D12 - D12 World - Cover
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D12 D12 World


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 79 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem sich D12 in „My band“ darüber beschweren - wenn auch ironisch - dass alle nur Eminem kennen und bevorzugt behandeln, dagegen alle anderen Mitglieder unbeachtet bleiben und Eminem himself im Chorus singt „These chicks don't even know the name of my band, but they're all on me, like they wanna hold hands, cuz once I blow the know that I'll be the man, all because I'm the lead-singer of my band“, wäre es nun an Zeit, die fünf weiteren Herren von D12 (The Dirty Dozen) näher vorzustellen, die sich, obwohl nur zu sechst, deshalb „dreckiges Dutzend“ nennen, weil jeder von ihnen eine zweite Persönlichkeit, sozusagen ein „zweites Ich“ inne hat. Neben Superstar Eminem, mit seiner zweiten und fieseren Persönlichkeit Slim Shady, gäbe es da noch MC und Produzent Kon Artis (bürgerlicher Name: Denine Porter) aka Mr. Denine Porter, Bizarre (bürgerlicher Name: Rufus Johnson) aka Peter S. Bizarre, Proof (bürgerlicher Name: DeShaun Holton) aka Derty Harry, Swift (bürgerlicher Name: O. Moore) aka Swifty McVay und Kuniva (bürgerlicher Name: Von Carlisle) aka Rondell Beene zu erwähnen. Von den genannten Mitgliedern sind wohl Kon Artis, der unter anderem für G-Unit produzierte und Proof, der Eminem häufig bei seinen Live-Auftritten unterstütze, wohl noch die bekanntesten nach Eminem. Proof machte mit Eminem in Detroit bei einem Freestyle-Battle zuerst negative, anschließend dann aber doch noch positive Bekanntschaft, was dann letztlich den Anstoss für die Gründung von D12 gab. Bizarre dagegen sticht nicht nur wegen seiner Vorliebe für seltsame Kopfbedeckungen, sondern auch aufgrund seiner Körperfülle aus der Rap-Gruppe heraus. Nun verwunderlich ist es nicht, dass sich alles auf Eminem fixiert, schließlich war er der erste, der den Durchbruch im Musikbiz schaffte und dann erst die anderen Mitglieder mit ins Boot holte.

Nach dem erfolgreichen Debütalbum „Devil's Night“ versuchen die Jungs also mit ihrem zweiten Werk „D12 World“ einen mindestens genauso großen Erfolg zu landen. Produktionshilfen erhielten Sie dabei u.a. von Hi-Tek, Red Spyda, dem erfahrenen Dr. Dre und dem Shootingstar und derzeit unverzichtbaren Kanye West, der momentan auf vielen Songs entweder als Produzent oder als Gastrapper gefeatured wird. Der Opener „Git up“ verspricht jedoch nichts Gutes, da er zu den schwächsten Tracks des Albums gehört. Mit dem eher nervigen Synthesizer-Bass-Beat hat Eminem keine gute Wahl getroffen, da der hämmernde Sound etwas nervt. Auf „Loyality“ rappt D12 mit Unterstützung von Shady-Records-Mitglied Obie Trice aggressiv über Loyalität gegenüber der eigenen Crew auf ziemlich einfachem Synthesizer-Beat. Mit „Just like u“ folgt ein Solo von Bizarre, der lediglich beim Refrain ein paar Kindern den Vortritt lässt. Es handelt sich dabei um einen etwas langsameren Song, der was die Raps angeht ganz gut von Bizarre umgesetzt wird, aber als Ganzes nicht besonders herausragt und auch mit den mit Trommelsamples ausgestattetem Beat nicht überzeugt. Vom Konzept her vergleichbar mit „I can“ von Nas, auch wenn dieser einen „kindergerechten“ und radiofreundlichen Text rappte. Der entspannte Song „I'll be damned“ ist ebenfalls von der langsameren Sorte, kann aber auch nicht besonders überzeugen. Mit „Dude (skit)“ wird dann die erste Single „My band“ eingeleitet. Wie alle bisherigen ersten Singleauskopplungen aus einem Eminem oder D12-Album wurde auch für „My band“ ein humorreicher Text ausgewählt, was auch im Video von Anfang bis Ende umgesetzt wurde. Da wäre zum einen das übertriebene Stargehabe von Eminem, welches einer Diva gleichzusetzen ist oder der Konzertauftritt mit dem Eminem-Solo „All the chicks start yellin, all the hot babes throw their bras and panties on stage“ und sich die weiblichen Fans gleichzeitig ihrer Unterwäsche entledigen.

