Cold - Year Of The Spider - Cover
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Cold Year Of The Spider


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Year Of The Spider“ gelang der seit 1986 existierenden Band „Cold“ (ehemals „Grundig“) ein ganz großer Wurf. Fred Durst, seines Zeichen Sänger und Songwriter bei Limp Bizkit – und immer für das ein oder andere Sexskandälchen gut – entdeckte die Band bei einem Gig in Jacksonville (Florida) und fädelte einen Deal mit seinem eigenen Label A&M Records ein, welches später wegen finanzieller Schwierigkeiten von Geffen Records geschluckt wurde. Durchstarten sollten Cold allerdings erst im Jahre 2000 mit ihrem beeindruckenden Zweitling „13 Ways To Bleed On Stage“, der es zu vier Singleauskopplungen brachte.

Konsequenterweise verfolgte man den eingeschlagenen Weg weiter und heraus kam mit „Year Of The Spider“ ein Album, das man getrost als den qualitativen sowie kommerziellen Höhepunkt der Bandgeschichte bezeichnen kann. Auf dem Werk finden sich ohne Ausnahme Sahnestücke des New Metals. Einigen wird diese Einordnung missfallen, gerade auch weil die Bezeichnung „New Metal“ in vielen Kreisen eher negativ behaftet ist, da man dem Genre die Zugehörigkeit zum „echten“ Metal gerne abspricht. Dennoch spielen Cold trotz einiger Crossover-Elemente im Kern New Metal – und zwar einen sehr guten (zumindest bis zu diesem Zeitpunkt). Charakteristisch für den Sound von Cold ist die charismatische Stimme des Sängers Scooter Ward, in der viel Verzweiflung und Verzagtheit, aber auch Zorn, liegt. Er verleiht den krachenden Songs emotionale Tiefe. Zusammen mit den schonungslos offenherzigen Lyrics offenbart sich dem Hörer das in den letzten Atemzügen liegende Seelenleben Ward’s.

„Year Of The Spider“ spricht durch seine musikalische Brillanz aber auch (und vor allem) diejenigen an, die sich mit den Inhalten eines Albums nicht unnötig aufhalten wollen. Markante Hooklines, fette Riffwände, einprägsame Refrains und eine druckvolle Produktion durchziehen das Album wie ein roter Faden, der sich um den Hörer schlingt wie die Spinne um ihre Beute, und immer wieder mitreißt. Zudem wird Abwechslung im Jahr der Spinne groß geschrieben. Raffiniert eingesetzte elektronische Spielereien, weibliche Vocals („Suffocate“), mehrstimmiger Gesang („Kill the music industry“) und variantenreiches Gitarrenspiel sorgen für jede Menge Ear-Candy, das nicht immer sofort offensichtlich ist.

Da sich auf der Platte ausnahmslos Killer befinden, sich kein einziger Schwachpunkt im dicht gewebten Netz ausmachen lässt, können alle, die schon immer mal wissen wollten, wie Limp Bizkit mit guter Musik klingen würden, blind zu dieser Ausnahmeerscheinung greifen. Skeptischere Naturen brauchen sich nur vom „Stupid girl“ die Gehörgänge sauber pusten lassen, damit sie zur Besinnung kommen und sich verdammt noch mal die CD anschaffen.

Trotz des Erfolges des Albums kam es noch im Veröffentlichungsjahr zu internen Querelen, die durch die fehlende Unterstützung des Labels ausgelöst wurden. In der Folgezeit sah es für den Fortbestand der Band alles andere als gut aus. Beide Gitarristen sprangen ab; einen davon – Terry Balsamo – zog es zu den Düsterrockern von Evanescence. Zu allem Überdruss verschlechterte sich auch noch der Gesundheitszustand von Scooter Ward’s Schwester, die an Krebs erkrankte. Dennoch hielt die Band durch, engagierte Ersatz für die Weggänge und unterzeichnete einen neuen Vertrag bei Atlantic Records.

Wenn es überhaupt eine Entschuldigung für das anschließende Musikdesaster geben kann, dann sind es diese Schwierigkeiten, mit denen die Band in letzter Zeit zu kämpfen hatte, denn wer „Year Of The Spider“ kennt wird es kaum fassen können, dass „A Different Kind Of Pain“ von derselben Band stammen soll. Die Netto-Spielzeit beträgt übrigens rund 13 Minuten weniger als die angegebenen 64 Minuten, da nach „Kill the music industry“ eine Wartezeit von eben diesen 13 Minuten folgt, bevor man den verzichtbaren Hidden Track zu hören bekommt.

Anspieltipps:

  • Remedy
  • Suffocate
  • Stupid girl
  • Sad happy
  • Rain song
  • The day Seattle died
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