Calexico - Feast Of Wire (Deluxe Edition) - Cover
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Calexico Feast Of Wire (Deluxe Edition)


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 95 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Mehrwert dieser Wiederveröffentlichung ist ausreichend gesichert.

Die „nonkonfirmistische Herangehensweise” von Christof Ellinghaus hat seinem Label City Slang nach 20 Jahren den Ruf einer der bekanntesten und geschmackssichersten Indie-Plattformen eingebracht. Gefeiert wird allerdings nicht mit protzigen Wiederveröffentlichungen und Best Of-Zusammenstellungen, sondern vielmehr mit sinnvollen Ergänzungen und Updates zu allseits bekannten, wegweisenden Alben, die unter dem Banner City Slang für Bestnoten und internationale Anerkennung sorgten. Diese sogenannten Deluxe Limited Edition-Reissues beschränken sich dabei auf die drei Bands Lambchop, The Notwist und Calexico. Letztere ist mit den beiden Platten „Hot rail“ (05/2000) und „Feast of wire“ (02/2003) vertreten, die den guten Ruf der ambitionierten Truppe aus Tucson, Arizona nicht nur ausbauten, sondern mit den richtigen Argumenten weit über die bescheidenen Indie-Grenzen hinaus bekannt machten.

Als Nachfolger zum experimentellen 2000er Album wollten sich die zwei Hauptakteure hinter Calexico (Joey Burns (Gesang, Gitarre) und John Convertino (Schlagzeug, Perkussion)) verstärkt ihren urtümlichen Trademarks widmen und diese unter Berücksichtigung der bisher gewonnen Erfahrungen umsetzen. Herausgekommen ist das vielerorts als das beste Calexico-Album gepriesene „Feast of wire“. Die Band aus Tucson verlagert den Schwerpunkt auf Details und eine stärkere Geradlinigkeit, was jedem Song eine einzigartige Aura verschafft, mit der er sich nachhaltig in den Gehörgängen festsetzt. Egal ob es beim typischen Calexico-Sound bleibt („Sunken waltz“), eine schummrige Atmosphäre („Woven birds) oder aufjaulende Saxophonparts den Takt angeben („Quattro (World drifts in)“), langgezogene Streicherakkorde eine unheilvolle Dramatik heraufbeschwören („Black heart“), minimalistischem Folk-Pop gehuldigt wird („Not even Stevie Nicks“) oder Mariachis („Across the wire“) und kubanische Rhythmen („Guero canelo“) ihren Einsatz fordern, jede Note und jedes Arrangement sitzt am richtigen Platz.

Sogar die Instrumentals faszinieren durch eine schier endlose Bandbreite an Emotionen, Ideen und musikalischer Vielfalt. Ist „Stucco“ mit seinen 20 Sekunden nämlich noch ein vergessenswertes Soundschnipsel, gesellen sich neben dem jazzaffinem Song „Crumble“, dem schwermütigen „Pepita“ und der Flamenco-Nummer „Dub latina“ noch filmmusikähnliche Schwergewichte wie „Close behind“ (erinnert an Ennio Morricones Werk) oder „The book and the canal“ (dramatische Kontrabaß- und Pianoklänge lassen an einen ungeschriebenen Arthouse-Thriller denken) dazu, während „Attack! El Robot! Attack!“ mit einer Mischung aus Jazz, Trip Hop und fiebrigen Samples überrascht. „Feast of wire“ ist ohne Frage ein wunderbares Album im großartigen Portfolio Calexicos und durch die Deluxe Limited Edition ist der Output um einige Facetten erweitert worden.

Zwar geraten die beiden eröffnenden Nummern der Bonus-CD, „Black heart (Jazzanovas White Soul Dub)“ und „Attack! El Robot! Attack! (...And How We Lost Remix by Wechel Garland)”, im Gegensatz zu den Originalen ins Hintertreffen, doch bereits „Quattro“ in der Hand des Gotan Project setzt sich wohltuend vom Remix-Einerlei ab und auch „Guero canelo“ im Nortex Mix by Panoptica bleibt durch ein Mehr an Perkussion und Beats spannend und bereichernd. „Pepita (Iso68 Remix)“ hingegen bleibt trotz pumpendem Bass etwas blass, dafür ist das Love-Cover „Alone again or“ im TexMex-Gewand unverkennbar Calexico, „Woven birds“ im Cinematic Orchestra Remix klingt nach einer gelungenen Fusion aus Incognito und Massive Attack, „Convict pool“ reiht sich in die Liga der reduzierten, emotional vorgetragenen Tracks ein und der zweite Remix-Auftritt von „Woven birds“ beschränkt sich hauptsächlich auf den grummelnden Bass und beruhigenden Synthies, wodurch der Mehrwert dieser Wiederveröffentlichung ausreichend gesichert ist und jedem Calexico-Interessierten ohne Bedenken ans Herz gelegt werden kann.

Anspieltipps:

  • Crumble
  • Black Heart
  • Woven Birds
  • The Book And The Canal
  • Attack! El Robot! Attack!
  • Guero Canelo (Nortex Mix by Panoptica)
  • Woven Birds (Cinematic Orchestra Remix)

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