The Immortal Lee County Killers II. - Love Unbolts The Dark - Cover
Große Ansicht

The Immortal Lee County Killers II. Love Unbolts The Dark


  • Label: Sweet Nothing/CARGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Auswüchse des Rock ’N Roll nehmen teilweise recht skurrile Formen an. Ob Punk, Glam, Grunge oder Alternative, immer finden sich ein paar Bands, die den Rahmen des Alltäglichen sprengen und die Fangemeinde in zwei Lager spalten. Das Duo The Immortal Lee County Killers aus Auburn, Alabama ist auch so ein Fall. Vor drei Jahren tauchten Chetley Weise (Gitarre, Vocals) und Drummer Doug „The Boss“ Sherrard auf der Bildfläche auf und rüttelten mit ihrem Debüt „The essential fucked up blues” an den Grundfesten des Garagen-Rock.

Was bei den White Stripes bei aller Genialität recht zahm klang, artete bei den beiden Herren aus Alabama in eine wüste Mischung aus Garagen-Punk-Rock und trashigem Blues aus, der alsbald als der lauteste und aggressivste Blues-Rock aller Zeiten bezeichnet wurde. Für die bis an die Grenzen des Erträglichen gehenden Klangeskapaden nutzte Gitarrist Weise übrigens ein pedalgesteuertes Gitarrenverstärkersystem, das durch verschiedene Lautsprecher Gitarren- und Bass-Sounds (!) erzeugen kann. Im Februar diesen Jahres wurde das Werk „Love is a charm of powerful trouble” nachgelegt, das ungleich gemäßigter daherkam. Es verband den ungezähmten Blues ’N Roll des Debüts mit klassischen Mississippi-Delta-Blues-Elementen. Vorher hatte es einen Personalwechsel gegeben, bei dem Drummer Doug Sherrad Anfang 2001 durch einen Paradiesvogel namens J.R.R. The Tokien One ersetzt wurde. Ob dies der Ausschlag für die leichte Kurskorrektur war, entzieht sich allerdings der öffentlichen Kenntnis.

Keine zehn Monate nach dem Zweitwerk, legt die Band erneut ein Album vor, das fünf Neukompositionen enthält, die thematisch in dieselbe Richtung gehen wie die Songs auf „Love is a charm of powerful trouble” und von fünf live mitgeschnittenen Stücken flankiert werden. Dabei griffen die Immortal Lee County Killers für ihr drittes Album zum allerersten Mal auf die Hilfe eines Produzenten zurück. Lynn Bridges arbeitete in der Vergangenheit als Assistent von Jimmy Johnson (Rolling Stones) und Tim Kerr (The Crusaders) und für Bands wie The Quadrajets und The Hellacopters und verhalf nun den County Killers, ihren musikalischen Irrsinn auf Band zu bekommen. Dieser vertonte Größenwahn besteht aus kongenialen LoFi-Gitarrengewittern („Boom boom (yeah yeah)”, „Burnin’ hell“), ultra kurzen Punk-Geschossen („Rock and roll is killing me“) und bluesigen Groovern mit einem kurz vor der Ekstase singenden Chetley Weise („The damned don’t cry“, „God bless the losers who try“). Etwas gewöhnungsbedürftig sind dagegen die Live-Einspielungen, die den verzerrten Fuzz-Gitarrensound ein ums andere Mal bis an die Schmerzgrenze treiben. Doch das beweist nur, dass die Band absolut keine Kompromisse macht und ihren abgefahrenen Sound ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht.

Leider ist die Klangqualität des Albums nicht sehr berauschend. Passend zur LoFi-Attitüde der Band, muss man den Lautstärkeregler ganz schön aufreißen, um einen amtlichen Druck auf die Hörmuschel zu bekommen. Denn nur dann funktionieren gitarrenfeedbackgetränkte Songs zwischen Genie und Wahnsinn wie „Let’s get killed“. Doch in Ansätzen präsentieren die Immortal Lee County Killers auf ihrer dritten Einspielung wozu sie fähig sind. Es wäre sicher mal interessant zu hören, was die Jungs mit einem richtigen (Major-Label)-Budget plus Star-Producer im Rücken (Rick Rubin!) anstellen würden. Doch welcher Branchenriese gibt so einer durchgeknallten Band schon Geld?

Anspieltipps:

  • Let’s get killed
  • Said I’d find my way
  • Boom boom (yeah yeah)
  • The damned don’t cry
  • God bless the losers who try
Neue Kritiken im Genre „Blues“
Diskutiere über „The Immortal Lee County Killers II.“
comments powered by Disqus