiten und verantworten, und nicht etwa in einer Band zur Diskussion stellen wollte. So fanden in den folgenden Monaten Erlebnisse und Beobachtungen, Dinge, die Balk aufschnappte, Zeilen, die der Künstler las, Eingang in das, was bei den zumeist nächtlichen Homerecordingsessions zu wachsen begann. Dies ist auch mit Sicherheit ein Grund für die ruhige Atmosphäre der Ende Juni fertig gewordenen Platte, die auf den ebenso simplen wie logischen Titel „Justin Balk“ getauft wurde. Und während Balk bereits eifrig an den Songs für sein zweites Album schreibt, erscheint sein Solodebüt Ende September im Hause Grundsound/INDIGO.

Vorbote des 13 Songs umfassenden Albums ist die Single „Porridge“, ein hymnischer Folk-Popsong mit luftigen Mundharmonika- und Trompetenharmonien und verschmitzten Lyrics. Wie die Presse-Info verrät, handelt es sich dabei um perfekten Autoradio-Pop, was nur bestätigt werden kann. „Weil es nicht mehr geht“ ist eine wunderbare Akustik-Ballade aus der Abteilung „ganz großes Gefühlskino“ und „Fein“ bietet entspannten Westcoast-Gitarren-Pop, der auch textlich über die Befindlichkeit des Meisters Auskunft gibt („Es geht mir gut, ich fühle mich fein“). Dazu zirpen die Gitarren und Balk ergeht sich in einem fröhlichen „Dü, dü, dü, dü....“, wobei dies absolut nichts mit den früheren Albernheiten der Cucumber Men zu tun hat. Anno 2003 geben sich Musik und Texte von Justin Balk mal fragil und melancholisch („Delphin“, „Autobiographie“), fröhlich abrockend („Jung heißt schön“, „Wenn’s so wär“) und dann wieder entspannt atmosphärisch („Straße“, „Ganz leicht“). Dabei vermeidet er die weit verbreitete Weinerlichkeit so mancher Singer/Songwriter und versucht auch gar nicht erst im Fahrwasser erfolgreicher Deutsch-Pop-Kollegen wie Tomte, Kettcar oder Wir Sind Helden mit zu schwimmen. Wenn man überhaupt Vergleiche anstellen will, muss man Balk attestieren, dass er mit seinem Debüt in die erste Songwriter-Liga aufgestiegen ist und nur noch den einen, entscheidenden Singlehit benötigt, um auch den kommerziellen Lohn für seine Arbeit zu erhalten.

Mit ein paar Musikerfreunden zieht Justin Balk sein eigenes Ding durch und präsentiert ein eingängiges Spätsommeralbum, für das er Einflüsse von Elliott Smith, Bob Seger, Fleetwood Mac, John Lennon, Nick Drake, Beach Boys und den frühen Rod Stewart verantwortlich zeichnet. Balk vermittelt dem Hörer befreites Wohlbehagen mit einer Musik, die für entspanntes Nebenbeihören genauso geeignet ist, wie für konzentriertes Zuhören unter Kopfhörern und dem Textheft in der Hand. Ein wirklich charmantes Album - ab dem 29. September auch in ihrem Schallplattenfachmarkt!

Anspieltipps:

  • Porridge
  • Ganz leicht
  • Wenn’s so wär
  • Niemand auf der Welt
  • Weil es nicht mehr geht
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