Limp Bizkit - Results May Vary - Cover
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Limp Bizkit Results May Vary


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 69 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Branche geht das große Zittern um. Wird das fünfte Limp-Bizkit-Album nach den bitteren Flops der letzten Korn-, Crazy-Town-, 3-Doors-Down-, Staind- und Papa-Roach-Platten (die Liste ließe sich beliebig fortsetzen) eine Kehrtwende einleiten, oder der Todesstoss für das siechendes Genre Nu-Rock sein? Selbst Mastermind Fred Durst ist sich da nicht so sicher, obwohl der 32-jährige Ex-Tätowierer aus Jacksonville, Florida ansonsten als ein vor Selbstvertrauen überschäumendes Egomanenmonster gilt. Nach drei langen Jahren erscheint mit „Results may vary“ das vierte Studioalbum, das richtungweisend für Limp Bizkit und einen ganzen Zweig in der Rockmusik sein wird. Dabei hat es das Marketing-Genie Fred Durst während der ganzen Zeit verstanden, sich und seine Band immer im Gespräch zu halten. Lieber schlechte Presse, als gar keine, so die Devise.

Limp Bizkit tauchten 1997 in der Musikwelt auf und verkauften von ihrem Debüt „Three dollar bill, y’all$“ aus dem Stand über 1,5 Millionen Einheiten. Ihre wahnwitzige Mischung aus Crossover-Rock und HipHop begeisterte vor allem die jungen Plattenkäufer, die die Band zwei Jahre später mit über 6 Millionen gekauften CDs von „Significant other“ auf den Thron des Music-Biz hievten. Doch das war erst der Anfang der Limp-Bizkit-Hysterie. Das 2000er-Album „Chocolate starfish and the hotdog flavoured water“ ging weltweit über 13 Millionen Mal über die Ladentische und wurde in 33 Ländern mit Platin ausgezeichnet. Es ist bis dato das einzige Rock-Album, das sich innerhalb von nur einer Woche allein in den USA 1 Million Mal verkaufte (von „Significant other“ wurden in der Startwoche 635.000 Kopien verkauft). Fred Durst war in Zeiten rückläufiger Verkaufszahlen der absolute King und ließ sich seine „Genialität“ mit einem Chefsessel bei seinem Label Interscope versüßen. Dass Durst außerhalb der Limp-Bizkit-Fangemeinde allerdings richtiggehend gehasst wird, ist kein Geheimnis. Schließlich hat er mit seinem arroganten Verhalten gegenüber Presse und Musikerkollegen, gemeingefährlicher Launenhaftigkeit und nicht vorhandener Kritikfähigkeit eine Menge dazu beigetragen.

2001 waren Limp Bizkit an einem künstlerischen Tiefpunkt angelangt. Nicht nur, dass das Remix-Werk „New old songs“ eine einzige Frechheit war, auch Gitarrist West Borland kehrte der Band den Rücken. Ausgerechnet Borland, der als heimliche kreative Triebfeder der Band galt. Doch Durst stellte deutlich klar, dass es auch ohne Borland weitergehen würde. In seiner typischen Manier, mit dem entsprechenden Händchen für geschicktes Marketing, schrieb er den Gitarristen-Posten in USA-weiten Auditions aus. Doch unter den 6.000 Bewerbern fand sich niemand, der musikalisch und menschlich den vakanten Posten ausfüllen konnte. Im Herbst 2002 wurde bekannt, dass die Band ohne festen Gitarristen an neuem Material arbeiten würde. Den vakanten Posten übernahm Durst kurzerhand selbst. In dieser Zeit werden diverse Albumtitel („Less is more“, „Bipolar“, „Panty sniffer“) und Erscheinungstermine in der Presse gehandelt.

Doch erst im März 2003 werden die fertigen Songs zusammen mit Andy Wallace in New York abgemischt und ein VÖ-Termin für Mitte Juni angekündigt. Durst zeigt sich in ein paar wenigen Interviews euphorisch über das neue Material, zu hören gibt es allerdings noch nichts. Nur wenige Wochen später wird bekannt, dass man den Gitarristen Mike Smith (Ex-Snot) getroffen und vom Fleck weg engagiert habe. Durch die Begegnung mit Smith fühlt sich die Band erneut inspiriert und geht noch einmal ins Studio. Mit knapp einem halben Jahr Verspätung erscheint „Results may vary“ nun in der Besetzung Fred Durst (Vocals), Mike Smith (Gitarre), John Otto (Drums), Sam Rivers (Bass) und DJ Lethal an den Turntables.

