Fettes Brot - Am Wasser Gebaut - Cover
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Fettes Brot Am Wasser Gebaut


  • Label: Fettes Brot Schallplatten/INDIGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Jungs zeigen sich zwischen HipHop, Pop und Soul erwachsener und weniger albern, als auf ihren vorherigen Platten.

Äh, ja, das ist jetzt aber dumm. Hier sollte eigentlich die Rezension des neuen „Fettes Brot“-Albums „Am Wasser Gebaut“ stehen. Doch irgendwie will das Unterfangen nicht so richtig glücken. „Ja, warum denn das?“, mag sich der geneigte Leser jetzt denken. „Hat der Rezensent etwas an den Ohren oder springt die CD?“. Um mit der Sprache der Brote zu antworten: „Jein!“.

Die drei Rapper aus der Hamburg – Doktor Renz (Martin Vandreier), König Boris (Boris Lauterbach) und Schiffmeister (Björn Warns) – haben sich den Luxus erlaubt, ein Plattenlabel zu gründen. Eigentlich vollkommen verrückt, denn wer kauft heutzutage noch Schallplatten? Die coolsten Tracks zieht man sich aus dem Netz – und wenn es ganz legal für 99 Cent ist. Doch leider geht es bei den Downloads nicht immer legal zu, weshalb die frischgebackenen Plattenfirmenbosse aus der Elb-Metropole keine CDs mit dem fertigen Album an die Presse verschicken, sondern eine auf 20 Minuten eingedampfte Snippet-Sammlung – gefadet, ungemastert und unsortiert. Dass es damit nicht gerade leicht ist, sich einen fundierten Eindruck von den zehn neuen Tracks zu bilden, dürfte jedem klar sein. Aber so stellt wenigstens keiner die Songs vor der Veröffentlichung von „Am Wasser Gebaut“ ins Netz. Doch was danach passiert, ist auch klar. Vielleicht sollte man mit der Rezension einfach etwas warten...

Der erste Tonträger von Fettes Brot erscheint im Jahr 1994. Die EP „Mitschnacker“ erlangt schnell Kultstatus. Es folgen die Alben „Auf einem Auge blöd“ (1995), „Außen Top Hits, innen Geschmack“ (1996), „Fettes Brot läßt grüßen“ (1998), „Fettes Brot für die Welt“ (Anthologie, 2000), „Demotape (2001) und „Amnesie“ (Best Of, 2002). Nach einer Pause melden sich Fettes Brot im Februar 2005 mit der Single „Emanuela“ zurück. Bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ schaffen sie damit einen verdienten zweiten Platz hinter der Newcomerband Juli.

„Emanuela“ ist genau der Ohrwurm, den jede kommerziell orientierte Platte braucht, um in den Charts erfolgreich zu sein. Mit pumpenden Beats und einem typischen „Fettes Brot“-Text zum Schmunzeln, schaffte es der Song bis auf Platz 3 in den Media Control Charts. Ebenso eingängig und mit Chancen zum Kultsong ist „Lauterbach“, ein brutal groovender HipHop-Burner im „Beginner“-Style. „Wie immer“ ist das offizielle Statement der Brote zu ihrem „Comeback“, zur Lage der Pop-Nation und wie es mit der Band weitergeht. „Die meisten meiner Feinde“ befasst sich mit Provinz-Rowdytum und Feinden, die einen das ganze Leben lang begleiten. „Soll das alles sein“ ist eine einfühlsame Alltagsbeobachtung aus der Sicht einer alleinstehender Frau mit Kind, die zu der ernüchternden Feststellung kommt: „soll das jetzt etwa alles gewesen sein?“

„Am Wasser Gebaut“ klingt wie die musikalische Aufarbeitung der Vergangenheit der sympathischen Vorstadtrapper. Es geht um unerwiderte Liebe („Yasmin“), sanfte Revolution mit Partysongs („Kuba“) und Gesellschaftskritik („An Tagen wie diesen“, mit einem geschickt eingebauten Falco-Sample aus dem Skandalsong „Jeanny“). Damit zeigen sich die Jungs zwischen HipHop, Pop und Soul erwachsener und weniger albern, als auf ihren vorherigen Platten. Eine schöne neue Welt.

Anspieltipps:

  • Kuba
  • Emanuela
  • Wie immer
  • Lauterbach
  • An Tagen wie diesen
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