Belle And Sebastian - Push Barman To Open Old Wounds - Cover
Große Ansicht

Belle And Sebastian Push Barman To Open Old Wounds


  • Label: Jeepster Recordings
  • Laufzeit: 107 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus!

Eingefleischte Fans, die sich zwischen 1997 und 2001 die sieben EPs der Schotten in mühevoller Kleinarbeit besorgt haben, werden sich ärgern. Der Rest aber darf sich freuen: Endlich gibt es alle Titel der legendären Jeepster-EPs gebündelt auf einem Doppelalbum.

Mitte der Neunziger verblüfften Belle and Sebastian auf den vorzüglichen Alben „Tigermilk“ und „If You´re Feeling Sinister“ die Musikwelt mit ihrem schüchternen Folk-Pop. Bereits kurz danach begann die Glasgower Band mit der Veröffentlichung ihrer ersten EPs, „Dog On Wheels“ und „Crazy Line Painter Jane“. In der Folgezeit erschienen in loser Folge sieben EPs mit insgesamt 25 melancholischen Ohrwürmern, die sich auf keinem regulären Album der Gruppe finden lassen. „Push Barman To Open Old Wounds“ fasst nun erstmals diese Periode im Schaffen von Belle and Sebastian kompakt auf einer Doppel-CD zusammen.

Das Ergebnis ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus. Ersteres, weil die zwei CDs im edlen Buchdesign und mit umfangreichen Booklet daher kommen. Ein Ohrenschmaus ist die Compilation, weil es im aktuellen Popgeschäft wenig gibt, was an die textliche und musikalische Brillanz der Schotten heran reicht. Die verschwommen-melancholischen Texte von Sänger Stuart Murdoch gehören schlichtweg zum intelligentesten und literarischsten, was die britische Musikszene vorzuweisen hat. Die Subversion seiner rätselhaft verschwommenen Zeilen wird nur durch den Schönklang seiner Kopfstimme und dem bandeigenen Charme des Fragil-Verstaubten verdeckt.

Schlugen Belle and Sebastian auf dem letzten Studioalbum („Dear Catastrophe Waitress“, 2003) vermehrt poppigere Töne an, so überzeugen die Titel auf „Push Barman To Open Old Wounds“ vor allem durch die spröde Eleganz der Anfangsjahre. „The State I Am In“, “Lazy Line Painter Jane” oder das fantastische „Belle and Sebastian“ sind schon jetzt Klassiker im Gesamtwerk des Glasgower Septetts. Aber auch die 2000 und 2001 entstandenen Titel wie „Legal Man“ oder „Jonathan David“ gefallen auf der ganzen Linie und gehören ebenfalls zu den Höhepunkten. Heimlicher Star der Doppel-CD ist dennoch ein anderes Stück: „This Is Just A Modern Rock Song“ gehört zweifellos zum Besten was Belle and Sebastian in den zehn Jahren seit ihrer Gründung vollbracht haben. Scheinbar spielerisch wechselt der Song von der Geschichte einer unerfüllten Liebesbeziehung hin zur selbstironisch dargebotenen Beschreibung des Musikmachens in den postmodernen Neunzigern.

So gesehen ist „Push Barman To Open Old Wounds“ vor allem ein Blick zurück auf die Anfangsjahre einer unvergleichlichen Band und dokumentiert damit zugleich eine Phase im musikalischen Schaffen von Belle and Sebastian wie sie in dieser unverbrauchten Eleganz wahrscheinlich nicht wieder kommt.

Einziges Ärgernis: Fans, die gern die Texte von Stuart Murdoch verfolgen oder mitsingen wollen, werden hier und da enttäuscht. Denn auch bei „Push Barman To Open Old Wounds“ - dass sich vom Artwork bis zum Albumnamen an die bandeigene Ästhetik des Rätselhaften hält – ist es nicht gelungen, die Texte eins zu eins in das Booklet zu übertragen. Dennoch: Ein großes Album einer großen Band auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens!

Anspieltipps:

  • The State I Am In
  • Belle and Sebastian
  • Lazy Line Painter Jane
  • A Century Of Fakers
  • This Is Just A Modern Rock Song
  • Legal Man
  • Jonathan David
  • I´m Waking Up To Us
Neue Kritiken im Genre „Pop“
Diskutiere über „Belle And Sebastian“
comments powered by Disqus