Tom Albrecht - Sing - Cover
Große Ansicht

Tom Albrecht Sing


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Floskel-Duden lehrt uns, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Was auf der einen Seite unheimlich toll erscheint, erweißt sich beim genauerem Hinsehen als Eigentor. So kann etwa der Newcomer Tom Albrecht sein jüngst erschienenes Debütalbum „Sing“ im Vorprogramm der Deutschlandtournee einer super-erfolgreichen Band vor geschätzten 300.000 Leuten präsentieren und schlagartig bekannt machen. Der Haken an der Sache: Der sogenannte Hauptact ist die schwäbische Gruppe Pur, die zu den widerlichsten Erscheinungen in der deutschen Popmusik zählt. Sei’s drum. Hier soll es schließlich nicht um Hartmut Engler und sein musikalisches Gruselkabinett gehen, sondern um ein junges Talent, das seine ersten Gehversuche im Haifischbecken Musikbusiness unternimmt.

Thomas Alexander Albrecht wurde vor 23 Jahren in Gruiten, einem Dorf zwischen Wuppertal und Düsseldorf, geboren. Als Jugendlicher machte er seine ersten Erfahren als Songschreiber in der HipHop-Band Wise Economicxs, die sich aber nicht als zukunftsträchtige Station herausstellte. Seine Bandkumpels merkten sehr bald, dass Albrechts Kompositionen nichts mit HipHop zu tun hatten. Anstelle von Ghetto-Feeling und Battle-Rhymes, ist seine Musik emotionales „Kopfkino“, sprich mit Pathos geladener Pop, der Gefühle rüberbringen möchte und auf sensible Weise zwischen Melancholie und Lebensfreude pendelt, ohne dabei im Kitsch zu versinken.

Die Singleauskopplungen „Wir sind eins“ und „Sing“ sind Paradebeispiele für Albrechts Songwriterkunst, die absolut nicht mit Schlager oder ähnlich gelagerten Absonderungen deutscher Musik verglichen werden kann. Die Stücke auf „Sing“ sind modern arrangiert und auf der Höhe der Zeit. Ob romantische Piano-Balladen („Höher mit dir“), treibende Popsongs („Wenn du den Raum betrittst“), kritische Alltagsbewältigungen („Dass du lebst“), klassisch-schöne Liebeslieder („360°“) oder Just-For-Fun-Songs („Heimspiel“), Tom Albrecht beherrscht das 1x1 des Komponierens problemlos und macht dabei auch nicht vor rockigen Riffs Halt („König meines Reichs“, „Nicht mein Tag“). Höhepunkt des Albums ist das pulsierende „Weg zur Front“. Beginnt das Stück noch ganz harmlos als akustische Ballade, steigert es sich von Minute zu einer großen Pop-Hymne, von der Knallchargen à la Dieter Bohlen nur träumen können.

„Sing“ ist ein durch und durch gelungener Einstand für den jungen Songwriter Tom Albrecht. Stilsicher bewegt er sich zwischen Rock und Pop ohne größere Ausfälle abzuliefern. Zwar sind ihm Kollegen wie Herbert Grönemeyer, Jochen Diestelmayer (Blumfeld), Sven Regener (Element Of Crime) oder Thees Uhlmann (Tomte) noch um einiges voraus, doch wenn Albrecht seinen Weg konsequent weiter verfolgt, kann auch er eines Tages in die Riege der großen deutschen Songschreiber aufsteigen. „Sing“ ist auf jeden Fall ein würdiger Anfang.

Anspieltipps:

  • Sing
  • Dass du lebst
  • Höher mit dir
  • Weg zur Front
  • Nicht mein Tag
Neue Kritiken im Genre „Pop“
Diskutiere über „Tom Albrecht“
comments powered by Disqus