Zu den witzigsten Szenen des Videos gehört der Auftritt von Bizarre, der kopfunter und an einer Wand hängend (50 Cent-Parodie aus dem „In da club“-Video) den Text rappt „God damnit I'm sick of this group, time for me to go solo and make some loop“ und dabei das ganze Körperfett nach unten hängt. Danach zeigt sein Personaltrainer, der mindestens den gleichen Körperumfang hat, mit einem Zeigestock auf ein 50-Cent-Poster , um zu beweisen, wie ein echter Star auszuschauen hat: „50 told me to do sit-ups to get buff, did two and a half and then I couldn't get up, fuck D12, I'm outta this band“. Auch die Tanzeinlage im Stile einer Boyband wurde ganz witzig inszeniert, wobei man zumindest auf der Albumversion von „My band“ den Gesang zu dieser Tanzeinlage, genauso wie die Lacher gegen Ende des Videos hätte entfernen können, um den Song wie sonst für eine Single üblich auf das Wichtigste zu beschränken. Da ist es auch nicht weiter überraschend, dass die Salsa-Einlage von Eminem ganz am Ende von „My band“, ebenfalls nicht aus dem Song herausgeschnitten wurde.

Danach folgen das funkige „U r the one“ und drei etwas mittelmäßige Tracks. So stellt „6 in the morning“ einen schwächeren Verschnitt von „8 mile“ (aus dem „8 Mile“-Soundtrack) dar, die anderen beiden Songs („How come“ und „Leave dat boy alone“) hören sich etwas lustlos an. Lobenswerterweise gilt zu erwähnen, dass D12 mit den Lyrics zu „How come“ versuchen, einen Streit mit einem früheren Freund zu entschärfen, womit eigentlich nur ihr Ex-Homie Royce da 5'9'' aus Detroit gemeint sein kann. Nachdem „Steve's coffee house (skit)“, in dem Steve King eine nicht ernstgemeinte eigene Version von „Kumba ya my lord“ und dem D12-Hit „Purple Pills“ darbietet, folgen die definitiv stärksten Stücke des Albums. So gehören „40 oz.“, „American psycho II“ und „Good die young“ zu den großen Highlights. Die zweite Single, der Club-Banger „40 oz.“, ist eine Anlehnung an die amerikanische 1-Liter-Bierflasche, vielen bestimmt aus einigen afroamerikanischen Filmen bekannt. Produziert wurde das ganze von den Trackboyz, was auch sehr „crunkig“ abgeht wie sonst eigentlich nur von Lil-Jon-Beats gewohnt. Aber auch die D12-Mitglieder überzeugen mit sehr energiereichen Raps, wobei die Energie hauptsächlich durch den schreienden Refrain weitergeleitet wird.

Mit „American psycho II“ ging man auf Nummer sicher und holte sich für den Sound Unterstützung von Dr. Dre, der erneut einen einwandfreien Beat mit lockeren Gitarrenriffs ablieferte. Für den chilligen Refrain engagierte man Cypress-Hill-Mitglied B-Real, der zu einer Spitzenleistung aufläuft. Mit Rapper Bugz verlor man im Jahre 1999 ein ehemaliges D12-Crew-Mitglied, der auf seinen eigenen Wunsch dann von Swift ersetzt wurde. Im zuliebe wurde ein Freestyle auf das Album gepackt, welchen man „Bugz 97 (skit)“ nannte, der zugleich seinen Tribut-Song „The good die young“ einleitet. Natürlich handelt es sich bei „The good die young“ nicht um einen Party-Song, sondern um ein ruhiges und sentimental stimmendes Stück, das dadurch sehr überzeugend wirkt. Der Shootingstar Kanye West saß für den Titeltrack „D-12 world“ hinter dem Mischpult. Kanye West glänzt sonst immer mit seinem guten Gespür für den Einsatz von Samples, setzte bei „D-12 world“ davon allerdings wenig ein, denn außer ein Instrumental-Violinensample wurde dieses mal auf Vocal-Samples verzichtet. Dennoch sorgt er damit für etwas Abwechslung. Der Bonus-Track „Keep talkin“, mit einer kleinen Anspielung in Richtung der Rapfeinde Ja Rule und Benzino, schließt das Album dann auch ab.

Man setzte wie mittlerweile bei Shady-Records üblich, viele Gunclap-Samples ein, was nicht mehr wirklich innovativ ist, da 50 Cent schon viel damit arbeitet und wahrscheinlich vielmehr die Gangsta-Attitude im Rapbiz unterstreichen soll. Mit 21 Stücken, inklusive den vier Skits, wird dem Hörer sehr viel an Material geboten, wobei man von durchschnittlichen bis sehr guten Songs alles auf dem Album findet. Eminem war mit sechs Produktionen am Album beteiligt, kann damit aber nur selten überzeugen. Er hat gewiss schon bessere Leistungen abgeliefert. Auch Kanye West bleibt überraschenderweise etwas unter seinen Möglichkeiten, kann aber trotzdem überzeugen. Die Weltherrschaft des HipHops werden D12 mit dieser CD sicherlich nicht an sich reißen. Doch dank des Ohrwurms „My band“ und dem lustigen Video dazu werden sie dennoch einen großen Erfolg verbuchen können.

Anspieltipps:

  • 40 oz.
  • D-12 world
  • American psycho II
  • Good die young
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