Als Opener hauen uns die Fünf mit „Eat you alive“ sogleich die erste Singleauskopplung um die Ohren. Das Stück ist zwar eindeutig als Limp-Bizkit-Song auszumachen, was für eine Single ja besonders wichtig ist, kommt aber nicht an den vertonten Wahnsinn von Übersongs wie „Rollin’“, „Nookie“ oder „Take a look around“ heran. Dazu ist das Stück einfach zu simpel und geht als gewöhnlicher Rocksong durch. Die hysterischen Durst-Vocals erleben wir erstmalig bei „Gimme the mic“. Der Groove walzt im Stakkatorhythmus, Drummer John Otto bedient die Snare gegen den Takt und DJ Lethal lässt hier und da ein paar Scratches vom Stapel. Mehr gibt’s hier nicht zu entdecken. Trotzdem wird der Song die Stadien dieser Welt zum kollektiven Hüpfen bringen, denn genau das ist es, was die Fans fordern! „Underneath the gun“ wird von atmosphärischen Gitarrenteppichen und wabernden Bass-Grooves getragen und gerät so zu einer Art psychedelischem Krach-Rocksong. „Down another day“ ist eine typische Halb-Ballade im Limp-Bizkit-Stil, bei der trotz aller Emotionen nicht auf einen fetten Bassdruck auf der Hörmuschel verzichtet wird. In Sachen Produktionstechnik macht Herrn Durst eben so schnell keiner was vor.

„Almost over“ und „Build a bridge” erinnern anfänglich etwas an Iron Maiden (!). Aber wirklich nur ganz kurz. So beginnt „Almost over“ mit einem Steve-Harris-artigen Basslauf, driftet dann aber in eingefahrene Nu-Rock-Gefilde ab, sodass der Song nur durch Fred Dursts Psycho-Shouts vor der Mittelmäßigkeit gerettet wird. „Build a bridge” leiht sich ein paar Gitarren-Licks von Maiden-Gitarrero Janick Gers und kann als halbakustischer Nu-Rock bezeichnet werden. Beide Songs sind gehobener Durchschnitt. Härter wollen wir mit dem guten Fred auch gar nicht ins Gericht gehen. Da haben wir nämlich schon weitaus schlechtere Songs gehört. Auch bei „Lonely world“ ereilt einem das ein oder andere Déja-vu-Erlebnis, hat man doch gewisse Licks schon bei den frühen Marillion gehört. Es scheint fast so, als ob der neue Gitarrist Mike Smith sehr gute Kenntnisse in Musikgeschichte besitzt und diese gerne in sein Spiel integriert. Bei „Red light – green light“ hilft der ständig bekiffte Snoop Dogg mit seiner genial-markanten Stimme als Co-Vocalist aus. Einer der ganz wenigen Gäste (neben Korn’s Head), die am Ende auch auf der Platte stattfinden, nachdem die Spuren so illustrer Kollegen wie Rivers Cuomo (Weezer), Page Hamilton (Helmet) und Al Jourgensen (Ministry) nach ihrem Besuch im Studio wieder gelöscht wurden. Durst und Snoop rappen um die Wette, können den relativ schwachen Song aber nur phasenweise auf die Sprünge helfen.

Die mit Abstand besten Songs auf „Results may vary“ sind „The only one“, „Phenomenon“ und „Head for the barricade“. Hier wird dem Hörer eine geniale Mischung aus Energie geladenen Power-Vocals, verschachtelten Bass-Grooves und messerscharfen Gitarrenriffs geboten. Ebenfalls nicht zu verachten ist die Coverversion des The-Who-Klassikers „Behind blue eyes“. Natürlich können Durst und seine Mannen dem Song keine neue Seiten abgewinnen, aber heutzutage ist man ja schon erleichtert, wenn solch ein Evergreen nicht zerstört wird. Und davon sind Limp Bizkit meilenweit entfernt.

Somit kann man zusammenfassend sagen, dass das neue Limp-Bizkit-Album nicht die befürchtete Katastrophe geworden ist (man denke sich nur, Durst hätte die Gitarrenparts alleine eingespielt!), aber auch keine Offenbarung für Hard-Rock- und Nu-Metal-Fans darstellt. Der Hörer bekommt 69 Minuten grundsolide Rockmusik mit HipHop-Einflüssen kredenzt, die zumindest die Fans von Limp Bizkit vollauf zufrieden stellen dürfte. Eine Bewertung zwischen 6 und 7 Punkten ist demnach angemessen. Und das ist doch auch schon was.

Anspieltipps:

  • Almost over
  • Phenomenon
  • Down another day
  • Underneath the gun
  • Head for the barricade
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