Iron Maiden - Dance Of Death - Cover
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Iron Maiden Dance Of Death


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 68 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zurück zu den Wurzeln, Schluss mit Experimenten und krampfhaften Anbiederungen an die neuesten Trends - so lautet seit einiger Zeit die Devise bei den klassischen Heavy-Metal-Bands. Denn zu guter Letzt haben auch die Überlebenden des „New Wave Of British Heavy Metal“ gemerkt, was die Fans von ihnen wollen. Nämlich abwechslungsreich strukturierte Songs mit hymnischen Melodien und griffigen Riff-Salven und auf gar keinen Fall tiefer gestimmte Grunge-Gitarren und depressive Kurt-Cobain-Texte. Die Konsequenzen reichen sogar soweit, dass die beiden Aushängeschilder im Bereich der harten Gitarrenkost, Judas Priest und Iron Maiden, ihre ursprünglichen Sänger Rob Halford (Judas Priest) und Bruce Dickinson (Iron Maiden) zurückgeholt haben, nachdem diese aufgrund interner Zwistigkeiten bzw. akuter Lustlosigkeit die Bands verlassen hatten, die zwischenzeitlichen Nachfolger aber nie von den Die-Hard-Fans akzeptiert wurden.

Während Judas Priest dieser Tage das Studio entern, um das Halford-„Debüt“ einzuspielen, liefern die eisernen Jungfrauen bereits Album Nummer zwei mit Rückkehrer Dickinson ab. Nach den verheerenden Kritiken zu „The X-Factor“ (1995) und „Virtual XI“ (1998) stanzten Iron Maiden mit dem 2000er-Werk „Brave new world“ eine grundsolide Reunion-Scheibe in Silberfolie, die von Presse und Fans euphorisch aufgenommen wurde. Jetzt erscheint mit „Dance of death“ der nächste Streich aus der Schmiede von Steve Harris (Bass), Bruce Dickinson (Vocals), Janick Gers (Gitarre), Nicko McBrain (Drums), Dave Murray (Gitarre) und Adrian Smith (Gitarre), der beweisen muss, dass es sich bei dem erfolgreichen Comeback nicht um eine Eintagsfliege gehandelt hat.

Opener und erste Singleauskopplung ist das relativ simple „Wildest dreams“, ein melodischer Uptempo-Rocksong, dessen Refrain für eine Single erschreckend schwach ist. Schwer zu sagen, was sich Iron Maiden dabei gedacht haben, einen allenfalls mittelprächtigen Song, der mit einem noch schwächeren Videoclip ausgestattet ist, als Vorbote für ihr 13. Studioalbum ins Rennen zu schicken. Bei „Rainmaker“ wird das Tempo etwas gedrosselt. Trotzdem hat der Song noch genügend Punch, auch wenn hier mehr Routine als Spielwitz dominiert. Richtig traditionell wird es beim epischen „No more lies“. Der über sieben Minuten lange Song wird durch ein ausgiebiges Intro eingeläutet, das durch Steve Harris’ typisches Bassspiel angeführt wird. Dazu meldet sich Bruce Dickinson mit heiserer Stimme zu Wort, um das Stück in die Nähe diverser Maiden-Klassiker zu hieven. Das klappt allerdings nur bedingt. „Montségur“ ist einer der härteren Maiden-Songs. Doch irgendwie will das Stück nicht so richtig zünden. Dickinson singt von einem hysterischen Tempo getrieben, die Gitarren wüten brachial, doch die Melodie ist alles andere als einprägsam. Das Titelstück „Dance of death“ verarbeitet erneut die typischen Maiden-Trademarks. Der Song beginnt sehr verhalten, mit getragenen Bassläufen, während Dickinson als eine Art Märchenonkel den Text runterbetet. Nach zwei Minuten nimmt „DOD“ langsam Fahrt auf und mutiert zu einer bombastischen 8-½-Minuten-Oper, die entfernt an „Rhyme of the ancient mariner“ erinnert, ohne an dessen Qualität heranzureichen. „Gates of tomorrow“ zählt zu den schwächsten Maiden-Songs der letzten Jahre. Die Band bemüht sich zwar um eine eingängige Melodie und einen abwechslungsreichen Songaufbau, doch unterm Strich passiert hier nicht viel. Mit „New frontier“ werden wir Zeuge der allerersten Komposition von Drummer Nicko McBrain. Der Song geht gut zur Sache, reißt den Hörer aber auch nicht gerade aus dem Sessel. Wenn Iron Maiden jetzt nicht die Kurve kriegen, gerät das Album zu einem Debakel.

Doch zum Glück beginnt nun die stärkste Phase der CD. Das Opus „Paschendale“ handelt von einem Ort in Flandern, wo über die gesamte Dauer des ersten Weltkrieges furchtbare Kämpfe wüteten, und wo noch heute Leichenteile beim Pflügen der Felder ans Tageslicht kommen. Die Gitarren klingen extrem heavy und einschneidend. Sie erheben den 8-Minuten-Reisser zu einer monumentalen Midtempo-Rockhymne mit beeindruckenden Vocals und einer perfekten Dramaturgie. Wären alle Songs auf „Dance of death“ auf diesem Niveau, hätten Iron Maiden ein Meisterwerk abgeliefert. So aber bleibt das Album arm an Ideen und wirklich herausragenden Songs. Selbst wenn uns die Engländer mit „Face in the sand“ und „Journeyman“ noch zwei durchaus annehmbare Kompositionen präsentieren, kann „Dance of death“ am Ende nur mit Mühe und Not den, zugegeben, hohen Anforderungen standhalten. Von Iron Maiden kann und muss man einfach mehr erwarten können. Und deshalb ist eine 6-Punkte-Wertung im Prinzip zuviel des Guten.

Dazu kommt, dass viele Journalisten im Vorfeld die schwache Produktion und den daraus resultierenden schlappen Sound bemängelten. Was man bei einem erfahrenen Produzenten wie Kevin Shirley anfänglich nicht glauben wollte, bewahrheitete sich dann doch. Wenn man die Regler nicht konsequent auf vollen Anschlag dreht, überrascht das Album mit einem relativ dünnen Sound, der teilweise in unschönes Gepolter ausartet. Deshalb sind die so genannten Listening-Sessions auch weiterhin mit Vorsicht zu genießen. Denn wenn die Plattenfirma das Album auf einer Stereoanlage im Gegenwert eines PKW vorspielt, klingt selbst die übelste Amateurcombo wie eine Multi-Millionen-Dollar-Produktion. Doch eines kann selbst die teuerste Anlage nicht vertuschen: Bei der aktuellen Maiden-CD handelt es sich leider um einen sehr schwachen Aufguss eigener musikalischer Markenzeichen, der selbst Fans die Tränen in die Augen treiben dürfte. Die Platte enthält keinen einzigen Hit, den selbst ein Act dieser Größenordnung so dringend zum Überleben benötigt. Wer soll da, außer den treuen Anhängern, auf ein Album aufmerksam werden, das eine der bedeutendsten Metal-Bands der Welt repräsentieren soll?

Anspieltipps:

  • No more lies
  • Paschendale
  • Journeyman
  • Dance of death
  • Face in the sand
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