Graham Lyle - Something Beautiful Remains - Cover
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Graham Lyle Something Beautiful Remains


  • Label: Hypertension/SOULFOOD
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie wissen nicht wer Graham Lyle ist? Macht nichts. Bekanntermaßen stehen sie damit nicht allein da. Der Witz ist allerdings, dass wohl jeder schon mindestens einen Song aus seiner Feder gehört hat, denn der im schottischen Bellshill geborene Songwriter zählt zu den weltweit erfolgreichsten Hitschreibern. Seine Musik umspannt dabei alle Genres, vom Rock zu Pop, von Folk zu Rhythm ´N´ Blues und von Country zu Reggae. Selbst Rap-Künstler wie Fat Joe feat. Ashanti und Wyclef Jean verarbeiteten seine Songs. Bis heute schrieb Lyle ca. 300 Songs für so unterschiedliche Künstler wie Tina Turner, Joe Cocker, Diana Ross, Stevie Wonder, Michael Jackson, Chris de Burgh, Paul Young, Eros Ramazzotti und Rod Stewart. Interessanterweise gelang es Graham Lyle auch in der amerikanischen Countryszene Hits für Kenny Rogers, Don Williams oder Garth Brooks zu platzieren.

Nach fast 20 Jahren erfüllte sich Graham Lyle einen Herzenswunsch und spielte ein Studioalbum in intimer Atmosphäre mit einer Auswahl seiner besten Songs, die er für andere Künstler schrieb, ein. Dabei achtete der Songwriter darauf, seine eigenen Versionen der Kompositionen herauszustellen und die ehemaligen Hitsingles von ihrem Pop-Gewand zu befreien. So entstand in seinem Studio „Splendido“ in Schottland durch die lockere Atmosphäre und die Spielfreunde seiner Musiker ein entspanntes Album zwischen Folk und Pop, das in einen eher melancholischen, jazzigen Sound eingehüllt wurde. An vorderster Front der 15 Songs umfassenden Kollektion stehen natürlich die zahlreichen Stücke, die er Tina Turner für ihr Comeback Mitte der 80er-Jahre auf den Leib schrieb. Von Nummer-1-Hits wie „I don´t wanna lose you” und „What’s love got to do with it” über andere Klassiker wie der Titelsong „Something beautiful remains” oder „Typical male”. Diese brillieren jetzt in einem entspannten, akustischen Gewand und belegen, dass eine Hitmelodie unvergänglich ist.

Daneben rekonstruiert er Songs für Jim Diamond („I should have known better“), Lee Greenwood & Kenny Rogers („Didn’t we“), Conner Reeves & Joe Cocker („My father’s son“) und das zusammen mit Carole King geschriebene „The younger man“. Als Bonus befinden sich noch zwei bisher unveröffentlichte Songs auf dem Album. Zum einen „Nicole“, ein klassischer französischer Chanson und zudem einer der ersten Songs, die Lyle mit 19 Jahren schrieb, sowie „Pat“, ein Liebeslied an seine Frau, das eine besondere Emotionalität vermittelt. Insgesamt tut der abgespeckte Sound den meisten Songs auf „Something beautiful remains” hörbar gut und es macht richtig Spaß, der Alt-Herren-Combo beim Musikzieren zuzuhören. Ein Song wie „Darlin’ man“ zum Beispiel (ursprünglich von Christy Moore) kommt jetzt als volkstümliches Trinklied daher, das mit herrlich schrägem Chorgesang, kauziger Geigenbegleitung und James Dippies wunderbarer Tin Whistle beste schottische Pub-Atmosphäre erzeugt. Aber auch Reggae-Schunkler (!) wie „Button off my shirt“ (Ronnie Milsap) oder originalgetreue Countrysongs wie das schwermütige „Didn’t we“ und das feine „The younger man“ zeugen von wahrer Spielfreude und entspannter Stimmung.

Die ein oder andere Neuinterpretation fällt zwar etwas zu verschnarcht und langatmig aus, doch das fällt unterm Strich nicht so sehr ins Gewicht. Graham Lyle ist mit dieser Zusammenstellung eine gediegene Werkschau geglückt, die sicherlich mehr den älteren Semestern gefallen dürfte, was den Songs aber nichts von ihrer Qualität nimmt. Bei dieser CD kann im Prinzip jeder zugreifen, der sich für die Herkunft einiger Radiohits gewisser Top-Stars interessiert oder einfach nur ein entspanntes Album zwischen Pop, Folk und Country hören möchte.

Anspieltipps:

  • Typical male
  • My father’s son
  • I don’t wanna lose you
  • I should have known better
  • Something beautiful remains
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