Bloodhound Gang - Hefty Fine - Cover
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Bloodhound Gang Hefty Fine


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Für die einen ist es eine Geschmacklosigkeit sondergleichen, für die anderen schon jetzt das Plattencover des Jahres. Es geht – natürlich – um „Hefty Fine“ der allseits gefürchteten Bloodhound Gang. Provokanter, als mit diesem Paukenschlag am Rande des guten Geschmacks, konnte sich die Spaß-Truppe wirklich nicht zurückmelden.

Nötig gewesen wäre das erneute Kokketieren mit den ordinären Dingen des Lebens allerdings nicht. Denn obwohl es im Music Biz eine Todsünde ist, über einen Zeitraum von fünf Jahren abzutauchen und dabei zu riskieren, dass das Interesse der Fans geringer wird, mussten sich Jimmy Pop, DJ Q-Ball, Evil Jared Hasselhoff, Lüpüs Thunder und Willie the new Guy nie echte Sorgen um abwandernde Fans machen, die man mühsam zurückgewinnen muss. Ganz im Gegenteil: Schon lange wurde ein Album nicht mehr so sehnsüchtig erwartet, wie „Hefty Fine“. Pubertär anmutende Jungenstreiche erscheinen deshalb überflüssig, gehören bei der Bloodhound Gang aber seit jeher zur Grundausstattung.

Den Luxus von vier Jahren Pause können sich nur echte Stars erlauben, zu denen man die sympathischen (abartigen?) Bekloppten der Bloodhound Gang inzwischen zählen muss. Grund dafür sind herrlich idiotische Singles der Marke „The bad touch“ mit unvergesslichen Refrains („You and me baby ain't nothing but mammals, so let's do it like they do on the Discovery Channel”) und unschlagbarem Mitgrölfaktor. Dies sorgte für weltweit sechs Millionen verkaufte Exemplare ihres letzten Albums „Hooray For Boobies“ (1999), wovon allein eine Million (!) in Deutschland über die Ladentheke gingen.

Kein Wunder, dass einige hunderttausend Kids wegen „Hefty Fine“ nervös mit den Hufen Scharen, erhoffen sie sich doch wieder eine ganze (ähem) Latte an Hits. Leider kann die Bloodhound diesen Wunsch nicht erfüllen. Trotz eines gelungenen Singlehits („Foxtrot Uniform Charlie Kilo“) und prominenter Star-Unterstützung (Ville Valo von HIM), enttäuschen die meisten der neun Songs (ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass sich die Band immerhin fünf Jahre Zeit gelassen hat) auf ganzer Linie. Ein „Parental Advisory: Explicit Content“-Sticker für die sau-dämlichen kann es nämlich nicht alleine richten.

So ist bereits der Opener „Balls out“ ein Nichts von einem Song, der nur durch den schweinischen Text wahrgenommen wird. Basierend auf tanzbarem Elektro-Geboller, wird der Hörer mit der Endlosschleife eines sogenannten Gitarrenriffs primitivster Nu-Rock-Herkunft eingeschläfert. Ebenso schwachsinnig ist die zweite Singleauskopplung mit dem bezeichnenden Titel „Uhn tiss uhn tiss uhn tiss“. Hier werden einfach nur billigste Euro-Dance-Beats ohne Sinn und Verstand mit einem nicht jugendfreien verquirlt. Das schöne Intro von „I’m the least you could do“ erinnert mit seinen Pianoklängen und der Spieluhrenmelodie an die Kollegen von HIM. Dabei ist Ville Valo noch gar nicht dran. Dieser stößt erst später beim Pseudo-Gothic-Track „Something diabolical“ dazu. Doch kaum ist das Intro von „I’m the least you could do“ verklungen, überfallen den Hörer wieder übelste Dance-Beats, eine ultraschwache Melodie und die immergleichen Gitarrenriffs.

Auch nicht besser wird es bei „Farting with a walkman on“, obwohl hier mal der Ansatz einer echten Melodie zu bestaunen ist. Danach geht es erschreckend bieder weiter, bis das Album irgendwann trostlos austrudelt, nachdem man vergeblich auf einen Hidden Track gewartet hat. Sehr witzig! Liebe Leute, das kann nicht euer Ernst sein! Ein Album nach fünf Jahren Wartezeit, bei dem noch nicht mal 40 Minuten Spielzeit zustande kommen und das dann dermaßen mit minderwertigem Füllmaterial wuchert, kann nur als Frechheit und kreativer Offenbarungseid bezeichnet werden.

Wo Alben wie „Hooray For Boobies“ und „One Fierce Beer Coaster“ vor Spielwitz und Ideen sprühten, langweilt, nein, verärgert „Hefty Fine“ seine Hörer mit unglaublich schwachen Songs und witzlosen Lyrics. Deshalb hat die – auch vom Autor – unerwartet schwache Wertung nichts mit einem fehlenden Sinn für Humor, sondern mit einem verletzten Empfinden für „gute Musik“ zu tun. Denn so geht’s wirklich nicht!

Anspieltipps:

  • Pennsylvania
  • Farting with a walkman on
  • Foxtrot Uniform Charlie Kilo
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