Ryan Adams - Rock ´N Roll - Cover
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Ryan Adams Rock ´N Roll


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ryan Adams bürgt für überdurchschnittliche Qualität und viele Stunden Kurzweil.

Als Fan von Rock-Barde Ryan Adams kann man sich wirklich glücklich schätzen. Gegen jegliche Vermarktungsrichtlinien verstoßend, schmeißt der gute Mann alle paar Monate eine neue Platte unters Volk, selbst wenn er damit die Bosse seines Labels zur Verzweiflung bringt. Die Maxime lautet: Höchstens alle 18 Monate eine neue CD eines Künstlers herauszubringen. Doch wer legt das fest? Irgendwelche Marketingfuzzis, die keinen blassen Schimmer von Kunst und davon, wie ein Künstler tickt, haben.

Ryan Adams hat schon früh beschlossen, sich von solchen Regeln nicht beeindrucken zu lassen und es immer wieder geschafft, seine Plattenfirma zu nötigen, frühzeitig ein neues Produkt von ihn zu veröffentlichen. Doch jetzt schießt er endgültig den Vogel ab. Nach der Demo- und Outtakes-Sammlung „Demolition“ (9/2002) beglückt uns der Meister gleich mit drei (!) neuen Alben. Das Hauptwerk „Rock ’N Roll“ und die 10-Track-EP „Love is hell - Part 1” erscheinen im November, „Love is hell - Part 2” im Dezember. Mehr geht kaum.

Wie es sich gehört, ist der Name des Albums bei dem 29-Jährigen aus Jacksonville Programm. Denn wenn Adams eine Platte „Rock ’n roll“ nennt, dann meint er es auch so und driftet nicht in alte Neo-Country-Gefilde ab. Und damit die 15 Stücke auch richtig schön krachen, hat er sich Billy Joe Armstrong (Green Day), Parker Posey und Melissa Auf Der Maur (Ex-Hole) ins Studio geholt. In dieser Besetzung, ergänzt um den Drummer Johnny T, hängt sich Adams an die grassierende „The-Bands“-Welle heran, um selbst einmal die Rock-Sau herauslassen zu können. Gut, Ryan Adams holt nicht wirklich die große Rock-Keule heraus. Dafür nennt er einfach zu viele Einflüsse aus den Bereichen Pop und Country sein Eigen. Aber im Großen und Ganzen wird auf „Rock ’n roll“ eine ganze Ecke härter zu Werke gegangen, als auf „Gold“, Adams’ letztem, regulären Studioalbum. So rocken „This is it“ und „Shallow“ ganz anständig und liefern feine Refrains mit luftigen Gitarrenriffs ab. So geht’s nämlich auch. Anstatt nach Hives/Vines/Strokes/White Stripes oder was auch immer zu klingen, tendiert Ryan Adams in die Richtung Jesse Malin, was für authentischen Straßenrock spricht.

Bei „1974“ geht richtig die Post ab. Die Tamburine rasselt wie eine wilde Klapperschlange und gibt den Takt für einen richtig fiesen Rocksong vor. Danach wird das Tempo wieder gedrosselt und „Wish you were here“ macht auf Soul-Asylum-artige Sehnsuchtsmelodie. „So alive“ wird von einem treibenden Bass-Groove befeuert, der von klingelnden Gitarren aus der Strokes-Abteilung und Adams apokalyptischen Verzweiflungsvocals zwischen Matthew Bellamy (Muse) und Bono (U2) auf astreinen Independent-Hit getrimmt wird. „Burning photographs“ arbeitet mit demselben Hall auf den Gitarren wie Jesse Malin auf seinem Debüt „The fine art of self destruction“, das von Herrn Adams höchstpersönlich produziert wurde, und gerät somit zur klassischen New Yorker Underground-Hymne. Lebenshilfe durch Rockstars (eigentlich ein Widerspruch in sich) gibt es bei den Songs „Note to self: Don’t die“ und „The drugs not working”. Ersterer macht durch wüste Gitarrenfeedbacks und einem aggressiven Sound auf sich aufmerksam, während die alte Weisheit „The drugs not working” in eine etwas folkigere Richtung tendiert und wesentlich gemäßigter daherkommt.

„Rock ’n roll“ ist ein sehr ansprechendes Album auf gewohnt hohem Ryan-Adams-Niveau mit einer Vielzahl herausragender Kompositionen geworden („So alive“!!). Zwar können nicht alle Stücke auf der CD überzeugen, sodass dem Werk zum Ende hin etwas die Puste ausgeht, was bei einem Künstler mit diesem rekordverdächtigem Output aber auch nicht weiter verwundert. Ryan Adams bürgt für überdurchschnittliche Qualität und viele Stunden Kurzweil, die auch „Rock ’n roll“ zu einem Kauftipp für den geneigten Rockfan macht!

Anspieltipps:

  • 1974
  • So alive
  • This is it
  • Wish you were here
  • Anybody wanna take me home
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