Bryan Ferry - Dylanesque - Cover
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Bryan Ferry Dylanesque


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Während die Musikwelt weiterhin sehnsüchtig auf die versprochene Rückkehr von „Roxy Music“ wartet, befasst sich Brian Ferry erst einmal mit einem Pausenfüller und veröffentlicht mit „Dylanesque“ eine Hommage an die Werke von Bob Dylan. Ein wenig ist dies auch eine Wiederkehr zu den Anfängen, denn Ferrys Karriere als Solist begann einst mit einer visionären Interpretation von Dylans „A Hard Rains Gonna Fall“. Es folgte die künstlerische Metamorphose einer wilden, schillernden Glamourikone zum einzig wahren Gentleman der Popwelt. Auf „As Time Goes By“ fand diese Entwicklung 1999 ihren vorläufigen Höhepunkt, seine feinfühlige Aufbereitung klassischer Broadwaystücke aus den 30er Jahren war ein Welterfolg und brachte dem gereiften Künstler eine Grammy-Nominierung ein.

Auf ähnlichen Pfaden wandelt nun auch „Dylanesque“, auf dem sich elf - vorwiegend den früheren Alben Dylans entnommene - Titel befinden. Die Klasse von „As Time Goes By“ bleibt jedoch unerreicht, was unter anderem auch in der uninspirierten Instrumentierung begründet liegt. Die obligatorische Mundharmonika spielt Ferry gekonnt selbst und tatsächlich soll Brian Eno einige Streicherelemente beigemischt haben, doch damit wären sämtliche Überraschungen der musikalischen Arrangements auch schon benannt. Verlass hingegen ist auf die Stimme Brian Ferrys, die zunehmend brüchiger und verletzlicher klingt, damit jedoch jene Emotionen zu transportieren vermag, die Dylan in seinen Liedern gern versteckt hielt.

Dies gelingt stellenweise hervorragend (If Not For You, All I Really Want To Do), meist solide (Positively 4th Street, Simple Twist Of Fate, All Along The Watchtower) und zum Teil überhaupt nicht (The Times They Are A Changin, Knockin’ On Heavens Door). Die letztgenannten Titel enttarnt Ferry durch seine wenig originellen und blutleeren Adaptionen als zielgruppenorientierten Kompromiss an jene Konsumenten, die nicht wirklich mit dem Gesamtwerk Dylans vertraut sind und sich schlicht an Neuauflagen vertrauter Melodien erfreuen möchten.

Wirklich zu Eigen macht sich Ferry lediglich das im Original vergleichsweise spröde „Make You Feel My Love“ (entnommen dem 97er Spätwerk „Time Out Of Mind“), welches er mit unnachahmlich schmachtendem Gesang zu einer zeitlosen Ballade intensiviert. Eine Verheißung, die sich so nicht wieder erfüllt, weshalb „Dylanesque“ insgesamt ein Werk darstellt, auf dem ein großartiger Sänger die nicht für ihn verfassten Lieder eines legendären Songwriters nachsingt. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Anspieltipps:

  • Make You Feel My Love
  • All I Really Wanna Do
  • If Not For You
  • Baby Let Me Follow You Down
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