Collective Soul - Youth - Cover
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Collective Soul Youth


  • Label: EL Music Group
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem Collective Soul für mehr als vier Jahre abgetaucht waren, meldet sich die zu den erfolgreichsten Rockacts der 90er Jahre zählende Band mit neuem Album und neuem Gitarristen zurück. Normalerweise bedeutet eine so extrem lange Auszeit den kommerziellen Tod, doch Collective Soul haben ganz bewusst einen Wechsel vollzogen und sich vom Majorlabel Atlantic Records getrennt, um wieder bei null anzufangen. Auf dem eigenen Label EL Music Group können sich Ed Roland (Vocals, Keyboards), Dean Roland (Gitarre), Will Turpin (Bass), Shane Evans (Drums) und Newcomer Joel Kosche (Gitarre) nun austoben wie sie wollen, ohne auf irgendwelche ahnungslose Anzugträger Rücksicht nehmen zu müssen.

Im Zuge der Grunge-Welle entwickelten sich aus vielen kleinen Kellerbands veritable Hitparadenstürmer, weil sie auf weniger extreme Gitarrensounds setzten, aber trotzdem die Fahne des Rock hochhielten. Der sogenannte Alternative bzw. College Rock war geboren und Gruppen wie z.B. die Gin Blossoms, Soul Asylum, Seven Mary Three und eben Collective Soul stiegen ab Mitte der 90er Jahre zu absoluten Topstars in den USA auf. Collective Soul debütierten 1993 mit dem Album „Hints, Allegations And Things Left Unsaid”, das für die Jungs aus Stockbridge, Georgia der Anfang von 19 Singles innerhalb von sieben Jahren in den Billboard Charts war. Sie veröffentlichten insgesamt fünf Alben, auf denen sich Hits wie „Shine“, „Gel“, „The world I know“, „Blame“, „December“ und „Precious declaration“ befanden. Diese wurden 2001 auf dem „Best Of“-Album „7even Year Itch: Greatest Hits 1994 – 2001” zusammengefasst, das auch das finale Werk für Atlantic Records war. Danach machte die Band auf Familie: Heirat, Kinder, Scheidung – das volle Programm, das zum Erwachsenwerden dazugehört.

Nach so vielen Jahren Sendepause wird es wirklich Zeit für ein neues Album, schließlich erfreut sich die Band auch weiterhin einer großen Fangemeinde. Allerdings gibt es auch nicht wenige Neider, die dem Südstaaten-Fünfer noch immer den Hang zu soften Rocksongs und allzu poppigen Melodien nachtragen. Und um es gleich vorweg zu sagen: Collective Soul beherrschen es noch immer, einen sehr eingängigen, relativ rockigen Sound zu kreieren, wie schon der mit Saxophonklängen angereicherte Opener „Better now“ zeigt. Allerdings gehört dieses kleine Bläserintermezzo bereits zum Exotischsten auf „Youth“, denn in der Folgezeit variiert die Band ihren Sound nur noch marginal. Die meisten der elf Songs bewegen sich im entspannten Midtempo-Bereich, ohne große Auffälligkeiten zu entwickeln. Dazu haben Drums und Gitarren mitunter einen etwas synthetischen Klang, was besonders bei härteren Stücken wie „Feels like (it feels alright)“, „General attitude“ und „Counting the days“ herauszuhören ist. Andererseits zählt dieser (wie Spötter behaupten) Plastiksound zu den Markenzeichen von Collective Soul. Take it or leave it – das alte Problem. Die einen lieben diesen speziellen Klang, andere laufen schreiend davon. Aber wer kann (und will) es schon allen recht machen?

Die große Stärke von Hauptsongwriter Ed Roland sind ans Herz gehende Halbballaden („Satellite“, „How do you love“, „Perfect to stay“) und feine Stadionhymnen in bester „Bon Jovi“-Manier („Under heaven’s skies“). Die Frage ist nur: Will das heute noch jemand hören? Tatsächlich wirkt das kompositorische Klangbild von „Youth“ etwas altbacken und wenig aufregend. Die Mittdreißiger haben zwar nicht vergessen wie man gepflegt abrockt, lassen es auf ihrem sechsten Studioalbum aber überwiegend gesetzt und ruhig angehen. Einen echten Übersong gibt es deshalb ebenso wenig wie einen Totalausfall zu vermelden. „Youth“ bietet unterm Strich gehobenen Durchschnitt, der es nicht vermag, dieselben Gefühle wie anno 1993 zu transportieren, als Collective Soul noch jung und hungrig waren.

Anspieltipps:

  • Home
  • Satellite
  • How do you love
  • Under heaven’s skies
  • Feels like (it feels alright)
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