Isis - Panopticon - Cover
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Isis Panopticon


  • Label: Ipecac/EFA
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht einmal ein Jahr ist seit der Veröffentlichung des mehr als gelungenen Vorgängers „Oceanic“ vergangen. Sind die Herren Turner (Gesang, Gitarre), Gallagher (Gitarre), Harris (Drums), Caxide (Bass) und Meyer (Keyboards/Sampler) es nicht ein wenig zu hektisch angegangen. Versucht man hier etwa den guten Ruf so schnell wie möglich ummünzen zu können. Eigentlich undenkbar bei den Hardcore-Doom-Noise-Rockern aus Boston, aber besser erstmal reinhören. Zwei Aspekte, die auch bei den Vorgängern von Wichtigkeit waren, sollten beachtet werden. Erstens ist Musik von Isis trotz ihrer Lautstärke mit die letzte, die man einfach mal nebenher anhören sollte und zweitens spalten die härteren Riffs noch immer Hörergemeinschaften. Die einen lieben es, die anderen weniger.

Die soundgewaltige Eröffnung „So Did We“ begrüßt den Hörer auch gleich im härtesten Gewand, zeigt aber noch beim ersten Hören sofort seine sanften Seiten. Symbiose aus bombastischen Riffs und melodischen, nie langweilig unterlegten ‚Strophen’ sind vorhanden. Das Grundgerüst der sphärischen Musik der Amerikaner ist also wieder vorhanden. Bei einer Platte wie „Oceanic“ kann sowieso nicht erwartet werden, dass „Panopticon“ das Rad noch einmal neu erfindet. Irgendwann ist so ein Rad ja auch mal rund genug. Versinkt „So Did We“ noch ein bisschen zu sehr in sich selbst schafft es der zweite Track „Backlit“ perfekt Abwechslung und Innovation zu bieten. Hier beschreitet man endlich wieder den Konzept mäßigen Pfad und hat nie das Gefühl an eine Stelle zu gelangen an der man vorher schon war. Der Song geht immer nach vorne und schaut nicht zurück. Klasse. Das darauf folgende „In Fiction“ muss sich den leisen Vorwurf gefallen lassen ein knapp neunminütiges Outro des Vorstücks zu sein. Der Song baut sich im einzelnen einfach zu langsam auf. Im Gesamtbild passt diese Riffdurststrecke vielleicht genau, aber allein stehend irritiert der Song. Aber es ist ja auch nun mal ein Konzeptalbum. Nach gut fünfeinhalb Minuten bekommt man dann auch wieder einen Gitarrenriff vom Feinsten, der das lange warten vergessen lässt. Wie der Opener ist der Song allerdingsweniger komplex.

Man kann „Wills Dissolve“ schon beinahe den beginn der zweiten Hälfte nennen. Besonders, weil es wiederum als Bruder seines Vorgängers daherkommt. Die Struktur erinnert arg an ihn, auch wenn der Song seine ganz eigene Note vorweisen kann. Am Ende ist aber festzuhalten: Viel Ruhe, viele Riffs. Gut, aber schon gehört. Noch dazu auf derselben LP. Eigentlich beginnt bis auf den Opener jeder Song ruhig, was „Syndic Calls“ noch einmal bestätigt. Diese sind letztendlich nötig, da selbst dem noch so harten Hörer irgendwann die Ohren abfallen würden. Nur lassen sich so nun einmal wenig Überraschungen in so ein Album einbauen. Die Lieder leben von ihrer Atmosphäre, welche zwar immer phantastisch, aber nie wirklich vom vorigen Lied zu unterscheiden ist.

Genau wenn man so etwas denkt wird man (glücklicherweise) kalt erwischt. „Altered Course“ schafft es mit mehr Samplern und Keyboardklängen und ganz besonders dem Schlagzeug an Tiefe zu gewinnen. Die Gitarren kommen im Vergleich recht kurz, aber ihr Auftritt ist gewohnt stark. Das progressive „Grinning Mouths“ lässt dann noch mehr Experimente an den Saiteninstrumenten zu, als die vorigen Stücke und rundet das, zwischenzeitlich zu vorhersehbare Album, noch einmal gut ab. Insgesamt verrennen Isis sich zu sehr in systematischen Gedanken innerhalb ihrer Songs. Mag das Gesamtwerk „Panopticon“ wieder sehr gelungen sein, würden die einsame Songs ohne das dazugehörige Kollektiv schnell an Begeisterungsfähigkeit verlieren. Eine musikalische Traumreise vor bombastischer Kulisse wurde geschaffen, aber es wird geraten keinen Zwischenstopp einzulegen.

Anspieltipps:

  • Backlit
  • Altered Course
  • Grinning Mouths
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