John Mayer - Heavier Things - Cover
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John Mayer Heavier Things


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Heavier Things“ bietet zehn entspannt groovende Akustik-Jazz-Popsongs.

Vor einem knappen Jahr horchten Heerscharen geneigter Musikfans kollektiv auf. Plötzlich war da dieser Song im Radio, der so völlig anders war, als das alltägliche Gedudel der großen Stationen. Vier Minuten Musik, die ein zu Tode formatiertes Medium zu neuem Leben erweckten. Das es so was noch gibt, konnte ja auch keiner ahnen. Als dann noch das Video auf MTVIVA ausgestrahlt wurde, war es endgültig geschehen. Der bis dato unbekannte John Mayer spielte sich mit seiner Single „Your body is a wonderland“ direkt in die Herzen der Musikliebhaber und damit in die deutschen Album- und Single-Charts. Neben einem Top-20-Ranking in den Airplay-Charts, Platz 51 in den Single-Charts und einem respektablem 55. Platz für das Album „Room for squares”, startete Mayer in seiner Heimat richtig durch. „Room for squares” fuhr Dreifach-Platin ein und hielt sich mehr als achtzig Wochen ununterbrochen in den US-Billboard-Top-200-Charts. Dazu gab es Anfang des Jahres einen Grammy in der Kategorie „Best Pop Vocal Performance“. Nicht schlecht für einen 26-Jährigen. Nur, dass kaum Zeit blieb, den Erfolg auszukosten.

Mayer tourte unaufhaltsam um den Globus und schrieb nebenher an neuen Songs, die er bei Tourpausen in seiner neuen Heimat New York aufnahm. Im April 2003 ging es dann ins Aufnahmestudio, um die neuen Stücke einzuspielen, was bis Ende Juni dauerte. Das „Heavier things“ betitelte Werk wurde wiederum von Jack Joseph Puig (Sheryl Crow, No Doubt, Black Crows, Hole) betreut, der schon für den Remix von „Room for squares” zuständig war. Produziert und abgemischt wurde dabei nicht an der Ostküste, sondern in Puig’s „Ocean Way“-Studio in Los Angeles. Als Gastmusiker sind der legendäre Jazz-Trompeter Roy Hargrove, die Schlagzeuger Matt Chamberlain, Steve Jordan und Questlove von den Roots mit an Bord, außerdem der Percussionist Lenny Castro und der Bläser Jerry Hay. Ergänzt wird das Team durch den Gitarristen Michael Chaves und den Schlagzeuger J.J. Johnson, beide feste Mitglieder in Mayers Tourband. Daneben spielte Mayers langjähriger Bassist David LaBruyere bei allen Stücken mit Ausnahme von „Daughters“ mit, das quasi ein Solo-Akustik-Stück ist. Keyboarder Jamie Muhoberac ist bei acht Songs zu hören. Auf berühmte Stargäste hat man also geflissentlich verzichtet und das gewiss vorhandene „Big Budget“ lieber in Sound und Songwriting investiert.

Doch können die neuen Songs denselben Zauber verbreiten wie seine zwei Jahre alten Vorgänger? Dazu war es wichtig, den Gesamtsound beizubehalten und nur minimale Renovierungen vorzunehmen. Ein Rat, den Herr Mayer befolgte. Und so erleben wir auf „Heavier Things“ zehn entspannt groovende Akustik-Jazz-Popsongs, die hier und da mit Bläsern („Clarity“), Streichern aus dem Synthesizer („Split screen sadness“) und Keyboards („New deep“) aufgepeppt wurden oder gar eine Stromgitarreninjektion erhalten haben („Bigger than may body“). Ecken und Kannten sucht man bei so einem Elaborat allerdings vergeblich. Es sei denn, man legt das herausragende technische Können der beteiligten Musiker als solche aus. Damit wird auch das Problem von John Mayers neuer Platte deutlich. Die einen werden seinen luftig-leichten Sound lieben, da er der ideale Soundtrack für den angebrochenen Herbst darstellt. Die anderen werden seine Musik als seicht dahinplätschernde Sonntagsfahrermusik verteufeln.

Man sollte sich also im klaren darüber sein, wenn man das vierte Album des Lieblings aller Schwiegermütter erwirbt, dass man es handwerklich mit einer Mischung aus zum Teil großartigen Melodien, außergewöhnlicher musikalischer Versiertheit und Mayers sympathischer, ähem, Schmusestimme zu tun hat. Rein von der Abwechslung reißt John Mayer allerdings keine Bäume aus. So vergeht er sich mit zunehmender Spieldauer in drögem Gedudel, das nur noch in Teilen überzeugen kann, wie zum Beispiel die wunderschöne Lap-Steel-Gitarre in „Come back to bed“, die betörende Mischung aus atmosphärischen Streichern und flockigen Akustikgitarrenlicks in „Split screen sadness“ oder die raue Schönheit des bluesbetonten Solo-Songs „Daughter“ und „Only heart“, die als einzige den ungezähmten Charme des Debüts „Inside wants out“ (1999) weiterleben.

Unterm Strich fällt die Ausbeute herausragender Songs auf „Heavier things“ etwas dünn aus. Die Magie der Hit-Single „Your body is a wonderland“ ist auf dem Nachfolgealbum weitgehend verflogen und es reicht nur noch ganz knapp zu sechs Punkten auf der Richterskala. Es hätte durchaus nicht geschadet, wenn Mayer und seine Band die Frische seines im Februar erschienenen und mit Platin ausgezeichneten Live-Albums „Any given thursday“ für das neue Studioalbum kompensiert und in etwas schwungvollere Musik umgesetzt hätte. Sei’s drum. Musik ist eben auch ein unvorhersehbares Wunderland...

Anspieltipps:

  • Daughter
  • Come back to bed
  • Split screen sadness
  • Something’s missing
  • Bigger than my body
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