A Perfect Circle - Thirteenth Step - Cover
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A Perfect Circle Thirteenth Step


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 53 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was die Amerikaner auch anfassen - sie machen es richtig!

Selten ist es so schwer, den Grundton einer Platte wie beim neuerlichen Werk von „A Perfect Circle“ zu bestimmen. „13th Step“ entsagt erst einmal jeder erdenklichen Umschreibung und weidet sich in psychodelischer Dichte, minimalistischen Arrangements und bombastischen Riff-Gewittern. Das zweite Album der Super-Group um Tool-Kopf Maynard James Keenan, Ex-Smashing Pumpkin James Iha und Jeordie White, der früher als Bassist bei Marylin Manson seine Brötchen verdiente sowie Band-Kopf Billy Howerdel, ist in jeder Hinsicht ein schwerer Brocken.

Prog-Rock nennt man das wahrscheinlich, wenn schon das erste Lied acht Minuten dauert und derartig vielschichtig und brutalstvertrackt daherkommt, dass der Hörer erstmal gnadenlos von „The Package“ überfordert ist. Auf konventionelle Schemata scheint hier konsequent gepfiffen zu werden. Doch dann „Weak And Powerless“, ein überaus ambitionierter, genialer Rocksong, der gleich zündet und doch immer weiter wächst. Jetzt ist man irgendwie doch gefangen genommen, auch von „The Noose“ mit seiner atmosphärischen Dunkelheit und dem schwer psychodelischen „Blue“. Das ist Rock-Musik, wie sie heute klingen muss, das ist relevant, gut und redlich. Anstatt jetzt aus „Thirtheenth Step“ ein Rockmonster zu machen, zieht „Vanishing“ wieder die Handbremse, und schlägt ruhigere, aber umso faszinierendere Töne an.

Vollkommen balladenfrei und von einer Leichtigkeit getragen, die verführerisch alles in ihren Bann zu ziehen droht, schaffen es A Perfect Circle, dieser famose Fünfer, ein Ensemble einiger der besten Musiker der USA, über knapp 50 Minuten ein Exempel zu statuieren, wie man eine Antithese zu all dem Nickelcreed-Overflow dieser Tage bilden kann. Zwar zunächst schwer verdaulich, entwickeln sich die Songs, einmal gehört, im Gedächtnis der Hörer weiter und lassen ihn schließlich nicht mehr los. Magisch ist das und sehr, sehr groß. Lässt das kongeniale Duo Howerdel-Keenan dann doch mal einen richtig fetten Rocker von Stapel („Pet“), dann ist auch dieser zur absoluten Eliteklasse gehörig. Was für ein Riff, das laut heulend durch die Gegend pfeift und alles niederzuwalzen droht, was sich ihm entgegen zu stellen versucht.

Was die Amerikaner auch anfassen auf „13th Step“, sie machen es richtig. Mag das Instrumental „Crimes“ anfangs noch befremdlich klingen, so macht es über die lange Distanz regelrecht süchtig. Beispielhaft eigentlich für die ganze CD, die trotz aller depressiv-bedrohlicher Lyrik in seiner musikalischen Botschaft Hoffnung und doppelte Böden bietet, in die der Hörer am Ende fallen kann, bevor allzu tief in eine hochatmosphärische Scheinwelt abdriftet, wo nichts mehr so ist, wie es scheint. Und am Ende singt Keenan auch „I choose to live“, eine Entscheidung, für die man ihm nur dankbar sein kann. Die nächsten Monate werden zeigen, ob „13th Step“ ein wegweisendes Meisterstück ist oder doch nur eine hervorragende Standortbestimmung einer absoluten Ausnahmeband, die erst einmal ihre 9 Punkte verdient hat.

Anspieltipps:

  • Blue
  • Pet
  • The Noose
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