Die Jungen Tenöre - Viva Italia! - Cover
Große Ansicht

Die Jungen Tenöre Viva Italia!


  • Label: 105 Music/SONY
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
2/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemeinhin denkt man, dass sich der allgemeine TV-Casting-Wahn nur auf den Bereich der Popmusik beschränkt, um nach monatelangen Auditions irgendwelche gesichtslosen Hupfdohlen zu Tage zu fördern, die die Halbwertszeit einer Scheibe Toastbrot haben. Was nur wenige wissen: auch im Grenzbereich zwischen Klassik und Pop wird gecastet und dass das Trio „Die Jungen Tenöre“ vor fünf Jahren aus eben einem solchen Vorsingen hervorgegangen ist. Bernhard Hirtreiter, Hans Hitzeroth und Thomas Kießling wurden einzeln entdeckt, als es galt, für die ARD Sendung „Herzblatt“ einen Song zu produzieren. Daraus wurde inzwischen die stattliche Anzahl von sechs Alben, denen immer der Leitfaden zu Grunde lag, Unterhaltungsmusik mit dem Glanz von großen Stimmen zu versehen. Sprich: Lieder und Melodien, welche das Publikum kennt, die durchaus auch dem klassischen „Gassenhauer“ zuzuordnen sind, stimmlich zu veredeln.

Damit wird auch klar, dass die Jungen Tenöre kein Fall für die Hochkultur sind. Das wissen die Drei auch. Bei ihnen steht einzig der Spaß an der Musik und die Freude an der Unterhaltung im Vordergrund. Dass dies bei der Zielgruppe ankommt, beweisen die guten Verkaufszahlen, die bestens besuchten Konzerte und die stetige Präsenz in den einschlägigen TV-Produktionen. Mit „Viva Italia!“ präsentiert das Trio nun das erste Album in neuer Besetzung und mit neuem Labelpartner. Nach dem Weggang von Thomas Kießling konnte Hubert Schmid für das Projekt gewonnen werden; das junge Label 105music in Hamburg ist der neue Vertriebspartner für die CDs.

Auch auf ihrem neuen Album stellen die Jungen Tenöre wieder ihre Vielseitigkeit unter Beweis und schnüren den, ähem, berühmten Strauß bunter Melodien. „Viva Italia!“ ist eine Sammlung der schönsten italienischen Melodien verschiedener Genres. Mitgrölerprobte Erfolgsschlager wie „Azzurro“, „Il Mondo“ oder „Quando Quando“ erklingen neben Opernarien wie „Celeste Aida“ und neapolitanischen Canzones wie „Core 'Ngrato“ und „Non Discordar Di Me“. Als ob dies noch nicht genug wäre, gibt es einen unvermeidlichen Italo-Hit-Mix („Mambo Italiano“), bekannt aus Funk, Fernsehen und diversen schauderhaften 80er-Jahre-Samplern, in dem die Jungen Tenöre in einem Mambo-Medley italienisches Kulturgut der Marke „La Donna e Mobile“, „O Sole Mio“, „Tiritomba“, „Volare“, „Funiculi, Funicula“ und „Ciao, Ciao Bambina“ verwursten.

Dazu haben auch ein paar Eigenkompositionen den Weg auf das Album gefunden, die zusammen mit Produzent Georg Gabler musikalisch und textlich in die inhaltliche Form dieses fast schon Konzeptalbums gegossen wurden. „Viva Italia!“ soll eine musikalische Liebeserklärung an Italien darstellen und rührt zu diesem Zweck die unterschiedlichsten Musikstile zu einem klanglichen Einheitsbrei zusammen. Selten habe ich eine so billige Begleitmusik (denn mehr ist es nicht) gehört, die alles bisherige in den Schatten stellt. Bei aller Kraft und Größe, der unbestritten hervorragenden Stimmen der Jungen Tenöre, kann es nicht sein, dass teilweise so extrem minderwertige Instrumentierungen gewählt wurden. Man stelle sich vor, die stimmliche Wucht eines Luciano Pavarotti prallt auf die nicht vorhandene Power einer „Bon Tempi“-Heimorgel. So ähnlich verhält es sich auch mit „Viva Italia!“. Man höre nur die billigen Beats bei „Den Sternen nah“ oder „Nur mit dir“. Das kann es nicht sein! Wie sollen Musik und Stimmen gleichberechtigt nebeneinander funktionieren, ohne dass das Gesamtprodukt leidet, wenn man streckenweise über hanebüchene Playbacks singen muss?

Auch wenn sich die Jungen Tenöre zur leichten Muse bekannt haben, muss dies kein Grund für einen dermaßen schwachbrüstigen Studiosound sein. Von den deutschen Texten wollen wir gar nicht erst reden und hüllen den Mantel des Schweigens darüber. So wie man es am besten mit dem ganzen Album handhabt.

Neue Kritiken im Genre „Schlager/Pop“
2/10

Arschkarte
  • 2016    
Diskutiere über „Die Jungen Tenöre“
comments powered by Disqus