Revis - Places For Breathing - Cover
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Revis Places For Breathing


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine sehr patente Maßnahme seitens der Plattenfirmen ist es, neuverpflichtete Acts testweise auf Soundtracks zu platzieren, um die Reaktionen von Presse und Käufern auszuloten. Zuletzt ist dies bei den Gothic-Rockern von Evanescence und der Nu-Rock-Kapelle Revis geschehen, die beide auf dem erfolgreichen „Daredevil“-Soundtrack vertreten waren und dafür überwiegend wohlwollende Kritiken erhielten.

Revis, das sind die Herren Justin Holman (Vocals), Robert Davis (Gitarre), Nathaniel Cox (Gitarre), Bob Thiemann (Bass) und David Piribauer (Drums), aus dem 30.000-Seelen-Nest Carbondale, Illinois, die mit dem Song „Caught in the rain“ auf sich aufmerksam machten und damit den Weg für ihr Debütalbum „Places for breathing“ ebneten, das die Band im Sommer 2002 im NRG Recording Studio in North Hollywood zusammen mit Produzent Don Gilmore (Good Charlotte, Lit, Trust Company, Linkin Park) aufnahm.

Nachdem Gilmore kurz zuvor maßgeblich am Erfolg der US-Millionseller Linkin Park beteiligt war, sollte er den jungen Hüpfern im Alter zwischen 19 und 22 Jahren mit seiner Erfahrung und dem Gespür für hitverdächtiges Material zur Seite stehen. Daneben teilten sich Andy Wallace (Nirvana, System Of A Down) und Alan Moulder (Smashing Pumpkins, Nine Inch Nails) die Aufgabe, das Album abzumischen. Das klingt nicht nur nach fettem Budget - das hört sich auch auf CD so an. Leider wird die Band dadurch auch in das weichgespülte, hitparadenerprobte Fahrwasser von Kollegen wie Creed, Nickelback oder Staind geschoben, die mit glatt gebürsteten Produktionen und stromlinienförmiger Musik zu Millionären wurden. Ob da noch Platz für den X-ten Abklatsch ist? Denn auch mit einer teuren Produktion im Rücken, bieten Revis nicht wirklich Neues für den geneigten Nu-Rock-Anhänger.

So setzen Songs wie „Spin“ oder „Caught in the rain“ auf die bewährte laut/leise Dynamik aus akustischen und hart rockenden Parts und Justin Holmans kraftvolles Stimmorgan. Also genau das richtige Material, um die amerikanischen Charts von hinten aufzurollen. Etwas mehr Rhythmusfreudigkeit bringt „Your wall“ ins Spiel. Ein Song, der Kraft mit Atmosphäre zu verbinden versteht und erst spät den Weg auf das Album fand. Gitarrist Nathaniel Cox hatte „Your wall“ erst fertig, als die Aufnahmen schon fast komplett abgemischt waren. Die Band mochte den Track so sehr, dass sie ihn schnell einspielte und mixte, um ihn noch mit auf das Album zu nehmen. „Seven“ ist eine der ältesten Kompositionen im Revis-Repertoire, die von einem Kapitel der Offenbarung inspiriert wurde. Das Stück beginnt mit einem getragenen Akustikteil, der sich langsam aber sicher zu einem Stadionrock-tauglichen Refrain steigert.

Leider sind sich die Songs nicht nur untereinander sehr ähnlich. Auch eine Unterscheidung von den üblichen Verdächtigen des Genres ist kaum möglich, was auf Dauer recht ermüdend wirkt. Alles, was auf „Places for breathing“ dargeboten wird, hat man so oder besser schon mal gehört und entzieht dem Album deshalb den Titel „Pflichtkauf“. Klar, Freunde amerikanischen Mainstreamrocks werden auch an Revis Gefallen finden. Doch man kann auch sehr gut leben, ohne dieses Werk gehört zu haben, denn die Burschen aus Illinois bieten maximal eine nette Zwischendurchunterhaltung, von der schon bald keiner mehr sprechen wird.

Anspieltipps:

  • Seven
  • Re use
  • Your wall
  • Caught in the rain
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