Cargo City - Life With Sunglasses - Cover
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Cargo City Life With Sunglasses


  • Label: St. Mary Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die musikalischen Wege einer Band müssen nicht zwingend in immergleichen Bahnen verlaufen. Ab und an tut ein wenig Veränderung durchaus gut. So sorgte die Stuttgarter Boogie-’N’-Blues-Combo Cargo City bis vor einigen Jahren unter dem Namen Boiler für Furore als deftige EmoCore-Formation, die es auf insgesamt zwei Alben und hunderte von Konzerten, u.a. als Vorband von Sick Of It All, Biohazard und Samian, brachte.

Doch nach fünf Jahren hartem Rock war es an der Zeit für eine Veränderung. Und so setzte 1999 eine Metamorphose zur Blues-geschwängerten Kneipenband ein, die sich bei Einflüssen von AC/DC bis zu den Beatles, dem Hardrock-Pop von Kiss, 70er-Jahre Keyboard- und Synthie-Sounds, 80er-Jahre Schweinerock, New-Wave-Coolness und gelegentlichen Ausflügen in die eigene metallene Bandgeschichte bedient. Jetzt präsentieren Jimmy DooDoo Dixon (Gitarre, Gesang), Captain Laney (Gitarre), John Armadillo (Keyboards und Mundharmonika), Jack Russell (Bass) und Sam Cook jr. (Drums) ihr von Niko Lazarakopoulos produziertes Debütalbum „Life with sunglasses“, das bis auf weiteres nur im Eigenvertrieb über die Homepage der Band erhältlich sein wird und auf dem bandeigenen Label St. Mary Records erscheint. Die CD bietet insgesamt elf erdige und doch geschmeidige Tracks, die 45 Minuten lang für Kurzweil sorgen. Dem gelungenen Artwork verpasste Jeff „Slim“ Stuart das gewisse Etwas, sodass selbst die kritische Plattencover-Polizei nicht meckern kann.

Aufgrund der Tatsache, dass wir es bei „Life with sunglasses“ mit einer Eigenproduktion zu tun haben, wachsen die Maßstäbe bei der Bewertung der CD nicht in den Himmel. Fair geht schließlich vor. So ist es durchaus verzeihlich, wenn es ab und an etwas schief und drucklos klingt. Das tun heutzutage auch Multi-Millionen-Dollar-Produktionen – aber aus anderen Gründen. So ist eben das Geschäft. Der eine kann nicht und der andere will nicht.

Eröffnet wird der Reigen vom nett groovenden „Call me Betty“, das allerdings zu belanglos wirkt, um als Opener den Hörer auf seine Seite zu ziehen. Dagegen wissen die Gitarrenläufe bei „Old ascot blues“ schon eher zu gefallen. Sie erklären den fein swingenden Song zu einem echten Partysong. Ein wahres Rhythmus-Monster ist auch das coole „Dr. Dixon“, bei dem die Gitarren furztrocken abrocken und Sänger DooDoo Dixon unter Beweis stellt, wer der Doktor im Haus ist. Ähnlich cool soll wohl auch der Western-Blues „(I never shot a man in) Reno“ daherkommen, ist aber im Prinzip nur langweilig. Auch keine Offenbarung ist „Jimmy oh Jimmy“. Doch mit der gezielt in Szene gesetzten Mundharmonika und dem Sing-Along-Refrain zählt das Stück noch zu den besseren auf dem Silberling. Das mit Abstand einträglichste Stück auf „Life with sunglasses“ ist allerdings das psychedelisch angehauchte „Schladitz (His master’s voice)“. Hier geht die Band einen unkonventionellen Weg, indem sie den verschachtelten Slow-Groove konsequent durchhält und ihn lediglich mit einigen wohl akzentuierten Gitarreneruptionen flankiert. Das ist Wüsten-Rock at it’s best, aber leider auch die Ausnahme auf dem Werk.

Trotz der vielseitigen Kompositionen kommt bei Cargo Citys Debütalbum keine rechte Freude auf. Dazu wirken die Songs auf CD einfach zu steril und ohne Feuer im Hintern. In einer entsprechenden Live-Atmosphäre mögen die Stücke zwischen Blues, Boogie und Rock sicher um einiges frischer wirken, doch was nützt dies dem geneigten CD-Käufer? Natürlich wirkt sich die Produktion auch nicht gerade förderlich aus, doch irgendwie sitzen Cargo City trotz oder gerade wegen ihrer diversen Einflüsse zwischen allen Stühlen und können mit ihrer sicher gut gemeinten Western-Attitüde nicht wirklich überzeugen.

Anspieltipps:

  • Schladitz (His master’s voice)
  • Jimmy oh Jimmy
  • Old ascot blues
  • Dr. Dixon
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