Billy Corgan - The Future Embrace - Cover
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Billy Corgan The Future Embrace


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sound von „The Future Embrace“ klingt, als möchte sich Corgan für eine Neuvertonung von Fritz Langs „Metropolis“ qualifizieren.

Gäbe es eine Top 5 der besten, innovativsten und einflussreichsten Songwriter der 90er Jahre, Billy Corgan wäre ganz vorne und nur ganz knapp hinter dem „bösen N-Wort“, wie Corgan die Band um Kurt Cobain selbst bezeichnet. Denn Corgans damalige Band Smashing Pumpkins veröffentlichten ihr Debütalbum „Gish“ pünktlich zum Grunge-Boom und wurden sofort in einen Topf mit Nirvana, Pearl Jam, Alice In Chains etc geworfen, was natürlich Quatsch war.

Nach ihrem einflussreichen Konzeptalbum „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ verkündete Corgan den Abgesang des Alternative Rock und brachte 1998 mit „Adore“ ein Album mit weniger Gitarre, mehr Rhythmus und noch besserem Songwrting raus. Dieses Konzept findet sich jetzt auf seinem ersten Soloalbum „The Future Embrace“ wieder. Sowohl die letzten Alben der Kürbisse, „Machina / The Machines Of God“ und „Machina II / The Friends & Enemies Of Modern Music“, als auch Billys Formation Zwan standen für überdrehten Rock, der zwar die ersten Anzeichen für das 2005 erschienene Album aufleuchten ließ, aber manchmal einfach zu banal erschien. Aus dem Ende von Zwan und den Pumpkins hat Corgan gelernt, dass er zu sehr Egomane ist, als dass er noch in einer Band spielen könnte. Das Ergebnis daraus ist nun „The Future Embrace“, der erneute Abgesang des Rock und eine diktatorische Einzelleistung.

Auf Gäste hat Corgan zunächst verzichtet. Nur Robert Smith singt mit ihm den Bee-Gees-Klassiker „To love somebody“, einer der wohl meistgecoverten Songs der Welt und zudem eine sehr schöne Variante. Aber auch Songs wie der Opener „All things change“, „The camera eye“ und „Pretty, pretty star“ sind der Beweis für Corgans musikalische Kompetenz. Dabei hat er zum ersten Mal den Schlagzeuger durch eine Drummaschine ersetzt, was zu einer sehr monotonen, brachialen Klangfarbe führt. Nur auf „DIA“ durfte Ex-Smashing-Pumpkins und Zwan-Drummer Jimmy Chamberlain trommeln. Aber auch hier ist die Klangfarbe wie die des restlichen Albums.

Der Sound von „The Future Embrace“ klingt, als möchte sich Corgan für eine Neuvertonung von Fritz Langs „Metropolis“ qualifizieren. Sein düsterer Mix aus Rhythmusmaschine, Synthesizer, elektronischen Elementen und Corgans bekannter Souveränität ist derzeit nahezu einmalig. Dazu kommen die gewohnt hervorragenden Texte: „I’m out walking shade / to brush theses fires aside / to calm the rising fight / to built you a new life“ singt er in der Single „Walking shade“ und wäre es mehr Rock und weniger Elektronik, wäre es auch sehr erfolgreich.

„The Future Embrace“ ist auch nicht das erhoffte Album, das alle Fans miteinander versöhnt. Pumpkins-Fans werden den Rock, die Leidenschaft und ein ausgiebiges und rezitierendes Ensemble vermissen und Zwan-Fans werden sowieso keinen einzigen Ansatzpunkt auf dem Album finden. Dabei hat Corgan ein wirklich gutes Album geschaffen, denn alle 12 Songs sind hervorragende und zu Ende gedachte Songs. Er hat endlich eine Form gefunden, in der er intim über sich und seine Sehnsucht reden kann. Das Problem, das das Soloalbum hat, wird einem jedoch schon wenigen Sekunden bewusst: Der Sound ist sehr gewöhnungsbedürftig. Selbst geschulte Ohren brauchen mindestens drei Anläufe, bis sie das Werk zu schätzen wissen. Deshalb steht fest: „The Future Embrace“ braucht Zeit. Die Frage ist, haben wir diese, nachdem wir so lange auf das Album gewartet haben?

Anspieltipps:

  • I’m ready
  • Walking shade
  • The camera eye
  • All things change
  • To love somebody
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