Zoot Woman - Zoot Woman - Cover
Große Ansicht

Zoot Woman Zoot Woman


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein durchweg gelungenes Album, das zwar Plastik ist, aber bei aller Synthetik doch immer noch Melodien präsentiert.

Was fehlt uns bei einer Retro-Rock-Welle, wie sie derzeit vor sich geht, wo Nirvana mit den Beatles gekreuzt wird und die 70er und 60er Jahre eine Auferstehung finden, die gar nicht so unverhofft war? Genau, eine Wiederauferstehung des dunklen Zeitalters der Musikgeschichte: Den Achtzigern. Zoot Woman, dieses Trio aus Großbritannien klingen ein bisschen nach der Musik, die in den Achtziger Jahren so gespielt wurde. So nach Duran Duran oder Roxy Music, aber auch nach New Order oder den Smiths. Doch während die aktuelle Retro-Welle im - zugegebenerweise sympathischen - Eklektizismus zu versinken droht, sind die Achtziger Jahre für Zoot Woman nur der Nährboden, auf den nun ihr zweites Album ganz hervorragend wächst.

"Zoot Woman", jenes Zweitwerk, ist ein herausragend perfektes Stück elektrischer Musik, mit Referenzen an die Tanzfläche wie dem famosen "Taken It All" oder der schmackigen Rocknummer "Grey Day", bei der gar eine QOTSA-Assoziation erlaubt ist. Dies kann und muss seinen Dienst auf der Indie-Disco-Front ableisten. Schon lange klang elektrisch bereicherte Musik authentischer, emotionaler, selten hatte Synthie-Pop mehr Eier, um es mit den Worten von Oliver Kahn auszudrücken. Hier hat es eigentlich alles: Gefühlvoll-melancholisches ("Snow White", spartanisch, aber schön), instrumental-trip-hoppiges ("Calmer") und prächtige Hymnen für den allgemeinen Verzehr ("Woman Wonder").

Unverschämt eingängig ist das und bei aller 80er-Affinität überaus eigenständig und melodieselig. Johnny Blake, bulimie-affines Organ der durchgestylten Briten, besitzen nebenbei auch eine überaus talentierte Stimme, die hier und da auch mal eine kleine Wandlung imstande zu vollziehen ist. Ein Album für jedermann? Naja, wer Klänge aus dem Synthesizer grundsätzlich verabscheut, bekommt von der zugegebenermaßen recht kühlen Musik der Briten todsicher den Ausschlag seines Lebens. Der Rest - ob hipper Designermensch oder psychodelische Kifferseele - wird stets einen guten Grund finden, "Zoot Woman", gerade zu dieser Jahreszeit, aufzulegen.

Schlußendlich bleibt ein durchweg gelungenes Album, das zwar Plastik ist, aber bei aller Synthetik doch immer noch Melodien präsentiert, die aufs Tiefste zu berühren wissen. Ein Balance-Akt, der heutzutage nur noch wenig Bands wirklich gelingt.

Anspieltipps:

  • Grey Day
  • Taken It All
  • Snow White
  • Woman Wonder
Neue Kritiken im Genre „Electro-Pop“
7/10

The Click
  • 2017    
Diskutiere über „Zoot Woman“
comments powered by Disqus