Jazzkantine - Unbegrenzt Haltbar! - Cover
Große Ansicht

Jazzkantine Unbegrenzt Haltbar!


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 60 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Niedersächsischen Musikköche legen ein abwechslungsreiches Album vor.

Wenn ein Band-Musiker mit der Situation innerhalb der Gruppe nicht mehr 100% zufrieden ist, hat er drei Möglichkeiten: a.) er verlässt die Band, b.) er macht einen Ausflug als Solokünstler oder c.) er schließt sich mit anderen Kollegen zu einem Nebenprojekt zusammen. Die Soul/Pop/Jazz-Formation Jazzkantine ist im Prinzip auch so eine Art Nebenprojekt.

Vor zehn Jahren von Christian Eitner, Matthias Lanzer und Ole Sander gegründet, besticht die Gruppe vor allem durch ihre wechselnden Gastmusiker, die sich bei jeder Albumproduktion im halben Dutzend die Türklinke in die Hand geben. So haben bereits so bekannte Künstler wie Smudo (Fanta 4), Laith Al Deen, Edo Zanki, Rolf Stahlhofen (Die Söhne Mannheims), Such A Surge, Selig und De Phazz die Gelegenheit ergriffen, sich auch mal außerhalb ihres normalen musikalischen Schaffens zu betätigen und in der Jazzkantine ein leckeres Soul-Funk- oder Jazz-Pop-Süppchen anzurühren.

Inzwischen liegt das siebte Album des Konglomerats vor und geizt wie gewohnt nicht mit Gaststars. Allen voran der allgegenwärtige Xavier Naidoo (braucht der Mann denn nie eine Pause?), aber auch Pat Appleton von De Phazz, Sam Leigh Brown (Noha) und Trompeter Joo Kraus sind mit von der Partie. In 60 Minuten erwartet den Hörer ein Paket aus 15 Songs, die auf einer Basis aus straighten HipHop-Beats aufbauen und mit Jazz-, Pop-, Latin- und Reggaeelementen ergänzt werden. Dazu kommen die akrobatischen Vokalkünste der beiden Rapper Cappuccino und Tachiles und natürlich Xavier Naidoo, der den Song „Schmetterling“, ein gefühlvolles Liebeslied, nicht nur eingesungen, sondern auch gemeinsam mit seinem Produzenten Michael Herberger produziert hat. Aber gerade die „Hausrapper“ Cappuccino und Tachiles drücken mit ihren eigenwilligen Performances den Stücken ihren Stempel auf. Während sich Tachiles beim Titel „Regen“ als ein einfühlsamer Gesangspoet erweist und mit „Alarm, Alarm“ ein humoristisches, aber dennoch tiefgründiges Liebeslied zum Besten gibt, toastet sein Freund Cappuccino bei „Zurück auf die Insel“ als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht, als sich der Reggae-Musik zu widmen.

Aus der Partyabteilung stammen die flotten Groove-Tracks „Mic & Bühne“ und „Der Bass ist am pumpen“. Für amtliches De-Phazz-Flair sorgen die befreundeten Kollegen Pit Baumgartner und Soul-Röhre Pat Appleton, die mit „Dans La Vague“ eine wunderschön entspannte Hymne und mit „Prussian girl“ einen Big-Beat-Song im Shirley-Bassey-Style beisteuern. In „Prussian girl“ geht es um den Spagat einer Diplomatentochter, zwischen der preußischen Welt eines Elternteils und ihrem afrikanischen Background, was von der De-Phazz-Sängerin äußerst akzentuiert dargeboten wird. Sam Leigh Brown beweist in dem funky Song „Mr. top of the pops“ ihren Respekt für Superstar Robbie Williams.

Höhepunkte der komischen Art sind die Tracks „Ali & Ahmet“ und „Hände hoch“. Erstgenannter Song ist ein deutsch/türkischer HipHop-Track, bei dem es zu einer netten Begegnung zwischen „Ali Baba“ aka Bektas & „Ahmet Gündüz“ aka Tachiles kommt, die an ältere Fresh-Familee-Songs anknüpft, in denen „Ahmet Gündüz“ bereits als Alter Ego existierte. Tachiles, der seine Karriere bei der Fresh Familee begann, reflektiert in diesem Ahmet-Revival kritisch, aber zugleich auch versöhnlich, das Leben von Gastarbeitern, feststellend, dass sich über die Jahre sehr viel geändert hat. Die rotzfreche Mädel-Rap-Crew Ischen Impossible aus Düsseldorf verbreitet dagegen auf dem Track „Hände hoch“ ausgelassene Partystimmung, ohne intellektuelle Ansprüche zu erheben. Der Hannoveraner Benjie beweist bei beim Schlusstrack „Keine Grenzen“, warum er mittlerweile einer der besten Ragga-Sänger der Republik ist. Der Song ist ein Loblied auf die Musik als Ganzes und Benjie bringt auf den Punkt, was auch schon seit langem das Credo der Jazzkantine ist: „Bei der Musik gibt es keine Grenzen“.

In diesem Sinne, dass es bei der Musik keine Grenzen gibt und wenn, dann nur in den Köpfen der Zuhörer, legen die Niedersächsischen Musikköche ein abwechslungsreiches Album vor, das eine stimmige Mischung aus HipHop, Jazz und Pop darstellt und für jeden Liebhaber von Popmusik das passende Rezept bereithält.

Anspieltipps:

  • Rock steady
  • Mic & Bühne
  • Alarm, Alarm
  • Mr. top of the pops
  • Der Bass ist am pumpen
Neue Kritiken im Genre „Jazz-Pop“
Diskutiere über „Jazzkantine“
comments powered by Disqus