Frans Bauer - Grenzenlos - Cover
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Frans Bauer Grenzenlos


  • Label: 105 Music/SONY
  • Laufzeit: 46 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musikindustrie steckt in der Krise. Das weiß inzwischen jeder. Richtig bitter wird es aber, wenn sogar trendunabhängige Genres wie der deutsche Schlager plötzlich kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Doch Rettung naht - und zwar aus Holland! Frans Bauer, 30-jähriger Sohn „fahrenden Volkes“, schickt sich an, nach den Niederlanden auch die deutschen Hitparaden aufzurollen. Denn was bei unseren Nachbarn funktioniert und regelmäßig mit Platinauszeichnungen honoriert wird, muss doch auch hierzulande Anhänger finden.

Vier Jahre nach seinem ersten Hit in Deutschland („Buenos Dias, weiße Taube“) und langen Jahren beißender Kritik, hat er sich in seiner Heimat zum Superstar hochgearbeitet und sich die Liebe und das Vertrauen von Hunderttausenden Schlagerfans ersungen. In Deutschland hat er bisher eine ganz passable Schlagerkarriere gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, den Schlagersänger dem deutschen Publikum so zu präsentieren wie er in seiner Heimat wahrgenommen wird: nämlich als absoluter Megastar, der im Oktober 2003 die 7.500 Zuschauer fassende Ahoy-Arena in Rotterdam zehn mal am Stück ausverkaufte. Am 20.10.2003 wird nun sein neues Album „Grenzenlos“ veröffentlicht. Es enthält die deutschen Versionen der Songs seines letzten holländischen Erfolgsalbums und die seit September rotierende Single „Luftballon“. Produziert wurde das Werk von Emile Hartkamp, Norus Padidar und Riny Schreijenberg. Die deutschen Texte stammen von Bernd Meinunger, Robert Jung, Norus Padidar und Annette Feldmann.

Musikalisch geht der Ritt in Richtung „Flippers“ und „Original Naabtal Duo“, also beschwingte Schlagermelodien mit kitschig-romantischen Texten aus der Abteilung „reim dich oder ich freß dich“. Dazu spielen die „Stylus Horns“ ein paar fesche Bläser-Riffs über vornehmlich aus dem Computer stammende Instrumente. So gibt es auch auf „Grenzenlos“ die Branchenunsitte, immer gleich klingende Drum-Computer von Rudis musikalischer Resterampe zu verwenden, die einem schon nach dem dritten Lied zum Hals heraushängen. So etwas taugt höchstens zur Beschallung von Altenheimen oder großen Mehrzweckhallen. Denn für beide Varianten gilt: Ist eh wurscht...

Es ist ziemlich traurig, wenn eine am Boden liegende Branche zu solchen Mitteln greifen muss, um einem Genre neues Leben einzuhauchen. Deutscher Schlager, an sich schon schlimm genug, mit holländischem Einschlag. Das ist die Höchststrafe. Dabei gibt es auch in Deutschland eine stattliche Anzahl ernstzunehmender Schlagerstars wie Howard Carpendale oder Udo Jürgens, die dem Genre vor Jahren qualitativ entwachsen sind und deshalb viel zu wenig Anerkennung von der breiten Masse der Schlagerfans erhalten. Diese lassen sich viel lieber mit einfallslosen Produktionen wie „Grenzenlos“ zudröhnen. Sei’s drum. Bei einigermaßen vernünftiger Promotion wird die Zielgruppe den Händlern das Album aus den Händen reißen und begeistert zu den 14 Stücken abschwofen. Der Rest wendet sich angewidert ab und amüsiert sich über Bauers komischen, holländischen Akzent, mit dem er sich durch das Songmaterial pflügt. Hossa!

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