I Am Kloot - I Am Kloot - Cover
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I Am Kloot I Am Kloot


  • Label: PIAS/Zomba
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Jetzt, wo die Tage schier unaufhaltsam kürzer werden, das Dunkel immer früher über uns alle zieht, werden sie wieder ausgepackt: Diese fiesen CDs, die über den Sommer versiegelt in der hintersten Schublade der finstersten Ecke des Zimmers ein kümmerliches Dasein fristeten. Nämlich diese CDs, die Melancholie ohne Hoffnung preisen, Tendenzen gar zur Depressivität aufweisen und eigentlich nur dann zu hören sind, wenn die Blätter fallen, die Temperaturen sinken und man den Großteil des Tages in den eigenen vier Wänden verbringt. Und genau deshalb erscheint jetzt "I Am Kloot".

Die drei Briten mit dem durchaus rätselhaften Namen und Frontkopf Johnny Bramwell schmieden hier ihr inzwischen zweites Album nach dem durchaus famosen Debüt "Natural History", das gerne als Vorbote der "Quiet Is The New Loud"- Bewegung herhalten darf. Melancholische Musik von tiefst britischem Schlag war und ist das, wie geschaffen für dunkle Herbsttage oder einen verregneten Spaziergang durch den Nebel. Wunderschön zwar, aber eben sehr traurig und nur selten von Lichtblicken durchzogen. Das hat sich Jahre später nicht geändert. "I Am Kloot" spielen ihre wunderbaren Melodien und Bramwell darf krächzen, klagen, jaulen und manchmal einfach nur singen, als gäbe es kein Morgen.

Neu dabei im Universum: Elektrische Gitarren, zuvor nur rudimentär zum Einsatz gekommen, dominieren jetzt manche Stücke wie das ein bisschen an Oasis erinnernde "Life In A Day". Zum Großteil dominieren aber zart-bittere Melodien wie im geisterhaften "Cuckoo" oder dem walzernen "Mermaids". Mit im Gepäck hat Bramwell natürlich wieder die Themen, die das Leben nicht eben schöner machen, sei es Einsamkeit, Verlorensein oder Vergänglichkeit ("From Your Favorite Sky"). Die teilweise fließend ineinanderübergehenden Lieder wirken bedächtig, doch nie so langsam, dass man gänzlich einlullen ließe. Hier wurde schlicht gutes, behutsames Songwriting betrieben, dass eben den Herbst in seiner klassischen Form vertont, und dabei doch mehr ist. Der Abschluss "The Same Deep Water" beispielsweise ist das wunderschönste Stück schwelgerische Traurigkeit, das dem Rezensenten seit sehr sehr langer Zeit untergekommen ist. Eine Melodie, wie man sie wohl nur einmal im Leben schreibt, wie geschaffen für Tage, wo sie dich einmal wieder alle ausgelacht haben. Ganz großes Kino!

Dass man das Booklet selber malen könnte und sich hier und da ein paar Verschnaufpausen eingeschlichen haben, stört da nur sehr bedingt. "I Am Kloot" ist eine Platte von Dauer, die man sich in dieser Form gerne mal wieder von Oasis und Konsorten wünschen würde. Sehr schön.

Anspieltipps:

  • From Your Favorite
  • Cuckoo
  • Proof
  • The Same Deep Water
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