H.I.M. - Dark Light - Cover
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H.I.M. Dark Light


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach anfänglich brotloser Kunst gelang der finnischen Band HIM mit dem Chris-Isaak-Cover „Wicked game“ der erste Hit. Das dazugehörige Debütalbum „Greatest Lovesongs Vol. 666“ erschien 1998 und war noch im Gothic-Rock verwurzelt. Der kommerzielle Durchbruch ließ aber nicht lange auf sich warten. Der zweite Longplayer „Razorblade Romance“ erreichte dank des Ohrwurms „Join me in death“ überall Spitzenplätze. Die Band wurde quasi über Nacht von der üblichen Presse- und TV-Lawine erschlagen und als „Gothic-Pop“-Sensation abgefeiert. Allein in Deutschland wurden 450.000 Einheiten verkauft, die dem Label Supersonic/Gun einen warmen Geldregen bescherten. Dieser wird ihm nun entgehen, denn mit der „Greatest Hits“-Sammlung „And Love Saind No: The Greatest Hits 1997-2004“ und der DVD „Love Metal Archives Vol. 1“ haben die Finnen ihren Vertrag bei Supersonic/Gun (im Vertrieb von BMG) erfüllt und beim Branchenriesen Warner Bros. angedockt.

Das Ziel ist eindeutig: Mit dem Major im Rücken sollen die amerikanischen Charts geknackt werden. Das fünfte Studioalbum ist also ein kleiner musikalischer Neuanfang, allerdings ohne den gewohnten Düsterfaktor zu verlieren. Zudem machte schon die letzte Scheibe „Love Metal“ deutlich, dass der Sound wieder härter werden sollte und so kommt es auch. Neu ist dabei die ungewohnte Komplexität der Kompositionen, die selten unter vier Minuten Spielzeit liegen und die mehrere Hördurchgänge erfordern, um alle Details herauszufinden. Mitverantwortlich für die Arrangements ist Tim Palmer, der das letzte Album abmischte und nun zum Produzenten aufstieg. Palmer arbeitete schon mit U2, Pearl Jam, Ozzy Ozbourne und Robert Plant zusammen. Aufgenommen wurden die zehn Songs im sonnigen Los Angeles.

Der Opener „Vampire heart“ belegt den neuen Anspruch der Nordländer. Abwechselungsreiche 4½ Minuten, die schon fast fröhlich und unbeschwert den amerikanischen Rockfaktor betonen. Betont harte Riffs und ein wirklich gutes Songwriting werden die Kritiker der vorherigen Alben sicher überraschen. So verblüfft die erste Singleauskoppelung „Wings of butterfly“ durch eine gute Melodieführung, starken Gitarreneinsatz und natürlich den unverwechselbaren dunklen Bariton von Ville Valo. Machen HIM jetzt Emo-Rock? Außer den von bizarren Todessehnsüchten und Vampirgeschichten getränkten simplen Texten scheint nichts mehr an die düstere Seite zu erinnern. Das ändert sich erst mit dem Titelsong, der relativ ruhig die übliche Dosis dunkler Gefühle versprüht. Der locker rockende Beginn der CD wird hier leider qualitätsmäßig gestoppt. Erst „Behind the crimson door“ setzt die traditionellen Rockelemente fort. Die Fans werden mit der Ballade „Play dead“ noch mal herzmäßig bedient, während Schlusstrack „The nightside of Eden“ zuviel auf einmal möchte und nur mit einem grabestiefen, von der ganzen Band gesungenen Refrain, überrascht.

Kritik am neuen HIM-Album könnte man höchstens an der Unverwechselbarkeit der Songs festmachen, denn es ist die ganze Aufmerksamkeit des Hörers nötig, um wirklich gravierende Unterschiede zwischen den Songs zu erkennen. Dennoch kann „Dark Light“ als Rückbesinnung auf alte Tugenden der Skandinavier betrachtet werden, die ihre harte Linie beibehalten sollten. Balladen und Popelemente werden trotzdem nicht ausgeschlossen. Sie gehören einfach zum HIM-Sound dazu. Ab jetzt heißt es: Vorsicht, Amerika, hier kommt HIM!

Anspieltipps:

  • Vampire Heart
  • Wings of Butterfly
  • Killing Loneliness
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