Muse - Absolution - Cover
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Muse Absolution


  • Label: Motor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Muse haben ihren Stil wohl endgültig gefunden und perfektionieren denselben auf "Absolution" auf konsequente Weise.

Hin und wieder tut es wohl nicht schlecht, eine Platte von Muse im CD-Regal zu lassen. Dann, wenn die Stimmung am kochen ist und es darum geht, eine Party anzuheizen. Wo es nicht um Apokalpysen, Vergänglichkeit oder Endlosigkeit geht. doch jetzt im Herbst, da könnte es fast passen, dass "Absolution" erscheint, jenes "difficult third album" der Engländer Muse. Die Band um Sänger und Stimmakrobat Matthew Bellamy will es der Welt endgültig zeigen, dass sie eine einmalige Band ist, die fern jedes Hype ihr Ding durchzieht und ohne Rücksicht auf Verluste Grenzen der musikalischen Zumutungsfähigkeit auslotet. Nach "Showbiz", dem grandiosen und unendlich vielversprechenden Debut des Dreiers und "Origin of Symmetry", jenem genialen Schnellschuss aus dem Jahr 2001, der Songs wie Opern lieferte und das Gehör seiner Hörer bis aufs brutalste strapazierte jetzt: "Absolution".

Zunächt hieß es aus Bandkreisen, die Platte solle eine "Überraschung" werden, Fans könnten sich "auf etwas gefasst machen". Von orchestralem Pomp war die Rede, von Zerlegung sämtlicher Songstrukturen und von Pink Floydscher Songepen. Doch am Ende ist "Absolution" irgendwie dann doch einfach nur Muse: Gewaltige Gitarren, schneidig und messerscharf, durchpflügen fast sämtliche Songs. Wahnwitzige Soli und fasziniernde Gitarrenwände finden sich genauso wie Streicher und Klaviere. Dazwischen ein grundsolider Bass und ein wirklich außerordentlich bemerkenswertes Schlagzeug, dass einigen Songs ihre ganz bestimmte Note verleiht. Im Vergleich zum Vorgänger lässt es Herr Bellamy sogar recht ruhig angehen und strapaziert seine Stimmbänder nicht mehr in dem Maße, wie er es noch bei "Origin Of Symmetry" getan hatte. Doch was nützen diese Attribute, wenn die Songs nicht zufrieden stellen, wie zumindest auf dem Vorgänger hin und wieder festzustellen war.

Doch auch hier kann Entwarnung gegeben werden. "Absolution" ist ausgesprochen kompakt und homogen geraten. Hier hat es in himmlischer Orchestralität schwelgende Balladen ("Blackout", weniger gelungen, und etwas kitschig: "Sing For Absolution") und astreine Rocknummern. "Time Is Running Out", die erste Single der Scheibe, begeistert durch Straightheit und Catchiness und entwickelt sich bald zum Ohrwurm. Das definitive Highlight ist aber "Stockholm Syndrome", eine Single, die ausschließlich im Internet veröffentlicht wurde. Muse-typische Bretterriffs läuten den Sturm ein, ehe in der Strophe ein wahnwitziges Schlagzeug die Melodie zum Höhepunkt treibt. Der Refrain kommt dann äußerst bittersüß und pianoselig daher und schafft ein wahres Gänsehautgefühl, ehe die beinharten Gitarren wieder zurückkehren. Ganz großes Kino!

Ansonsten ein bisschen Mittelmaß ("Endlessly", "Thougts of a dying atheist") und weitere Highlights, die einfach immer wieder fesseln ("Apocalpyse Please", "Butterflies and Hurricanes", "Falling Away With You"). Muse haben ihren Stil wohl endgültig gefunden und perfektionieren denselben auf "Absolution" auf konsequente Weise. Produktionstechnisch sind zahlreiche Finessen eingebaut, die das Album auch noch nach mehreren Durchläufen aufregend erscheinen lassen. Herrschte auf "Origin Of Symmetry" eine Gratwanderung zwischen Wahnsinn und Genie vor, so ist "Absolution" beinahe entspannt, wenn auch weiterhin durchaus depressiv. Muse stagnieren vorerst auf einem Niveau, das viele britische Bands niemals erreichen werden.

Anspieltipps:

  • Apocalypse Please
  • Time Is Running Out
  • Stockholm Syndrome
  • Butterflies and Hurricanes
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