The Electric Soft Parade - The American Adventure - Cover
Große Ansicht

The Electric Soft Parade The American Adventure


  • Label: Arista/BMG
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Man mag dieses Wort einfach nicht mehr in den Mund nehmen. Ein Wort, das ein Genre umschreiben soll, das in den Neunziger Jahren und eigentlich auch noch in den frühen - ähm - 00'ern für jugendlichen Elan gepaart mit Arroganz und ganz ganz viel Pop im Rock stand. Und von der britischen Insel kam. Britpop. Und was "The Electric Soft Parade", die Brüder Alex (21) und Tom White (19) hier auf ihrem Zweitling "The American Adventure" anstellen, hat eigentlich alles: Elan, typisch britische Melancholie gepaart mit exzellentem Melodieverständis und viel, viel Pop. Anspruchsvoller Pop zwar, aber eben doch in jeder Sekunde durch und durch britisch. Aber man will ja nicht ein Revival ausrufen, das niemand braucht.

Dafür ist die Musik der Gebrüder White einfach zu eigenständig. Sicher, die Stimme klingt melancholisch, ist aber eigenständig und in ihrer zarten Schwermut doch überaus einmalig. Dazu Songs wie aus Honig: Schon der durchaus rockige Opener vereint in raffinierter Art und Weise Pop und Rock, indem er diese typischen Oasis-Gitarren mit einem zarten Stimmchen in einer wunderbaren Gesangslinie kontrastiert. Oder dann "Bruxellisation", dieses sehr verträumt-melancholische vor sich hinplätschernde Kleinod, das tief berührt. "Lights Out" packt dann wieder die Beatles-Wunderkiste aus: Hektische Piano-Linie, Handclaps, eingängiger Refrain, alles da. Ein durch und durch hervorragender Song.

"Wrongest Thing In Town" läutet einen etwas weniger straighten Mittelteil ein, der etwas Zeit zum Wachsen braucht. Hier erinnern die Brüder an Bands wie "Grandaddy" und verpacken vor allem im Titelsong zahlreiche Songideen in ein packendes Epos, das sich mehr und mehr steigert. Überhaupt kommen die Songs insgesamt noch um einiges anspruchsvoller und verdrehter daher als noch auf dem hin und wieder einfach nur dem Schönklang zugewandten Erstling "Holes In The Wall". Das ist nicht unbedingt negativ zu sehen, sondern steht symbolhaft für die erfreuliche Weiterentwicklung der White-Brüder.

Der Abschluss ist wieder eine Spur verträumter und auch weniger vertrackt. "Chaos" beispielsweise lädt ganz vorzüglich zum Tagtraum ein, bevor mit "Existing" ein sehr würdiger Abschluss gefunden wird. Das geschieht zwar schon nach 9 Songs, eigentlich ein unüblicher Handgriff im Pop, aber insgesamt ist "The American Adventure" dergestalt in sich geschlossen, das der Griff zur Repeat-Tast ohnehin nur noch Formsache ist. Ein anspruchsvolles Pop-Album ist das geworden, mit allen Zutaten des Brit-Pop gewürzt und doch sehr eigenständig. Überaus empfehlenswert, das steht mal fest.

Neue Kritiken im Genre „BritPop“
8/10

Urban Hymns (20th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „The Electric Soft Parade“
comments powered by Disqus