Fiona Apple - Extraordinary Machine - Cover
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Fiona Apple Extraordinary Machine


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

SonyBMG Music Entertainment ist stolz, das langerwartete neue Album „Extraordinary Machine“ von Fiona Apple am 7. Oktober 2005 zu veröffentlichen. Ach Gott, wie freundlich!

Es ist eine der größten Possen in der Geschichte der Popmusik: Hoffnungsvolle Nachwuchskünstlerin, einen Grammy und zwei Platin-Alben im Rücken, liefert bei ihrer Plattenfirma ein neues Album ab. Diese befindet es als kommerziell nicht verwertbar und lässt es im Tresor verschwinden. Die Künstlerin schmollt. Die Fans fragen sich was los ist, da tauchen (zufällig?) einige Songs des abgelehnten Albums im Internet auf. Es entsteht ein Kult sondergleichen. Die Fans gehen auf die Barrikaden und fordern die Veröffentlichung des Werkes und als keiner mehr daran glaubt, geht aus heiterem Himmel eine Pressemeldung um die Welt: SonyBMG Music Entertainment ist stolz, das langerwartete neue Album „Extraordinary Machine“ von Fiona Apple am 7. Oktober 2005 zu veröffentlichen. Ach Gott, wie freundlich!

2½ Jahre haben die Verantwortlichen von SonyBMG die New Yorker Songschreiberin am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Unglaubliche sechs Jahre sind seit dem letzten Album „When The Pawn“ ins Land gegangen und dann tun man bei SonyBMG nicht nur so, als wäre nie etwas gewesen, nein, man schiebt das Dilemma auch noch auf die Künstlerin, die mit dem ursprünglichen Material nie richtig glücklich gewesen sei und deshalb solange brauchte. Doch hört man sich einige der von Jon Brion produzierten Songs im Internet an, klingt das wie purer Hohn. Dennoch musste das Album auf Wunsch des Labels neu eingespielt werden. Und diesmal waren Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem, 50 Cent, Gwen Stefani) und Brian Kehew (Eels, Air, Beck) am Mischpult tätig. Diese konnten den 12 Stücken zwar auch keinen Deut mehr an Kommerzialität entlocken, aber zumindest ist der Sound nun schön glattpoliert und mit einigen mehr oder weniger überflüssigen Klangspielereien angereichert.

Zum Glück klingt alles auf „Extraordinary Machine“ eindeutig nach Fiona Apple. Ihre tiefe Stimme hat immer noch dieses sexy Vibrieren, Piano, Bläser und Gitarren poltern herrlich schräg, als wären sie einer Tom-Waits-Platte entliehen („Tymps: the sick in the head song“) und die Texte sind alles andere als fröhlich, auch wenn das große Leiden und die pure Verzweiflung vorbei zu sein scheinen. Klingt der Titeltrack dabei noch wie eine abgefahrene Sorte von Kammermusik, geht das bedrohlich pumpende „Get him back“ und das dissonant scharrende „O’ sailor“ in Richtung einer Tori Amos, aber mit wesentlich mehr Schärfe in Text und Instrumentierung.

Dessen ungeachtet bleibt aber festzuhalten, dass viele Songs in den neuen Versionen etwas an Biss verloren haben. Ausgleichsweise gibt es ein paar fette Beats aus der Braustube des Herrn Elizondo. So richtig im Sinn des Erfinders kann das nicht sein. Aber dem Ärger über diese „Verunstaltungen“ überwiegt die Freude über die späte „offizielle“ Geburt dieses bereits verschollen geglaubten Werkes. Ein Dank an SonyBMG – oder etwa nicht?!

Anspieltipps:

  • Oh well
  • Wondow
  • Red red red
  • Please please please
  • Better version of me
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