HammerFall - Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken (Tour Edition) - Cover
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HammerFall Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken (Tour Edition)


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Hammeriten sind wieder da! Und mit ihnen die Klischeearmee. Wer bereits bei Titelbezeichnungen wie „Born to rule“ oder „Hammer of Justice“ Migräne bekommt, sollte sich an dieser Stelle dringend aus dieser Kritik ausklinken. Andernfalls wird für wahrscheinliche Folgeschäden keine Haftung übernommen! Der heilige Hammer als Verbindung von Phallussymbol, männlicher Körperstärke und Kriegsgeilheit ist seit dem durchschlagenden Debütalbum im Jahre 1997 der Gott, zu dessen Ehren die Behämmerten regelmäßig in einen Kreuzzug gegen den guten Geschmack ziehen. Was man vom inzwischen fünften Studiooutput erwarten darf, verrät bereits der Titel. „Ungebunden, ungebeugt, ungebrochen“ heißt es da. Ganz klar, auch anno 2005 werden Hammerfall auf alles einschlagen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Akzeptieren wir also das Unvermeidliche und lassen den Hammerschlag nieder gehen, auf dass er schnell verklingen möge.

„Dein Hammer treibt den Nagel, hält den Dachbalken.
Dein Hammer schmiedet das Eisen, formt den Kessel.
Dein Hammer in meiner Hand, wider meine Feinde.“

Dieser und alle weiteren Texteinschübe sind einem populären PC-Spiel entnommen, könnten aber auch ohne weiteres aus der Feder der Schwedencombo stammen, geben sie doch getreu die Philosophie und die beinah intime Beziehung zum Hammer wieder, der sich gleichermaßen als Werkzeug und Waffe gebrauchen lässt. Der Unterschied besteht darin, dass im Spiel der Fanatismus als augenzwinkender Seitenhieb auf fundamentalistische Gruppierungen zu verstehen ist, aber der Band aus dem Ikea-Land es absolut ernst damit ist. Wir wollen an dieser Stelle aber mal nicht zu hart mit den Power Metal – Vorreitern ins Gericht gehen, war es doch das nicht weniger als sensationelle Debütalbum „Glory to the brave“, das anno 1997 einen weltweiten (Heavy-)Metal-Boom auslöste. Insofern kann man das Vermächtnis der noch jungen Band aus dem Norden gar nicht hoch genug einschätzen. Doch leider zeigten sich in der Folgezeit bereits erste Risse im Heiligenschein der Metal-Heilsbringer. Mit „Renegade“ war dann auch schon zwei Alben und drei Jahre später der bisherige Tiefpunkt erreicht. Überraschenderweise konnte man der bevorstehenden Bedeutungslosigkeit mit dem hochklassigen „Crimson Thunder“ (2002) noch mal entfliehen. Doch anstatt an diese Quasi-Neuerfindung des eigenen Sounds anzuknüpfen, wirkt „Chapter V“ eher wie ein Hämmerchen, das an die Tür zu „Renegade“ klopft.

„Möge der Hammer die Sünder treffen.“

„Immer druff“ lautet dann auch die Devise, nach der Hammerfall in ihrem fünften Kapitel verfahren. Schön seicht im Midtempo-Bereich gibt’s harmlosen Dummbatz-Metal irgendwo zwischen manowarschen True –und scheintoten Power-Metal zu hören. Dem Werk daraus jetzt einen Strick zu drehen, fällt zugegebenermaßen schwer, ziehen die Mannen doch schließlich „ihr Ding durch“. Jawohl, das tun sie. Aber braucht man das wirklich? Spätesten bei der vor Schmalz triefenden Ballade „Never, ever“ wachsen einem vor Langeweile und Entsetzen Eiszapfen aus der Nase. Vorher (nachher nicht) gibt’s mit einigermaßen annehmbarem Füllwerk wie der in Ordnung gehenden Single „Blood Bound“, „Fury of the wild“ sowie „Hammer of Justice“, das genauso klingt wie es heißt (aber über die Lyrics wollen wir an dieser Stelle besser den Mantel des Schweigens hüllen), so gar noch Lieder, die es verdienen als Anspieltipps aufgezählt zu werden. „Knights of the 21st century“ soll dann wohl ein abschließendes Epos sein, welches höchstens anhand seiner pompösen Instrumentalisierung erkennbar ist, ansonsten aber nur durch abartiges Geknurre auffällt. Letztendlich hat sich die Prophezeihung erfüllt, dass Hammerfall ihre besten Tage hinter sich haben. „Fucking, yeah. The Prophecy“ sind die letzten Worte eines sterbenden Albums. Möge es in Frieden ruhen.

Anspieltipps:

  • Blood bound
  • Fury of the wild
  • Hammer of justice
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