Tiziano Ferro - 111 Centoundici - Cover
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Tiziano Ferro 111 Centoundici


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Gut zwei Jahre ist es her, als der 21-jährige Tiziano Ferro aus dem etwa 107.000-Einwohner großem Latina (in der Nähe von Rom) in Italien auf sich aufmerksam machte und mit „Perdono“ nach und nach europaweit durchstartete. Es folgten die Singles „Imbranato“ und „Rosso relativo“ aus dem gleichnamigen Album „Rosso relativo“. Seine Mixtur aus Pop, R&B und elektronischer Tüftelei bezeichnet er als „e-music“. Seine verschiedenen Musikgeschmäcker vor allem im Genre Black-Music erhielt er mit 16 Jahren durch seine Anfänge als Sänger in einem Gospelchor, wo er sich zunehmend für musikalische Vorbilder aus den USA interessierte, wie Stevie Wonder, Erykah Badu und R. Kelly. Diese Einflüsse lässt er auch in seine Musik einfließen und veröffentlicht neben den italienischsprachigen Songs auch Versionen in Englisch oder Spanisch, was ihm wiederum gute Verkaufsperspektiven und Nominierungen in anderen Ländern einbringt wie beispielsweise 2003 bei den Miami Latin Grammy Awards als „Bester neuer Künstler“. Die Erfolge sprechen für sich, denn nicht umsonst wird er mit festen Größen wie Eros Ramazzotti verglichen, der aber mehr auf gitarrenlastige Melodien setzt.

Nun ist Tiziano Ferro mit seinem zweiten Album „Centoundici“ oder in Ziffern „111“ bereit für die nächsten großen Erfolge. Die Texte schrieb er alle alleine und komponierte auch erneut selbst mit. Der Titel des Albums wurde übrigens nach seinem Gewicht gewählt, das er mit 12 Jahren hatte, nämlich 111 Kilogramm. Aber diese drei Ziffern tauchten seit seiner Geburt im alltäglichen Leben immer häufiger auf und so musste er nicht lange über den Titel für das Album nachdenken. Diese Zufälle beschreibt er im Titelsong „Centoundici“ folgenderweise: „111... é la stanza di un albergo (= 111... steht für eine Zimmernummer in einer Herberge), 111... é il numero di emergenza per chi si sente solo (= 111... steht für eine Nummer im Notfall, wenn sich jemand gerade alleine fühlt), 111... sono le persone che mi amano (= 111... steht für die Anzahl der Personen die mich lieben), 111... sono le persone che mi odiano (111... steht für die Anzahl der Personen die mich hassen), 111... é il biglietto di un aereo (= 111... steht für die Nummer auf einem Flugticket), 111... fa il numero perfetto (= 111... steht für die perfekte Zahl), 111... sono io ed ero io (= 111... steht für mich und stand für mich), 111... un bimbo appena nato che dormirá felice sulla schiena dell passato (= 111... steht für ein Baby kurz nach seiner Geburt, das nach dem Durchgemachten glücklich auf dem Rücken schläft). Der Vorbote „Perverso“ wurde zwar schon vor einigen Jahren geschrieben, befindet sich jedoch erst jetzt auf einem Album. Er wählte diesen Song deshalb aus, weil er auch auf diesem Album wieder einmal graphisch mit dem „X“ rumspielen wollte, dass im Italienischen für „per“ steht. So wurde in Italien aus der Debütsingle „Perdono“, „Xdono“ und aus „Perverso“ wird „Xverso“. In der deutschen Albumversion wurde der Titel aber erneut ordentlich ausgeschrieben. Wer bei „Perverso“ an schweinische Sachen denkt, der täuscht sich, denn es geht um jemanden, der seinem Instinkt folgt und sich treu bleibt und um unkontrollierte menschliche Leidenschaft. Der elektronische, mit „Scratches“ versehene Beat, überzeugt ebenfalls und beschreibt den Musikgeschmack Tiziano Ferros, nämlich den Black-Music-Einflüssen wohl am besten. Mit „Sere nere“ (dunkle Abende) folgt ein schmalzigerer Song, der aber genau wie der poetische Song „Ti voglio bene“ (hab dich gern), das Potenzial hat, als nächste Single veröffentlicht zu werden. In beiden Tracks werden sehr persönliche Erinnerungen verarbeitet, wobei Tiziano Ferro „Ti voglio bene“ für den emotionaleren Song hält. In „Sere nere“ verarbeitet er den Herzschmerz aus einer gescheiterten Beziehung, welche tiefe Wunden hinterlassen hatte. Als Heilmittel, um diese Schmerzen zu überwinden, schrieb er diesen Song. Mit dem wohl besten R&B-Sound auf der Platte glänzt die Uptempo-Nummer „In bagno in aeroporto“ (Im Bad, im Flughafen), in dem es um das Betrügen in Beziehungen geht. Langsamer geht es dagegen in „Non mi lo so spiegare“ (Ich kann es mir nicht erklären) zu, in dem der Gesang mit Pianoklängen begleitet wird.

Das Stück „Mia nonna“ (Meine Oma) ist wieder ironisch zu verstehen, aber nicht weil er sich etwa über seine Großmutter lustig macht, sondern er erzählt über Leute, die zu viel wollen und baut dabei eine Weisheit seiner Oma ein („Mia nonna dice chi cerca ...“), deshalb der Titelname. Experimentell, wie er nun mal ist, baut er in „10 piegamenti!“ (10 Beugungen) auch witzige Elemente ein. Darin geht es darum, dass man seine Wut nicht immer an anderen auslassen soll, sondern es selbst besser machen und ruhig mal auf die Zähne beißen soll. „Temple bar“ ist ein musikalischer Abstecher in die Welt der Jazz-Music, mit tatkräftiger Unterstützung des international anerkannten Jazzpianisten Dado Moroni. „Ich erforsche gerne andere Bereiche der Black Music“, so Tiziano Ferro zum Song „Temple bar“. Die bezaubernde Ballade „Chi non ha talento insegna“ (Wer kein Talent hat, lernt es eben) sorgt für eine weitere musikalische Abwechslung.

Es ist fast alles dabei, somit sorgt Tiziano Ferro für sehr viel musikalische Vielfalt auf diesem Album, wobei seine Vorliebe hauptsächlich im Bereich R&B liegt. Zum Vorgängeralbum, das schon wahnsinnig erfolgreich war sind viele Verbesserungen festzustellen, vor allem ist der Sound wesentlich ausgereifter als noch bei „Rosso relativo“. Er verarbeitet auch viel mehr persönliche Geschehnisse, was dazu führt dass „111“ starke autobiographische Züge enthält. Ebenfalls lobenswert für alle, die dem Italienischen nicht mächtig sind, liegt dem normalen Booklet (mit allen italienischen Songtexten) noch ein Extra-Booklet mit Übersetzungen der kompletten 13 Songs in Englisch bei. Welcher Künstler bietet so etwas schon an? Jedenfalls nicht viele, wenn auch nicht er selber für die ganzen Übersetzungen zuständig gewesen sein sollte. Ein internationaler Remix der Single „Perverso“ befindet sich zwar dieses mal nicht auf dem Album, sondern auf der Single (um den Verkauf selbiger anzukurbeln), dafür sind die erbrachten Werke allesamt hörenswert.

Anspieltipps:

  • Perverso
  • Sere nere
  • In bagno in aeroporto
  • Mia nonna
  • 10 piegamenti
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