Elbow - Leaders Of The Free World - Cover
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Elbow Leaders Of The Free World


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit zunehmender Spieldauer erzeugen Elbow eine von abwechslungsreich arrangierten Songs getragene Stimmung, die jedes Herz aufgehen lässt.

Elbows zweites Album „Cast Of Thousands“, von dem Chris Martin (Coldplay) sagt, es sei seine meist geliebte Platte der letzten Jahre, wurde ein vielfach umjubeltes Werk. Besonders in ihrer Heimat England feierten Elbow gehörige Erfolge, zu denen ein unvergesslicher Auftritt in der Brixton Academy gehörte. Dabei sah für die Band 1998 alles nach einem traumatischen Beginn aus, als sie bei Island Records unterschrieben und ohne ein Album veröffentlichen zu können, wieder auf die Straße gesetzt wurden. Doch Guy Garvey und seine Mannen schnürten die Schuhe und kamen 2001 bei V2 Records unter. Noch im selben Jahr erschien das Debüt „Asleep In The Back“, gefolgt von dem beeindruckenden Zweitwerk. Für das aktuelle Album „Leaders Of The Free World“ schrieben Elbow 30 Songs, an denen in einem mit allerlei Nützlichem und Unnützlichem zugestellten Raum gewerkelt wurde. Auch die unbedingt notwendige Tischtennis-Platte und der extremste Ausmaße erreichende Teekonsum konnte die Jungs nicht davon abhalten, die ausgewählten 11 Songs selbst zu produzieren.

Nicht nur die Aufnahmezustände klingen hingabevoll, die Musik ist es auch. Doch fangen wir vorne an und lassen „Station Approach“ erklingen. Der Opener meint es dann doch etwas zu gut mit dem opulentem Treiben. Leichte Percussions und Pianotupfer lassen noch Sehnsucht aufkeimen und die stimmliche Güte Guy Garveys vernehmen wir beschwörend. Mit zunehmender Spielzeit verwandelt sich der Track allerdings in ein Wirrwarr an Harmonien und aufdringlichen Sounds. Elbows Stärke liegt vielmehr in ruhigeren, angenehm kantigen Songs, wie „Picky Bugger“ im Anschluss ausgiebig erkennen lässt. Elektronische Grundlagen werden mit einem feingliedrigen Bandsound stimmungsvoll verziert, so dass man erleichtert aufatmet. „Forget Myself“ ist ein etwas lauter geartetes Stück Musik. Im Mid-Tempo Bereich ertönen ansprechende Melodien und eine klangvolle Dichte, die trotz einer gewissen Theatralik den Hörer ohne Ballast erreicht.

Mit zunehmender Spieldauer erzeugen Elbow eine von abwechslungsreich arrangierten Songs getragene Stimmung, die jedes Herz aufgehen lässt. Im Titeltrack werden raue Gitarren gefühlvoll verzerrt, um die leidenschaftliche Zerbrechlichkeit der Vocals noch ein Stück mehr gen Olymp zu heben. Der Bann zieht seine Kreise, während man dem zarten „An Imagined Affair“ lauscht. Akustikgitarren erschaffen mit Hilfe von akzentuiertem Einsatz des Pianos und leisem elektronischen Pluckern unnachahmliches Wohlgefühl. Verspielt gibt sich das Schlagzeug in „Mexican Standoff“, dem wahrscheinlich besten Stück des Albums. Die Vocals gehen einem mehr als nah und verbreiten zusammen mit schrägen, kraftvollen Gitarren-Parts entrückte Momente des Schwebens.

So zauberhaft geht es vor allem in der zweiten Hälfte des Longplayers zu. Song für Song gibt man sich fragilen Landschaften hin, die durch zeitweilige Eruptionen mit Spannung gesegnet sind. Eingängige Fragmente nehmen einen gerade durch die nie gleichförmigen Strukturen und den Mut zu Umwegen gefangen. Manch´ Herzensbrecher aus diesem Album wird uns auf jeden Fall begleiten und hoffentlich niemals verlassen.

Anspieltipps:

  • Picky Bugger
  • Mexican Standoff
  • Great Expectations
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Jellies
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