U2 - How To Dismantle An Atomic Bomb - Cover
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U2 How To Dismantle An Atomic Bomb


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch „How To Dismantle An Atomic Bomb“ ist ein Pflichtkauf!

Echte Großereignisse sind in der Musik eine seltene Angelegenheit geworden, weil uns die wirklichen Superstars langsam aber sicher ausgehen. Also Künstler, auf deren Alben man sich schon Jahre vorher freut und deshalb jeden noch so kleinen Zeitungsartikel gierig aufsaugt. Zu diesen Dinosauriern, bei denen sich schon im Vorfeld der Veröffentlichung ein Mysterium bildet, zählen auch U2. Die irischen Rock-Ikonen veröffentlichen am 22. November 2004 mit ihrem elften Studioalbum „How To Dismantle An Atomic Bomb“ den Nachfolger des elf Millionen mal verkauften Werkes „All That You Can't Leave Behind“ aus dem Jahre 2000. Und wieder mal durften die Fans ob des Gelingens zittern...

Rund 18 Monate arbeiteten Bono, The Edge, Larry Mullen Jr. und Adam Clayton in ihrem eigenen Studio, dem Hanover Quays im irischen Dublin, sowie im Süden Frankreichs an den Songs für „How To Dismantle An Atomic Bomb“. Eine lange Zeit, in der ein fast fertiges Album im Papierkorb landete und nach Abschluss der Aufnahmen eine Vorabkopie von The Edge gestohlen wurde, sodass entgegen aller Marketingpläne mit einer vorgezogenen Veröffentlichung kalkuliert wurde, um einem etwaigen Auftauchen der neuen Songs im Internet entgegen wirken zu können. Doch am Ende verlief alles nach Plan, auch wenn die Beteiligung von mehr als einem halbem Dutzend Produzenten nicht den besten Eindruck macht.

Wie gehabt saß U2s langjähriger Mitstreiter Steve Lillywhite wieder an den Reglern, der sich um die meisten Songs der zweiten Albumhälfte kümmerte. Dazu betreute Chris Thomas den Löwenanteil der ersten Hälfte, während sich Flood, Garret „Jacknife“ Lee, Brian Eno, Daniel Lanois, Nellee Hooper und Carl Glanville den Rest der Produktion und das Abmischen der Tracks teilten. Doch was im ersten Moment nach hilfloser Kopfgeburt klingt, wird bereits mit der ersten Single – dem Album-Opener – „Vertigo“ weggewischt. Lange klangen U2 nicht mehr so rockig und gitarrenorientiert, dass selbst Hardcore-Fans überrascht sein werden. Hier spürt man deutlich die Nachwehen der sogenannten „The“-Band-Welle (The Hives, The Strokes, The Vines, ...), die ganz offensichtlich auch U2 inspiriert hat.

„Miracle drug“ und „Sometimes you can't make it on your own” sind typische U2-Balladen, wie wir sie in den vergangenen zwei Dekaden kennen und lieben gelernt haben: Hymnisch, atmosphärisch und ganz weit weg von Pomp und Kitsch, wobei „Sometimes you can't make it on your own” einen hoch emotionalen Nachruf auf Bonos verstorbenen Vater Bob Hewson darstellt, sodass hier kaum ein Auge trocken bleiben dürfte. Ganze große Kunst eben! „Love and peace or else“ kommt als postindustrieller Elektro-Blues daher, während „City of blinding lights” anfänglich mit The Edge’ singender Gitarre und bei Coldplay abgeschauten Pianoläufen verzaubert. Doch unterm Strich kommt der Track nicht recht aus dem Quark. Verbuchen wir ihn deshalb mal gnädig unter „gehobenem Füllmaterial“. „All because of you” beginnt als fiependes Etwas, das mit harten Rockgitarren gekoppelt wird. Aber neben dem für U2-Verhältnisse wüsten Rock passiert in dem Stück nicht wirklich viel. Offensichtlich leistet sich die Band im Album-Mittelteil eine kleine Krise, denn auch „A man and a woman” langweilt als groove-orientierter Track. „Crumbs from your table” bietet dagegen ausladenden Cinemascope-Sound und eine geschickt verpackte Melodie. Der Song spricht einen nicht sofort an, entfaltet aber nach einiger Zeit die unnachahmliche U2-Qualität. Das von Daniel Lanois in „Joshua Tree“-Manier produzierte „One step closer“ setzt einen auffälligen Kontrapunkt zu den bisherigen Stücken. Mit düsteren Klängen schwebt eine federleichte Melodie durch den Raum, die kurzzeitig zu einem Orkan anzuschwellen droht, dann aber abrupt abbricht. Auch hier befasst sich Bono mit dem Tod seines Vaters.

„Original of the species” ist eine weitere „Mega-Ballade“, die durch sehr schöne Harmoniewechsel und Bonos eindringliche Stimme besticht, bevor der Hörer mit dem versöhnlichen „Yahweh“ entlassen wird und knapp 50 Minuten hinter sich lässt, die wie im Fluge vergangen sind und nach baldiger Wiederholung schreien. Denn „How To Dismantle An Atomic Bomb“ ist nicht das mit Hits gespickte Rockalbum, von dem überall die Rede war. Laute und ruhige Songs wechseln sich ab und gehen den auf „All That You Can't Leave Behind“ eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Noch ist es nicht an der Zeit, von einem weisen Alterswerk zu sprechen, aber U2 kommen diesem immer näher. Deshalb ist auch „How To Dismantle An Atomic Bomb“ ein Pflichtkauf!

Anspieltipps:

  • Vertigo
  • One step closer
  • Original of the species
  • Crumbs from your table
  • Sometimes you can't make it on your own
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