Post Stardom Depression - Ordinary Miracles - Cover
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Post Stardom Depression Ordinary Miracles


  • Label: King Bee Records/TCG
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Manchmal landet im Briefkasten eines Musik-Rezensenten gar absonderliche Post. Absender: Labels, von denen man nie zuvor gehört hat. Diese schicken einem Alben von Bands, die man ebenso wenig kennt. Grundsätzlich eine spannende Sache. Manchmal aber auch ein satter Griff ins Klo. Doch nicht so in diesem Fall. Hier geht es um die weitgehend unbekannte Band Post Stardom Depression (cooler Name, übrigens!) aus der amerikanischen Hauptstadt der Arbeitslosigkeit, Tacoma, Washington.

Die Band um Jefferson Angell (Vocals), Joshua Fant (Drums), Kyong Kim (Gitarre) und Brent Saunders (Bass) hatte erst eine Handvoll Gigs auf dem Buckel, da wurde sie schon von den großen Queens Of The Stone Age als Tour-Support angeheuert. Begeistert von ihrer Vorgruppe, legten die „Queens” ein gutes Wort bei ihrem Label Interscope für Post Stardom Depression ein und empfahlen Produzent Chris Goss für die Debüt-EP „Sexual Uno“, die bei dem kleinen Label Will Records in Seattle herauskam. Die Band schrieb derweil haufenweise neue Songs und probierte diese auf diversen Tourneen aus. Doch nach zwei Jahren des Songschreibens stand eine Veröffentlichung auf dem Major-Label immer noch in den Sternen. Die Band zog ihre Konsequenzen aus der verfahrenen Situation und schnappte sich ihren Lieblings-Producer Jack Endino (Bruce Dickinson, Babes in Toyland, Nebula, Therapy?), um mit ihm endlich ein Full-Length-Album aufzunehmen. Für welches Label auch immer.

Post Stardom Depression machen ungezügelte Rockmusik, die sich frech in den Bereichen Stoner-Rock (Queens Of The Stone Age), Garagen-Rock (The White Stripes), Space-Rock (Monster Magnet) und derben Hardrock (AC/DC) bedient, ohne unoriginell bzw. abgekupfert zu wirken. Vielmehr zaubert die Band auf „Odinary miracles“ aus den edlen Rock-’N’-Roll-Zutaten eine ureigene Mischung, die die rohe Energie ihrer Bühnenauftritte auf CD transportiert. So wird der Hörer im Opener „Monster“ auch gleich forsch mit „Sometimes I feel like I just want to fuck“ begrüßt. Die Stromgitarren zielen direkt auf die Zwölf, die Drums scheppern wie rostige Mülltonnen und der Bass rumpelt, als wäre er schon lange nicht mehr gestimmt worden. Das ist natürlich cool bis zum Anschlag. Aber das Beste kommt noch. Denn Jefferson Angell singt nicht einfach, nein, er kläfft seine Texte über billige Hotels, Autos mit übergroßen Rücksitzbänken (wir wissen wozu…) und einer ganzen Menge Sex wie ein räudiger Köter heraus. Ein Vergnügen, das uns zuletzt bei der Familienbande Kings Of Leon hoch erfreute.

Ohne Rücksicht auf Verluste rocken Post Stardom Depression drauflos, erzählen abstruse Geschichten vom „Honeymoon killer“ („… he never knew that he was capable of murder. She had her own allibis. She was on the Telefone her husband overheard her. He felt his blood pressure rise and it was quick like cocaine. He said this won’t hurt a bit…”), geilen Party-Schlampen („The whore I am”) und schnellen Autos („When it comes to cares”, ein Groove-Monster vor dem Herrn über einen aufgemotzten 64er Impala). Am liebsten gibt Jefferson Angell aber schwüle Liebesbekundungen ab („Boom boom boom“, „White dress“) und gerät dabei in Jim-Morrison-artige Ekstase.

„Ordinary miracles“ ist ein echter Überraschungscoup im total überfüllten Veröffentlichungsherbst 2003, bei dem ein sogenannter Mega-Hit den nächsten jagt und der potenzielle Kunde mal wieder völlig den Überblick zu verlieren droht. Auch wenn man dieses Album mühsam im Independent-Regal suchen muss, sollte jeder Rockfan einmal in das Werk hereingehört haben. Die Unverbrauchtheit und Frische dieses Quartetts ist es wert! In Deutschland erscheint das Album am 27. Oktober. Wir sehen uns dann beim Plattendealer ihres Vertrauens.

Anspieltipps:

  • Monster
  • Mama’s boys
  • The whore I am
  • Who cares come on
  • When it comes to cars
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