The Mars Volta - De-Loused In The Comatorium - Cover
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The Mars Volta De-Loused In The Comatorium


  • Label: Universal Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine der wenigen Bands, die in der heutigen Zeit noch zeigen konnten, was man unter Rockmusik wirklich zu verstehen hat, löst sich auf. Im Jahr 2001 ereilt viele Musikliebhaber der große Schock. At The Drive-In aus Texas geben nach größerem Streit ihrer Drohung nach, sich bei Problemen sofort aufzulösen. Dass die Jungs es nicht schaffen ohne Musik auszukommen, zeigt sich schnell. Die beiden aus dieser Trennung folgenden Projekte sind „Sparta“ und eben „The Mars Volta“. Überrascht ist der ATD-Fan, wenn er merkt, dass „Sparta“ sich viel mehr an den Sound der nun aufgelösten Band klammert. Sind es doch die Köpfe der Band Gitarrist Omar Rodriguez und Sänger Cedric Bixler, als auch deren guter Freund Jeremy Michael Ward (2. Gitarre) die den Gegenpart „The Mars Volta“ stellen. Vorerst holt man Keyboarder Ikey Owens und Bassistin Eva Gardner, sowie den Drummer Jan Theodore ins Boot.

Ihr Sound sei eben der, dass sie keinen haben, meint Rodriguez fast schon provokativ bei Fragen zu der Musik von „The Mars Volta“. Nach der wirklich abgedrehten ersten EP „Tremulant“ nimmt man ihm dieses Argument gerne ab. Ob es nun die gespaltene Kritik oder Reibereien innerhalb der Band waren: Die Konstellation der Band ändert sich noch vor dem Debütalbum „De-Loused in the Comatorium“. Owen und Gardner verlassen die Band, woraufhin Linda Good (Keyboards) und Ralph Jass (Bass) übernehmen. Endlich kann mit Hilfe von Produzent Rick Rubin ein Konzeptalbum der durchgeknallten Sorte aufgenommen werden. Kurz vor Veröffentlichung fliegt dann Ralph aus der Band, der umgehend von Juan Alderete ersetzt wird. Sei das alles nicht genug verstirbt Jeremy Ward noch bevor das Album in Deutschland auf den Markt kommt. Im Verlauf der Tour findet sich „Sparta“-Gitarrist Paul Hinojo als Ersatz. Die 2.Gitarre auf dem Album aber ist Wards Werk. An dieser Stelle möchte der Rezensent diesem Musiker Gedenken.

Doch nun endlich zur Musik dessen Hauptinspiration, laut Rodriguez, der Salsa ist. Obwohl es ein Konzeptalbum ist, ist es beinahe unmöglich hier einen Song mit dem anderen zu vergleichen. Salsaelemente findet man abgewandelt tatsächlich en masse. „Son Et Lumiere“ und „Inertiatic Esp“ (ersteres ist eigentlich lediglich das Intro zu „Inertiatic Esp“) leiten das Album furios und kraftvoll ein. Treibende Gitarrenwände und ein hämmerndes Schlagzeug zum rechten Zeitpunkt sorgen für ein unnachahmliches Musikerlebnis. Der südländische Salsa tut sein übriges und drückt dem Lied seine endgültig eigene Note auf. Es mag den Hörer schocken, so ziemlich jeder Song die sechs Minuten Marke knackt („Cicatriz Esp“ ist mit über zwölf Minuten Spielzeiten der Höhepunkt, was die Laufzeit eines einzelnen Liedes angeht), aber Grund dazu gibt es nicht. Langweilige Momente sind (beinahe) nicht auszumachen. „Roulette Dares (The Haunt Of)“ trägt den Hörer problemlos über gute sieben Minuten durch das heiße Rhythmenland von „The Mars Volta“. „Tira Me A Las Aranas” ist wieder “nur” eine Einleitung zu “Drunkship Of Lanterns”, welches den fantastischen Stücken zuvor in Nichts nachsteht. „Eriatarka“ ist die geglückte Mischung aus den später noch folgenden Songs „This Apparatus Must Be Unearthed“ und „Televators“ (oder sind diese eine Aufteilung aus „Eriatarka“?).

„The Mars Volta“ zeigen sanfte Momente, auf welche gleich wieder hämmerndes Schlagzeug und besessene Gitarrenakkorde folgen. Der zwölfminütige Brocken „Cicatriz Esp“ hat tatsächlich das Potenzial nicht nur von seiner Länge her der Kern des Albums zu sein. Sei es der Bass, das Keyboard, die Gitarren oder Cedrics emotionale Stimme: Alles passt perfekt und spätestens beim Refrain ist man hin und weg. Leider übertreiben die Jungs (und das Mädel) hier. Anfangs ist das improvisierte Zwischenspiel noch typisch „The Mars Volta“, doch dann ist man drei Minuten allein im Nirgendwo von Hintergrundeffekten. Das war ein wenig zu viel. Ansonsten freut man sich, wenn mehr als neun Minuten verstrichen sind, da der Song dann endlich wieder Fahrt aufnimmt und letztendlich im genialen Refrain mündet. Es folgen die beiden „Eriatarka“-Folgestücke welche sich durch das langsam herauskristallisierende „Südland-psychedlisch-Chaos-Musikgefilde“ („This Apparatus Must Be Unearthed“) und einer ruhigen Ballade („Televators“) auszeichnen und das Album zum Ende geleiten. Das große Finale „Take The Veil Cerpin Taxt” haut noch mal mit allen erdenklichen Methoden und Experimenten ins Ohr, ohne die schönen Melodien zu vergessen.

Diese Band ist für viele Leute sicher zu verrückt, aber wenn Led Zeppelin aus Texas oder auch Mexiko gekommen wäre, dann hätte er sich wohl so angehört. Man könnte noch viel über Details reden, doch der Rezensent muss zum Ende kommen, genau wie „The Mars Volta“ beim ein oder anderen Lied. Überwiegen tut aber der mehr als positive Eindruck, dass der Band ein Hörerlebnis der besonderen Art gelungen ist. Die Bandgeschichte alleine würde schon reichen um Seiten zu füllen. Man kann nur hoffen, dass uns Musik von diesen Herren noch lange erhalten bleibt.

Anspieltipps:

  • Inertiatic Esp
  • Roulette Dares (The Haunt Of)
  • Eriatarka
  • Take The Veil Cerpin Taxt
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