Queensryche - Operation Mindcrime - Cover
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Queensryche Operation Mindcrime


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 68 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Jahr 1988 gilt als eine der Geburtsstunden des progressiven Metals. In diesem denkwürdigen Jahr veröffentlichte eine damals nur im Underground bekannte Band namens Queensryche das bis zum heutigen Tage unübertroffene Konzept-Meisterwerk „Operation: Mindcrime“, welches auch aufgrund seiner immerwährenden thematischen Aktualität kein Stück von seiner Meilensteinhaftigkeit eingebüßt hat.

Die Tragweite des Werkes ging damals so gar so weit, dass das Album über die sonst genreüblichen Fachjournale hinaus auch in anerkannten Feuilletons nicht nur wahrgenommen sondern auch mit Lob überschüttet wurde. Man erkannte, das Heavy Metal auch intelligent sein kann. Der Verdienst des Albums liegt daher unter Anderem auch darin begründet, dass es dem Metal dadurch zum ersten Mal gelang, einen Fuß in die Tür zur profilierteren Musikbranche zu bekommen. Leider konnte die Band an diese außergewöhnliche Leistung nie wieder anschließen, obschon der deutlich zurückhaltender geratene Nachfolger „Empire“ von 1990 kommerziell erfolgreicher und im Grunde das letzte wirklich gute Album der Band war. Danach verschwand die Band in der Versenkung, ist aber bis zum heutigen Tage aktiv. Mit „Operation: Mindcrime II“, der Fortsetzung des Überwerks von 1988, an dem gerade gearbeitet wird, will die Band noch im Winter 2005 ihre alten Glanztaten wiederholen. Hinter dem Erfolg dieses Unterfangens darf allerdings ein großes Fragezeichen gemacht werden. Gewöhnlich treten Wunder nur einmal auf.

Die sozialkritische Geschichte handelt von dem Loser Nikki, der in die Fänge von Dr. X gerät, welcher mit Unterstützung einer Untergrundorganisation einen politischen Umsturz herbeiführen will. Zu diesem Zweck manipuliert er den naiven Nikki und setzt ihn unter Drogen, damit dieser im Auftrag Dr. X’ die politischen und geistigen Eliten der Stadt ermordet. Im Laufe der Zeit lernt Nikki die ehemalige Prostituierte, mittlerweile zur Nonne bekehrte Mary kennen, die sich unter der Obhut Priester Williams befindet, der sie von der Straße holte. Doch wie auch Nikki ist Mary kein Glück im Leben beschieden. So wird sie nicht nur von Pfarrer William ausgenutzt und vergewaltigt, sondern gerät über ihn auch an Dr. X, der Mary auf Nikki ansetzt, damit sie ihm bei der Verarbeitung seiner Taten hilft. Als Mary an Einfluss auf Nikki gewinnt, erkennt Dr. X die Gefahr, die von ihr ausgeht, und will sie umbringen lassen. Mit dieser Tat beauftragt er Nikki, der Zweifel an der Richtigkeit seiner Handlungen bekommt und aufgrund dessen den Spieß umdrehen und Dr. X ermorden will um zusammen mit Mary wieder die Freiheit zu erlangen. Doch jemand kommt diesem Vorhaben zuvor und tötet stattdessen Mary, woraufhin für Nikki, der sich bewusst wird, dass er in Mary verliebt war, eine Welt zusammenbricht. Ziellos und unter Drogen stehend irrt er nachts auf den Straßen umher, bevor er von der Polizei in Gewahrsam genommen wird. Von Gott und der Welt verlassen denkt er noch mal über seine Taten nach, gerät in Panik und fällt ins Delirium. Als Nikki im Krankenhaus wieder erwacht und im Fernsehen einen Bericht über seine Taten sieht, schließt sich mit den abschließenden und einführenden Worten „I remember now“ der Kreis zum Beginn des Albums.

Mir ist kein anderes Werk bekannt, das textliche und musikalische Genialität zu einem derart perfekten homogenen Ganzen verbindet. Die Bilder zur Geschichte werden durch die Musik in Verbindungen mit den Texten und durch Geoff Tates sensationell emotionaler Gesangsleistung tatsächlich lebendig. Hier reiht sich ein Jahrhunderthit an den nächsten. Angefangen von dem mit dem ebenso grandiosen „Anarchy-X“ eingeleiteten „Revolution Calling“, in welchem Dr. X seine radikale Philosophie offenbart und Geoff Tate, der zudem als Hauptsongwriter und Storyerdenker fungierte, sich dementsprechend mit Nachdruck ins Zeug legt; über „Spreading the disease“, das sich mit Sister Marys Lebensgeschichte befasst, bis hin zu „I don’t believe in love“ und „Eyes of a stranger“, die man hemmungslos als perfekte Heavy-Metal-Songs bezeichnen muss. Sämtliche Lieder bestechen durch technische Perfektion, virtuose Instrumentenhandhabung und eine dichte Atmosphäre. Streng genommen ist es daher pure Blasphemie einzelne Songs herauszustellen, da dies diesem Gesamtkunstwerk einfach nicht gerecht werden würde.

„Operation: Mindcrime“ ist ein Meilenstein voller gerechtfertigter Superlative, bis heute das vielleicht beste Heavy-Metal-Album überhaupt und zweifelsfrei DAS definitive Konzeptalbum. Die klanglich überarbeitete Version von 2003 mit zwei dringend empfehlenswerten Live-Fassungen von „The mission“ und „My empty room“ vervollkommnet ein ohnehin unerreichbares Meisterstück der Musikgeschichte. Ein Opus mit nie ablaufender Halbwertszeit, das sich im Prinzip jeder weltlichen Wertungsskala entzieht.

Anspieltipps:

  • Anarchy-X
  • Suite Sister Mary
  • Eyes of a stranger
  • Revolution calling
  • Breaking the silence
  • Operation: mindcrime
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