Paul Simon - Surprise - Cover
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Paul Simon Surprise


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 45 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Paul Simon entfernt sich mit „Surprise“ nicht nur sehr weit von seinen Wurzeln, sondern auch von seinem eigentlich Können.

„Das Schreiben von Songs besteht für mich vor allem im Erfinden einer Melodie, nicht eines Textes,“ sagt der Musiker aus New Jersey nach dem Erscheinen seines siebenten Soloalbums „Graceland“ (1986), das über 8 Millionen Mal verkauft wurde. Schon während der Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Partner Art Garfunkel startete Paul Simon immer wieder Soloprojekte. Nach der Trennung von Simon & Garfunkel 1983 veröffentlichte er fünf weitere Alben. Er versuchte stilistisch immer wieder Neuerungen in seine Musik einzubringen und begann schließlich mit einer gewissen Vorliebe ethnologische Elemente zu verwenden Für die Aufnahmen von „Graceland“ zum Beispiel, lud er das afrikanische A-capella-Ensemble Ladysmith Black Mazambo ein, den Jazztrompeter Hugh Masekela und die afrikanische Sängerin Miriam Makeba. 1998 versuchte er sich an einem Musical namens „The Capeman“, das aber zwei Monate nach der Uraufführung wieder abgesetzt wurde.

Paul Simon gilt als unverbesserlicher Perfektionist und machte aus diesem Musical schließlich eine One-Man-Show, obwohl diese Unterhaltungsform auf Teamwork ausgelegt ist. Er stellte damit den ganzen Broadway auf den Kopf. Er hatte zuerst die Songs geschrieben und die Handlung vollkommen aus diesen entwickelt – kein so gutes Erfolgsrezept im Nachhinein. Sein letztes Album war „You're The One“ (2000). Danach gab es eine längere schöpferische Pause für den Künstler. Jetzt präsentiert er uns sein neues Album „Surprise“.

Eine Überraschung für viele Leute war die Zusammenarbeit mit dem Musiker und Produzenten Brian Eno. Während Eno sich musikalisch an die Avantgarde anlehnt, ist Paul Simon für seinen legendären Folkrock bekannt. Auch wenn die Unterschiede zwischen den beiden sehr offensichtlich erscheinen, gibt es doch eine logische Erklärung dafür: Paul Simon hat immer versucht, seinen Alben etwas Innovatives zu verleihen. Daher hat er für „Surprise“ nach jemandem gesucht, der ihm neue Einflüsse vermitteln konnte. Doch war das diesmal ein guter Einfall?

Der erste Song „How can you live in the north-east“ ist eigentlich ganz passabel gelungen, er wirkt im Gegensatz zu den restlichen Songs sehr lebendig und ist leider eine der wenigen Höhepunkte von „Surpris“. „That's me“ kann in zwei Teile geteilt werden: einen langweiligen und einen recht anhörbaren. Der Anfang ist ziemlich einschläfernd, während sich im Refrain Kompositionselemente aus alten Zeiten dazugesellen, die Paul Simon noch immer sehr gut beherrscht. In „Another galaxy“ und „I don't believe“ lassen sich Country- und Folkeinflüsse erkennen. In „Once upon a time there was an ocean“ verwendet Paul Simon zusätzlich elektronische Beats. Der Stil dieses Songs erinnert ein bisschen an die Fehltritte Alanis Morissettes in „So Called Chaos“. Aber trotz der unterschiedlichen Stilmittel haben diese drei Songs eines gemeinsam: Sie sind furchtbar langweilig.

Mit „Beautiful“ und „Outrageous“ geht es dann in dem Sinne weiter, aber mit „Sure I don't feel like love“ erreicht das Album seinen absoluten Tiefpunkt. Erst bei „Father and daughter“, dem letzten Track, kann der Hörer wieder aufatmen, da dieser Song angenehm zu hören ist und etwas Gemütliches vermittelt. Das Traurige an diesem Album ist, dass Paul Simon wirklich lange Zeit zu den besten Songwritern in der Musikerszene gehört hat, vor allem während der 70er Jahre. Es ist enttäuschend, dass er nach so langer Zeit etwas so Geschmackloses veröffentlicht, wo er doch bisher bewiesen hat, dass er zu mehr fähig ist.

Was ist los? Gehen ihm langsam die Ideen aus? Hat er sich vielleicht nach der langen Suche nach einem neuen Sound an einen Ort verirrt an den er nicht gehört? Diese Fragen sind schwer zu beantworten. Die einzige Gewissheit, die man beim Anhören dieses Albums gewinnt, ist, dass Paul Simon sich mit „Surprise“ nicht nur sehr weit von seinen Wurzeln, sondern auch von seinem eigentlich Können entfernt hat.

Anspieltipps:

  • Father and daughter
  • How can you live in the north-east
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