Belle And Sebastian - Dear Catastrophe Waitress - Cover
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Belle And Sebastian Dear Catastrophe Waitress


  • Label: Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Rundum schöne Musik für graue Herbsttage.

Was haben die russischen Kampf-Lesben t.A.T.u. und die schottischen Folkpopper gemeinsam? Sie werden doch tatsächlich beide von Trevor Horn produziert. Doch während Horn den Russinen in erster Linie dabei zur Seite stand, ihr paranoid-sexuell-affektiertes Geplärr in Melodien zu kanalisieren, wurde Horn von den Schotten daraufhin engagiert zu erproben, was so ein Produzent eigentlich macht.

Fans der siebenköpfigen Kombo um den hageren Sänger Stuart Murdoch werden es vom ersten Ton an merken: Belle and Sebastian sind geradliniger geworden, greifbarer und, wenn man so will, etwas mehr dem Mainstream zugeneigt. Wo vor Jahren noch äußerst zerbrechliche Melodiechen standen, flankiert von Blockflöte und dem kindlichen Organ von Murdoch, regieren jetzt schon mal etwas unsanfter gestrichene Gitarren, die teilweise wie Weezer mit weniger Punk klingen ("She Wants Me"). Die Arrangements klingen ein Stück weit opulenter, ohne dabei allerdings zu vergessen, dass Minimalismus im Universum des schottischen Septetts schon immer ein wichtiger Faktor war. So ist "Piazza New York Catcher" eigentlich nur ein gesanglich unterlegter Monolog mit eingängiger Akustik-Gitarren-Linie und vorzüglichem Text. Überhaupt Text: Die sind wieder einmal von der allerbesten Sorte und von einer Doppelbödigkeit, die man sich mal von Belle and Sebastians Cousinen t.A.T.u. wünschen würde, wenn man nicht wüsste, dass es in diesem Falle absurd wäre. Alleine schon die Lektüre des Textbuches erfreut den Hörer aufs Höchste.

Ganz stark sind Belle and Sebastian vor allem dann, wenn wie in „Asleep on a sunbeam“ im Duett geträllert wird und milchschokoladige Melodien den Hörer sanft umgarnen. Ein schwaches Lied im Wortsinn kann man auf dieser Platte nicht ausmachen. Alle sind von einer zarten Melodieseligkeit geprägt, die zwar durchaus als seicht bezeichnet werden kann, aber vor allem durch die interessanten Texte ihren ganz eigenen Anstrich erhalten. Eine solide Platte ist das geworden, die aber nicht immer ganz an die Meisterwerke wie „The Boy with the arab strap“ anknüpfen kann.

Unterm Strich ist „Dear Catastrophe Waitress“ rundum schöne Musik für graue Herbsttage, positivistisch durch und durch, und wird seine Fans wenn nicht begeistern, dann auf keinen Fall enttäuschen. Wer allerdings gar kein Pop-Gen in sich trägt, dem wird die enorm leichte Musik von Belle and Sebastian zutiefst zuwider sein, der Rest darf sich an der filigranen, hohen Songschreiberkunst der Schotten erfreuen.

Anspieltipps:

  • Piazza New York Catcher
  • She Wants Me
  • Asleep on a sunbeam
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