Randy Newman - The Randy Newman Songbook Volume 1 - Cover
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Randy Newman The Randy Newman Songbook Volume 1


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Randy Newman ist der Schattenmann unter den Singer/Songwritern Amerikas. Seinen Namen hat jeder schon einmal gehört, der sich für Popmusik oder Filmsoundtracks begeistert. Das Gesicht des bald 60-Jährigen kennen dagegen nur wenige. Und so dreht uns der Meister auf dem Cover seines neuen Albums „The Randy Newman Songbook Vol. 1“ nicht sehr höflich aber konsequent den Rücken zu. Ist ja eh egal…

Newman wurde am 28. November 1943 in Los Angeles in eine überaus musikalische Familie geboren und studierte seinerseits Musik, brach das Studium am University College L.A. aber zugunsten eines Plattenvertrages bei Reprise Records (Warner Bros.) ab. 1968 veröffentlichte er sein selbstbetiteltes Debütalbum, das, wie auch die folgenden Werke, keinen großen kommerziellen Erfolg hatte. Trotzdem avancierte Newman zum Geheimtipp untern Kennern, mit einem kleinen, aber begeisterten Publikum. Seine ebenso geniale wie gewöhnungsbedürftige Stimme kontrastierte er mit kunstvollen Orchester-Arrangements voller doppelbödigem Humor, was ihn geradezu als Schreiber für Filmmusik prädestinierte.

In seiner über 30jährigen Karriere erhielt er insgesamt 16 Oscar-Nominierungen und zeichnete sich u.a. für die Soundtracks von „Ragtime“, „The Natural“, „Three Amigos“, „Toy Story“, „A Bug´s Life“ „Pleasentville“ und „Monsters, Inc.“ verantwortlich. Neben der Arbeit an eigenen Alben schrieb Newman weiter Songs, die in Interpretationen von Three Dog Night („Mama told me not to come”) über Ray Charles („Sail away”), Liza Minelli („Love story”), Joe Cocker („You can leave your hat on”) Gene Pitney („Just one smile”), Dusty Springfield („I don’t want to hear it anymore”), Judy Collins („It´s going to rain today”) bis zu den Muppets und vielen anderen ihren Weg in die internationalen Charts fanden. 1999 veröffentlichte er bei DreamWorks Records das gefeierte Studioalbum „Bad love“, das Mitchell Froom, der Ehemann von Suzanne Vega, produzierte.

Im Herbst einer Karriere sucht Newman jetzt nochmals eine neue Herausforderung und wechselte kurz vor seinem 60. Geburtstag zum renommierten Label Nonesuch (u.a. die neue Heimat von Wilco) und veröffentlicht mit „The Randy Newman Songbook Vol. 1“ eine Zusammenfassung seines Lebenswerks. Zugegeben, das klingt im ersten Moment nicht sonderlich spannend. Schließlich wäre Newman nicht der Erste, der mit einem „Greatest Hits“-Album im Gepäck den Dienst bei einem neuen Label antritt. Doch Newman wäre nicht Newman, hätte er sich nicht etwas Besonderes für diese Werkschau ausgedacht. Im reduzierten Gewand präsentiert er eine Auswahl von 18 seiner besten Songs aus den vergangenen vier Jahrzehnten. Ganz puristisch, solo am Flügel eingespielt und gesungen, präsentiert er auf „Songbook Vol. 1“ frühe Klassikern wie „It´s lonely at the top“ bis zu den Erfolgen seines letzten Albums „Bad love“ wie „The world isn´t fair“ und „The great nations of europe“. Dabei lässt das Setting des „Songbook Vol. 1“ das Album wie einen intimen Konzertabend erscheinen.

Nach einem gefühlvollen Klavier-Intro beginnt Newman mit dem selbstironischen „It´s lonely at the top“ und fährt in ähnlicher Perspektive mit „God´s song (That´s why I love mankind)“ vom Album „Sail away“ (1972) fort. Newman macht deutlich: Die chronologische Folge eines herkömmlichen „Best of“-Albums ist nicht seine Sache. Er gestaltet das Programm seines Songbooks eher nach Themengebieten. Mit „Let me go“, das 1972 für Norman Lears Film „The Pursuit Of Happiness“ geschrieben wurde, leitet er zu den persönlichen Katastrophen um Liebe und Geld über, um schließlich mit „Political Science“, „In Germany before war“ und „The great nations of europe“ Beispiele seiner politischen Beobachtungsgabe zu geben, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Im Stile eines Bar-Pianisten arbeitet sich Newman mit großer Leichtigkeit durch sein brillantes Schaffen und überrascht ein ums andere Mal mit eigenwilligen Interpretationen seiner Stücke. So ist es eine wahre Freude, wenn Stücke wie „Sail away“ oder „You can leave your hat on“ einmal ohne die bluesige Krawallstimme eines Joe „Beck's“ Cocker auskommen. Aber auch vorher als absolute Gänsehautsongs bekannte Stücke wie „Louisiana 1927“ oder „Rednecks“ gewinnen durch die abgespeckten Pianointerpretationen nochmals kräftig dazu und machen das Werk zu einem Dauerbrenner.

Das „Randy Newman Songbook Vol. 1“ ist im besten Sinne eine komprimierte Zusammenfassung. Newmans sensibles Klavierspiel und sein außergewöhnlicher Gesangsstil lassen keine Nuance der orchestrierten Arrangements vermissen. Newman präsentiert sich bester Laune und in uneingeschränkter Spielfreude. Im Prinzip liefert der für seine verspielten Orchester-Einlagen bekannte Komponist mit dieser asketischen Songsammlung die Idealversion eines Unplugged-Konzertes ab, das für uneingeschränkten Hochgenuss und künstlerische Top-Qualität steht. Auf „Songbook Vol. 1“ trifft zu, was nur ganz wenige Best-Of-Sammlungen auf sich beziehen können: Erheblicher Verbrauchernutzen und ein kluger Umgang mit dem Oeuvre eines großen Künstlers.

Anspieltipps:

  • Rednecks
  • Sail away
  • Louisiana 1927
  • It’s lonely at the top
  • You can leave your hat on
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