Bon Jovi - 100.000.000 Bon Jovi Fans Can´t Be Wrong... - Cover
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Bon Jovi 100.000.000 Bon Jovi Fans Can´t Be Wrong...


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 285 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das volle Pfund für die ganz treuen Fans.

Noch so eine Kiste! Nach Nirvana („With The Lights Out“) kommt jetzt auch eine Bon-Jovi-Box auf den Markt. Denn Weihnachten ist Box-Set-Zeit! Außerdem: 100 Millionen Bon-Jovi-Fans können sich in all den Jahren nicht geirrt haben. Deshalb gibt es mit „100.000.000 Bon Jovi Fans Can´t Be Wrong... The Premiere Collection“ das volle Pfund für den Fan. Ein Kiste mit vier CDs und einer DVD, die quantitativ alles in den Schatten stellt, was in diesem Jahr auf dem Box-Set-Sektor zu haben ist. 20 Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debütalbum räumen Bon Jovi endlich Teile ihres Archivs und bündeln die bei ihren Fans so begehrten Demos, Outtakes, B-Seiten und Soundtrack-Beiträge zu einem großen Paket. Das ist wie Weihnachten im November. Außerdem soll in einem halben Jahr das nächste Studioalbum erscheinen. Wenn dann noch eine Tournee für 2005 angekündigt wird, dürften die Bon-Jovi-Jünger nicht mehr zu halten sein.

Der Kenner sieht es sofort und ahnt den Frevel. Das Cover und der Titel von „100.000.000 Bon Jovi Fans Can´t Be Wrong...“ sind von einem Elvis-Presley-Album geklaut, was vielleicht etwas anmaßend wirkt, aber ist Jon Bon Jovi nicht auch ein kleiner King? Na also, Uns-Jon darf das, auch wenn die goldenen Anzüge heutzutage etwas peinlich wirken. Wer in 20 Jahren über 100 Millionen Alben verkauft und mehr als 2.500 Konzerte in 50 Ländern vor über 32 Millionen Fans gespielt hat, kann sich fast alles erlauben. Doch wichtiger ist, was dieses opulente Set bietet.

Auf vier CDs verteilen sich insgesamt 50 Songs in nicht chronologischer Reihenfolge. Die Tracks wurden so zusammengestellt, dass jede CD wie ein geschlossenes Album klingt und nicht wie eine haarklein aufbereitete Vergangenheitsbewältigung. Die ältesten Stücke stammen aus dem Jahr 1985. Die jüngsten aus 2003. Die DVD enthält noch nie gesehenes Bildmaterial mit exklusiven, neuen Interviews, Einblicke „Behind The Scenes“ und rare Fotos. Zusammen mit dem 64-seitigen Booklet ergibt dies mehr als fünf Stunden Bild- und Tonmaterial aus den Archiven der New-Jersey-Rocker. Man sollte allerdings nicht erwarten, dass sich auf den Silberlingen ausschließlich herausragende Songs befinden. Schließlich hat kein einziger der vorliegenden Tracks in dieser Form den Weg auf ein Studioalbum geschafft. So ist die vollmundige Bezeichnung „The greatest hits you never heard“ angesichts von Songs wie („Crazy love“, „Garageland“, „I just want to be your man“, „Outlaws of love“, „Flesh and bone“ und „Every beat of my heart“) durchaus mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem: Das eine oder andere Schätzchen findet sich auch hier.

So dürfte sich der Fan aus den Anfangstagen gewiss über unbeschwerte Rocksongs der Marke „The radio saved my life tonight“, „Taking it back“ und „Starting all over again“ freuen und sich vor Bon Jovi als reine Balladen-Band („These arms are open all night“, „Miss fourth of july“, „Maybe someday“) gruseln. Interessant sind auch die Demos bekannter Stücke wie „Someday I’ll be saturday night“ und „Always“, die in ihren Frühphasen teilweise komplett anders klangen als später auf den Alben zu hören war. Auch die Texte machten mehrere Metamorphosen durch und bieten einige witzige Überraschungen. Unterm Strich werden aber viele Fans enttäuscht sein, dass kein einziger exklusiver Live-Song auf dem Box-Set zu finden ist. Dabei geistern gerade davon noch sehr viele herum, die schon auf dem merkwürdigen Live-Album „One Wild Night“ (2001) keine Verwendung fanden. So gibt es in der Tat nur sehr wenige hochklassige Songs zu entdecken (man höre nur die grandiose Hymne „Last man standing“). Dafür gibt es einige Kuriositäten, wie den Scorpions Rip-Off „We rule the night“ oder den „Someday I’ll be saturday night”-Klon „You can sleep while I dream“ zu belächeln. Sehr cool ist es auch, wenn mal nicht Jon Bon Jovi zum Mikro greift und stattdessen seinen Kollegen den Vortritt lässt. So gibt Drummer Tico Torres einen passablen Tom Waits ab („Only in my dreams“), während Keyboarder David Bryan („Memphis lives in me”) als sehr gutes und Gitarrist Richie Sambora („If I can’t have your love“) eher als durchschnittliches Gesangstalent durchgeht.

Welches Fazit lässt sich nach knapp vier Stunden Ausschussware aus dem Bon Jovi Archiv ziehen? Dass es auch als bekennender Fan dieser Band nicht wirklich Spaß macht, sich durch vier CDs mit mitunter zweitklassigen Kompositionen zu hören? Dass ein paar Live-Songs absolut nicht geschadet hätten? Dass man bei diesem Box-Set absolut nicht erkennen kann, dass diese Gruppe in den 80er Jahren zu den besten Hardrockbands der Welt gehörte? Was geht in den Köpfen der Musiker vor, wenn man nach einem schlappen Live-Album („One Wild Night“, 2001), einem nur zum Teil als gut zu bezeichnenden Studioalbum („Bounce“, 2002) und einer müden Geschichtsaufarbeitung namens „This Left Feels Right“ (2003) jetzt ein Box-Set vorlegt, auf dem all das zu finden ist, was in den vergangenen Jahren nicht zum Album-Track taugte? Verstehen muss man das nicht. Aber der Fan wird es schon kaufen...

Anspieltipps:

  • Open all night
  • Thief of hearts
  • River runs dry
  • The fire inside
  • Last man standing
  • Only in my dreams
  • The radio saved my life tonight
  • Rich man living in a poor man’s house
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