Bruce Springsteen - The Essential Bruce Springsteen - Cover
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Bruce Springsteen The Essential Bruce Springsteen


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 200 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf den Inhalt der beiden „Haupt-CDs“ einzugehen, hieße Eulen nach Athen zu tragen.

Der Boss ist zurück! Nach durchwachsenen Verkaufszahlen und zurückhaltenden Kritikerstimmen in den 90er Jahren, feierte der amerikanische Volksheld mit dem Album „The rising“ (2002) sein großes Comeback. Die anschließende Tournee war ein Triumphzug durch die ganze Welt, bei dem auch der letzte Kritikerrest beeindruckt verstummte. Jetzt ist es an der Zeit, alten und neuen Fans als Dank für die Unterstützung ein Weihnachtsgeschenk zu machen. Erstmals in seiner über dreißigjährigen Karriere (Springsteens Debütsingle „Blinded by the light“ erschien im Februar 1973) veröffentlicht der Boss mit der 3-CD-Box „The Essential Bruce Springsteen“ eine Compilation, die sämtliche Höhepunkte seiner 13 Studioalben vereint und deutlich über den Nährwert der „Greatest Hits“-CD aus dem Jahr 1995 hinausgeht.

Die 42 Songs von „The Essential Bruce Springsteen“ sind eine perfekte Ergänzung der Raritätensammlung „Tracks“ (4-CD-Box, 1998), da hier nicht nur die größten Hits („Born in the USA“, „The river“, „Born to run“, „Streets of Philadelphia“, „Dancing in the dark“), die ganz frühen Klassiker („Blinded by the light”, „4th of july, Asbury Park (Sandy)”, „Rosalita”) und die jüngsten Erfolge („The ghost of Tom Joad“, „Mary’s place”, „The rising”, „Lonesome day”) vereint werden, sondern auch ein Dutzend weiterer Raritäten, Live-Aufnahmen und bisher unveröffentlichte Songs. Doch Obacht! Diese Schätzchen gibt es nur als limitierte Zugabe in Form einer Bonus-CD, die dem Werk bis Ende des Jahres 2003 beiliegt.

Auf der Bonus-CD finden sich rare Nummern wie der beschwingte Rocksong mit Mitklatschfaktor „From small things (Big things one day come)” aus dem Jahr 1979, der 1982 von Dave Edmunds gecovert wurde. Oder die Songs „Big payback” und „Country fair“, die bei den Sessions zum ´82er „Nebraska“-Album entstanden und nicht in die düstere Grundstimmung des akustischen Solowerks passten. „Little girls with blond hair“ (aus „Country fair“) sind zwar ein durchaus interessantes Thema, aber auf einem Album wie „Nebraska“ wäre dieser Happy-Track total aus dem Rahmen gefallen. „Trapped” ist eine Live-Aufnahme des Jimmy-Cliff-Songs von der erfolgreichen „The river“-Tour, Anfang der 80er-Jahre. Das Stück vermittelt die typische Live-Power von Springsteens E-Street-Band und kombiniert geschickt Rock mit Reggae.

„None but the brave“ wurde während der „Born in the USA“-Sessions aufgenommen und kommt entsprechend hymnisch daher. Nicht, dass der Song schlecht wäre, aber man merkt schon, warum er damals nicht auf das Album genommen wurde. „Missing”, „Lift me up“ und „Dead man walking“ sind sehr ruhige, rhythmusorientierte Akustiksongs, vergleichbar mit „Streets of Philadelphia“, die ebenso als Filmmusik konzipiert wurden. „Missing“ kam im Sean-Penn-Film „The Crossing Guard” vor, „Lift me up” wurde für den John-Sayles-Film „Limbo“ geschrieben und „Dead man walking“ kennt man als Beitrag zum gleichnamigen Tim-Robbins-Film. Am ungewöhnlichsten klingt der Boss bei „Lift me up”, das den New-Jersey-Rocker in einer Stimmlage präsentiert, die man von ihm absolut nicht gewohnt ist. Falsettartig führt er den sehr bedächtigen Song durch atmosphärisch anmutendes Fahrwasser, ohne im Pathos-Sumpf zu versinken. „Viva Las Vegas” wurde für ein Benefit-Album des NME eingespielt und ist ein mäßig juxiger wie überflüssiger Versuch auf Elvis zu machen. „Code of silence (Live)” ist 1999 in Co-Produktion mit Springsteens altem Kumpel Joe Grushecky entstanden und echter, hemdsärmeliger Rock ’N Roll für den kernigen Typen aus der Kneipe um die Ecke. „Countin’ on a miracle (Live)” wird als akustischer Country-Blues dargeboten, so wie das Stück immer am Ende der Shows auf der „Rising”-Tour 2002-2003 gespielt wurde. Die introvertierte Version hat nichts mit dem Original zu tun und dient mehr zum Abkühlen des Publikums nach einem aufreibenden 3-Stunden-Gig.

Auf den Inhalt der beiden „Haupt-CDs“ einzugehen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Die beiden Silberlinge präsentieren 2½ Stunden Hit an Hit, darunter auch der umstrittene Song „American skin (41 shots)“ und „Land of hope and dreams“ in beeindruckenden Live-Versionen. Dazu erklärt der Meister im Booklet mit persönlichen Liner-Notes die Hintergründe und Geschichten aller Songs. Ein besseres Weihnachtsgeschenk gibt es für den geneigten Springsteen-Fan oder –Newcomer nicht. Deshalb heißt es zugreifen, solange „The Essential Bruce Springsteen“ noch als 3-CD-Set erhältlich ist.

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