Garbage - Bleed Like Me - Cover
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Garbage Bleed Like Me


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Dave Grohl am Schlagzeug. Den Braten fett macht jedoch auch das nicht.

Erinnert sich noch jemand an Garbage? An Songs wie „Only happy when it rains“, „Androgyny” oder den James-Bond-Soundtrack „The World Is Not Enough“? Lange Zeit war es sehr, sehr ruhig um die Band von Ex-Nirvana-Produzent Butch Vig. Wer sich in den letzten Jahren von Zeit zu Zeit auf eine der diversen Fansites im Internet verirrt hatte, sah die Hoffnungen auf ein neues Album der Band immer mehr schwinden: Von einer Zyste auf den Stimmbändern von Sängerin Shirley Manson konnte man da lesen, und einer Hepatitis-C, die man bei Butch Vig diagnostizierte habe. Überhaupt: musikalische Differenzen hätten die Bandmitglieder mittlerweile so weit auseinander getrieben, dass an ein gemeinsames Album nun nicht mehr zu denken sei. Mittlerweile hat die Band alle Gerüchte zwar rückwirkend bestätigt, gleichzeitig aber Krankheiten und Streit für überwunden erklärt. Der Beweis dafür steht nun auf CD gepresst in den Regalen: „Bleed Like Me“ ist der Titel des neuen Albums von Garbage.

Als hätte es den Glamour-Pop-Ausflug auf dem Vorgänger „Beautiful Garbage“ von 2001 nicht gegeben, legen Garbage mit „Bleed Like Me“ nun ein erstaunlich konventionell produziertes Rock-Album vor. Jede Menge fette Gitarren finden sich darauf, dazu Shirley Mansons wunderbar verruchte Stimme, die sich offensichtlich sehr gut von der Stimmband-Operation erholt hat. Und doch ist „Bleed Like Me“ das langweiligste Garbage-Album bisher geworden. Bereits die erste Single „Why do you love me?“ könnte – bis auf ein Interlude, das zumindest einen Hauch der Garbage-typischen überraschenden Brechungen in sich trägt – genauso gut von einer Kommerz-Rockröhre wie Pink stammen. Unverschnörkelt-eingängige Pop-Melodien, übersteuerte, punkig hingerotzte Gitarren und Songstrukturen, die weder Ecken noch Kanten aufweisen – „Bleed Like Me“ treibt mitten im Meer des gefälligen Mainstream-Rock.

Dabei waren Garbage einst so erfrischend anders gewesen. Als Alternative-Band ganz ohne Schweiß- und Bier-Geruch, mit intelligentem Songwriting, einer Menge elektronischer Spielereien und ungewöhnlichen, oft melancholischen Melodien, enterte das Quartett im Sommer 1996 Europas Festival-Bühnen. Und alle sprachen von dieser Stimme: tief und erotisch, lasziv und trotzig. Shirley Manson, das rothaarige Schneewittchen zwischen den drei hässlichen Zwergen Steve Marker, Duke Erikson an den Gitarren und Butch Vig am Schlagzeug. Immer stand die schottische Schönheit im Mittelpunkt des Interesses. Und je mehr sie ihre Minderwertigkeitsgefühle und den Selbsthass in Songs und Interviews artikulierte, desto mehr wurde sie von ihren Fans geliebt. Mansons oft kryptisch-surrealer Lyric-Stil veredelte neben dem selbst betitelten Debütalbum, auch das 1998 erschienene und wohl stärkste Album der Band „Version 2.0“.

Bei aller Kritik am aktuellen Album: ein paar richtig gute Songs hat „Bleed Like Me“ dann doch zu bieten: das hymnische Titelstück etwa – ein universeller Ruf nach mehr Menschlichkeit und Toleranz. Oder die Ballade „It’s all over but the crying“. Nicht auf der CD zu finden ist dagegen Shirley Mansons Duett mit Namensvetter Marylin Manson, für das sich die beiden im letzten Jahr in ein Studio einmieteten und das nun keiner von beiden auf seinem aktuellen Album veröffentlicht sehen will. Statt des Schock-Rockers kann man im Eröffnungstrack von „Bleed Like Me“ – dem brachialen „Bad boyfriend“ – Dave Grohl das Schlagzeug klopfen hören. Den Braten fett macht jedoch auch das nicht.

Anspieltipps:

  • Bleed like me
  • Bad Boyfriend
  • Run Baby Run
  • It’s all over but the crying
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