The Strokes - Room On Fire - Cover
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The Strokes Room On Fire


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 33 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album braucht angesichts der hochgesteckten Erwartungen, die eigentlich nicht zu erfüllen waren, definitiv Zeit zur Reife.

Sie verkauften von ihrem Debütalbum „Is this it“ (2001) fünf Millionen Einheiten und sind damit die einzige Retro-Rockband der letzten Jahre, die wirklich kommerziellen Erfolg hatte. Sie lösten mit nur einer CD ein unglaubliches Rock-Revival aus, das nur mit bahnbrechenden Werken wie Nirvanas „Nevermind“ (1991) oder Guns ’N Roses’ „Appetite for destruction“ (1987) verglichen werden kann. Und jetzt kommt das schwere zweite Album, das bestätigen muss, dass all die Lorbeeren und Lobeshymnen nicht umsonst waren. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn einer der am meisten gefeierten Acts der vergangenen zwei Jahre sang und klanglos wieder verschwinden würde.

Was gab es in den letzten Monaten nichts alles für Gerüchte. Allen voran die englische Musikpresse lieferte die wildesten Stories und behauptete allen Ernstes, das neue Strokes-Album „Room on fire“ sei Reggae beeinflusst. Da haben die Herren Julian Casablancas (Vocals), Albert Hammond (Gitarre), Nick Valensi (Gitarre), Nikolai Fraiture (Bass) und Fab Moretti (Drums) die Jungs vom NME wohl mit einigen obskuren Rough-Mixes böse auf die Schippe genommen. Eine wahre Begebenheit ist dagegen die Ausbootung von Star-Producer Nigel Godrich (Radiohead, Beck, Pavement, Travis, R.E.M.). Nachdem die Band im April diesen Jahres zwei Wochen wenig gewinnbringend mit dem Briten zusammenarbeitete, schickten Sie ihn wieder nach Hause und holten den Produzenten ihres Debüts, Gordon Raphael, zurück. Dieser sprang dankend auf den Zug, obwohl er über seine ursprüngliche Nichtberücksichtigung ziemlich enttäuscht war. Dann aber legten die Strokes mit Raphael los und spielten in den folgenden Wochen in den New Yorker TMF-Studios ihr zweites Album ein.

Damit müssen die Strokes beweisen, was sie weiterhin zu leisten imstande sind, ob tatsächlich das „Zimmer brennt“, wenn sie ihre elf neuen Songs auf eine sehnsüchtig wartende Rockwelt loslassen. Und tatsächlich gelingt mit dem Opener „What ever happened?“ sogleich ein furioser Start, der die Magie des Debütalbums wiederaufleben lässt. Altbekannte Bass-Grooves flirren durch die Lautsprecher und bohren sich in die Magengrube. Sänger Julian Casablancas nölt seine Strophen rotzig runter („I want to be forgotten, and I don’t want to be reminded“) während die Gitarren schrammeln und klingeln. „Reptilia“ nimmt nur scheinbar etwas Tempo raus. Nach kurzem Intro dengelt auch hier der Bass wie eine hüpfende Dampfwalze, unterstützt von wilden Gitarreneskapaden und Casablancas Liam-Gallagher-Geblöke. Ein durch und durch derber Rocksong mit einem coolen Gitarrensolo im Mittelteil, das sich nicht viele zutrauen würden. „Automatic stop“ und „Between love & hate“ haben tatsächlich ganz leichte Reggae-Einflüsse, was die Jungs des NME beruhigen dürfte. Aber wir wollen ja nicht gleich übertreiben. „You talk way too much“ eröffnet mit Velvet-Underground-Anleihen und geht dann direkt in feinsten New Yorker Underground-Rock, inkl. amtlich fiepender Gitarren, über. Nicht schlecht. Aber noch besser ist „The way it is“, das mit einem waschechten Metal-Gitarrenriff (!) daherkommt. „The end has no end“ bedient sich ebenfalls bei diversen Schweinerock-Riffs (höre ich da Guns ’N Roses heraus?) und fährt ein herrlich schräges Solo auf. Eben das, was man von „moderner“ Retro-Rockmusik erwartet.

Dieses Album braucht angesichts der hochgesteckten Erwartungen, die eigentlich nicht zu erfüllen waren, definitiv Zeit zur Reife. Es dürfte deshalb nicht ungewöhnlich sein, wenn man nach den ersten Hördurchgängen ein wenig enttäuscht ist. Die Songs sind eben relativ simpel und wollen doch entdeckt werden. Irgendwo kriecht halt immer eine feine Melodie hervor, man muss nur genau hinhören. Bei 33 Minuten Spielzeit ist es allerdings ein Leichtes, „Room on fire“ mehrmals am Tag durchzuhören und so Stück für Stück seine Lieblingssongs zu entdecken. Dass sich dabei die Singleauskopplung „12:51“ zu den schwächsten Songs der Platte herauskristallisiert, hätte vorher wohl auch keiner gedacht. Trotzdem bestätigen die Strokes ihren Status als Ausnahmeband, auch wenn sich ein zwei durchschnittliche Tracks auf das Album geschlichen haben. Sei's drum. Als Retro-Rockfan kommt man um den Erwerb von „Room on fire“ einfach nicht herum...

Anspieltipps:

  • The way it is
  • Under control
  • The end has no end
  • What ever happened?
  • You talk way too much
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