Schiller - Leben - Cover
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Schiller Leben


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 76 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Musste in der Vergangenheit jeder Album-Track singletauglich sein, stehen bei „Leben“ wesentlich emotionalere Aspekte im Mittelpunkt.

Das dritte Schiller-Album „Leben“ ist ein multimediales Fest für Augen und Ohren. Im famos klingenden „Dolby Surround“-Sound abgemischt, beinhaltet es 17 Tracks mit einer Gesamtspielzeit, die die Grenzen des Mediums CD auslotet. Leider lag zum Zeitpunkt der Rezension nur eine Vorabversion mit acht Songs und einer Spieldauer von knapp 36 Minuten vor. Diese Kritik kann somit nur bedingt weitergeben, was den Hörer auf „Leben“ erwartet.

Hinter dem Projekt Schiller verbergen sich der Produzent, Texter und Komponist Christopher von Deylen und sein Ex-Kollege Mirko von Schlieffen, mit dem von Deylen die erfolgreichen Alben „Zeitgeist“ (1999) und „Weltreise“ (2001), sowie mehr als ein halbes Dutzend Hit-Singles produzierte. Seit neuestem zeichnet sich Christopher von Deylen für das Projekt alleinverantwortlich und werkelte mit der Last von weit über 300.000 verkauften Tonträgern im Rücken am neuen Schiller-Album. Ursprünglich traute man dem ungewöhnlichen Projekt nicht recht über den Weg. Inzwischen weiß man es besser. Der Sound zwischen Trance-, Club- und Popmusik ist absolut Hitparadentauglich und auf vordere Ränge geeicht.

Auch auf „Leben“ dominieren wieder die großen Schiller-Erfolgs-Zutaten aus melodienverliebter Popmusik, elektronischen Spielereien und illustren Gesangsgästen. Und so stellten sich fast alle beteiligten Sangeskollegen vor das Mikro, das von Dylen in seinem Berliner Homestudio „Livingroom“ aufgebaut hatte. Von Alexander Veljanov („Desire“, ein träumerisches Synthie-Epos im Enigma-Stil), Mila Mar (die erste Singleauskopplung „Liebe“, ein schwelgerischer Popsong mit schleppenden Tempo und luftigem Vokal-Arrangement und der laszive Song „Babel“), Maya Saban vom Frankfurter 3P-Label („I’ve seen it all“, ein groovebetonter Club-Song mit geheimnisvollen Vocals und leicht orientalischem Flair und „I miss you“), über Kim Sanders („Delicately yours“ einem netten Oriental-Pop-Song), natürlich Peter Heppner („Leben… I feel you“) bis Sarah Brightman („The smile“, eine operettenhafte Synthie-Hymne) spannt sich der Stilbogen. Natürlich gibt es auch wieder eine ganze Reihe Instrumental-Tracks. Mit „Zukunft“ gibt es zum Beispiel einen waschechten Mini-Score für den Film „Gate To Heaven“, dem Streifen des Wim-Wenders-Schüler Veit Helmer. „Einklang“, ein psychedelisches, schwebendes Stück Irgendwas, ist eine Verbeugung vor den deutschen Elektro-Göttern Tangerine Dream und der Titeltrack „Leben“ eine musikalische Reise durch 1001 Nacht.

Musste in der Vergangenheit jeder Album-Track singletauglich sein, stehen bei „Leben“ wesentlich emotionalere Aspekte im Mittelpunkt. Denn laut von Dylen würde es ihm am schlimmsten treffen, wenn jemand sagt, dass ihn seine Musik nicht berührt. So lässt das Songwriting diesmal wenig Raum für Kompromisse. Die Titel, die Single-Potenzial haben, sind eindeutig als solche erkennbar. Die Titel, die dies nicht brauchen, weil ihre Funktion darin besteht, das Album als Gesamtwerk zu unterstützen, diese Titel versuchen erst gar nicht, Singles sein zu wollen. Daraus entsteht ein Klangbild aus dem oft bemühten Quadrantenmuster Kraftwerk, Pink Floyd, Tangerine Dream und Enigma. Vielfalt steht also wieder mal an oberster Stelle. Wie gesagt, lässt sich eine abschließende Beurteilung anhand der vorliegenden Mini-CD nicht vornehmen. Der Eindruck von den acht gehörten Stücken lässt aber auf ein überdurchschnittliches Trance-Pop-Album schließen, das auf jeden Fall besser ist, als das aktuelle Enigma-Werk „Voyageurs“, bei dem sich Michael Cretu ein weiteres Mal mit Belanglosigkeiten verzettelt.

Anspieltipps:

  • Einklang
  • Leben
  • Desire
  • Liebe
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